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Die endlose Namib – älteste Wüste der Welt

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Endlose Weiten – auf den ersten Blick könnte man glauben, dass in einer solch lebensfeindlichen Naturlandschaft weder irgendwas noch irgendjemand existieren, geschweige denn überleben kann. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Namib übersetzt als „Leerer Platz“ oder „Ort, wo nichts ist“ benannt wurde. Mit einer Ausdehnung von rund 2.000 km Länge und etwa 160 km Breite berührt sie im Norden die Skelettküste, in der Mitte die Walfischbucht und im Süden das für Touristen unzugängliche Diamantenfördergebiet.

Welwitschia mirabilis - Das lebende Fossil

Welwitschia mirabilis – Das lebende Fossil

Die erste geologische Entwicklungsphase der Namib-Wüste begann bereits vor etwa 120 Millionen Jahren. Die Entwicklung der Wüste, wie wir sie heute kennen, begann allerdings erst vor etwa 5 Millionen Jahren. Und dennoch gilt sie als die älteste Wüste der Welt?

Werden unterschiedliche Quellen befragt, wird das Alter der namibischen Wüste auf 55 Millionen Jahren bis 80 Millionen Jahre taxiert. Die deutsche Geologin Nicole Grünert beschreibt in ihrem Buch: „Namibia: Geologisches Wunderland“ ab Seite 50 den Widerspruch anhand der unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Wüste.

  1. Post-Gondwana Erosionsphase: Bildung einer Küstenplattform auf der sich die Namib-Wüste ausbreitet – vor etwa 120 Millionen Jahren
  2. Proto Namib-Wüstenphase: Wüstensande der Tsondab-Sandstein-Formation lagern sich auf der Küstenplattform ab – etwa in der Zeitspanne von vor 20 bis 12 Millionen Jahren
  3. Karpfenkliff-Phase: Große Flußsysteme (Kuiseb, Gaub, Tsauchab) entwässerten über die Küstenplattform – vor etwa 10 Millionen Jahren
  4. Kalkkrusten-Bildung: Das Klima wurde trockener und mächtige Kalkkrusten entstanden in Etoscha und am Ostrand – vor etwa 7 Millionen Jahren
  5. Namib-Wüstenbildung: Die Dünen markieren das letzte Entwicklungsstadium und haben ein Alter von etwa 2 Millionen Jahren

Durch diese Entstehungsgeschichte wird deutlich, dass das Gebiet der heutigen Namib auf deutlich älteren Wüstensanden liegt. Diese mittlerweile versteinerten Sanddünen treten im Gebiet von Lüderitz bis zum Kuiseb-Trockenfluss zutage. Weitere Ablagerungen des Tsondab-Sandsteins findet ihr im unteren Teil des Gamsbergs. Dieser Sandstein gilt als Beleg dafür, dass die Namib mit einem Alter von etwa 20 Millionen Jahren, die älteste Wüste der Welt ist.

Knochentrocken zieht sich die dürre Landschaft durch den Südwesten Afrikas und bietet mit Sandstürmen und täglichen Temperaturschwankungen von bis zu 70°C nicht unbedingt den idealen Lebensraum für Flora und Fauna. Wann die ideale Reisezeit für Namibia ist, klären wir in einem gesonderten Artikel.

Flora und Fauna der Namib

Dennoch haben es einige Pflanzen und Tiere geschafft, sich hier über Millionen von Jahren anzusiedeln und den ungünstigen, aber wenigstens sehr konstanten Bedingungen Stand zu halten. Da wundert es nicht, dass es in der Namib-Wüste ganz spezielle und weltweit einmalige Lebensformen gibt. So findet man hier die berühmte Wüstenpflanze Welwitschia Mirabilis.

Ort wo nichts ist

Das „lebendes Fossil“ und wird ca. 1000 Jahre alt, teilweise erreicht sie sogar ein Alter von bis zu 2000 Jahre. Das Leben in der Namib-Wüste wird hauptsächlich durch den Nebel ermöglicht. Eigentlich bestimmen Sonne und Wind das Wüsten-Wetter. Manchmal ist es in der Namib allerdings ganz anders. Dann liegt ein dicker Nebelschleier über der Landschaft. Dies geschieht, wenn die kühle Meeresluft des Atlantiks von den Passatwinden aufgewirbelt und über die Wüste getragen wird, wo sie auf die bis zu 60°C heiße Luft trifft. Das kalte Wasser kondensiert und es entsteht der bekannte Nebel. Dieser ist ausgesprochen wichtig für die Pflanzen und Tiere in der Namib, denn nur durch die Feuchtigkeit in der Luft können sie in dieser rappeltrockenen Wüste überleben. Die Welwitschia mirabilis zum Beispiel zieht das nötige Wasser aus der feuchten Luft und sammelt es dann in ihrer Wurzel. Auch zahlreiche Tiere haben sich den – extremen Lebensbedingungen in der Namib mittlerweile eindrucksvoll angepasst.

So auch der Nebeltrinker-Käfer, der eine wirklich außergewöhnliche Technik entwickelt hat, um in der Wüste Namib zu überleben. Schon am frühen Morgen legt er auf den Dünenkämmen einen Kopfstand hin und streckt sein Hinterteil in die vom Atlantik wehende, feuchte Luft, um die winzigen Tröpfchen Feuchtigkeit im Nebel aufzufangen. Daher wird er auch als „Kopfstand-Käfer“ bezeichnet.

Ein weiteres Naturspektakel sind die unglaublich farbintensiven Sanddünen der Namib-Wüste.

Namibs Sanddünen

In Abhängigkeit von Sonnenstand, Luft- und Sandfeuchtigkeit reflektieren sie in den unterschiedlichsten und kräftigsten Farben. Mit einer Höhe von circa 325m präsentiert sich die berühmte „Big Daddy Düne“ (Koordinaten: -24.76834, 15.30387) hierbei besonders imposant. Sie gilt vielen Quellen zu folge als die höchste Sanddüne auf unserem Planeten.

Nicole Grünert beschreibt die Höhe der Dünen im Buch „Namibias faszinierende Geologie“ wie folgt:

„Mit einer relativen Höhe von ca. 375 m über dem Tsauchab-Trockenfluss und einem Höhenunterschied von ca. 225 m zu den benachbarten Tälern zählen diese Dünen zu den höchsten der Welt“

Damit jeder die Übersicht behält, wurden die Dünen nummeriert. Einige sind bekannter als andere, nicht alle dürfen bestiegen werden:

  • Dune 7 (Koordinaten: -22.96999, 14.59696) – bei Walvis Bay,
  • Düne 45 (Koordinaten: -24.73106, 15.47164) – liegt 45 Kilometer vom Parkeingang (Sesriem) in Richtung Sossusvlei entfernt und ist etwa 170 Meter hoch
  • Big Mama (Koordinaten: -24.73402, 15.29006) – 1,8 Kilometer nördlich der Big Daddy gelegen aber nicht viel niedriger
  • Big Daddy Düne (Koordinaten: -24.76834, 15.30387)
  • Elim-Düne (Koordinaten: -24.451709, 15.769647) – kurz nach dem Eingang des Nationalparks, liegt somit am weitesten im Landesinneren, der Name geht auf die Farm zurück, auf der sich die Düne befand
Sanddünen der Namib

Beliebte Fotomotive, die Sanddünen der Namib | © Tom Hofmann

Der Tourismusverband von Namibia schreibt, dass „Big Daddy“ die höchste Sanddüne im Sossusvlei ist. Dune 7 dagegen ist die höchste in der Wüste Namib und erreicht 383 Meter.

Wir haben zumindest nicht nachgemessen! 😉

Die höchsten Dünen der Welt?

Der Mensch wird häufig von Superlativen angezogen. Je nach Betrachtungsweise gibt es bei Dünen, genau wie bei Bergen, mehrere Zugänge diese als am höchsten zu bezeichnen. Etwa sechs unterschiedliche Betrachtungsweisen existieren und nur bei zwei Arten ist beispielsweise der Mount Everest der höchste Berg der Welt.

  • gemessen von der Meeresoberfläche
  • gemessen vom Erdmittelpunkt
  • gemessen vom Fuß des Berges (submarin oder vom Festland aus)
  • gemessen an seiner Dominanz (Distanz zur nächsthöheren Erhebung)
  • gemessen an seiner Schartenhöhe (Höhendifferenz zwischen Berggipfel und dem höchstgelegenen Geländeeinschnitt)

Werden die Dünen der Namib via GPS vermessen, dann zeigen die Geräte häufig etwa 175 Meter an.

Aufgrund dieser Überlegungen, können Dünenlandschaften anderer Wüsten höhere Erhebungen hervorbringen. Hier sind die Sanddünen in Peru (Orte: Ica, Huacachina, Nazca) sowie besonders der Biluthu, ein Sandberg der Badain-Jaran-Wüste in Zentral-Nord-China, zu nennen

Weiterführende Quelle: Höchster Berg (Wikipedia)

Deadvlei

Kaum eine Begrifflichkeit ist so intensiv mit der Namib verbunden als Dead (engl.: Tot) Vlei (Afrikaans.: Senke). Die Ton-Pfanne wird von Sanddünen umschlossen und viele abgestorbene Akazienbäume säumen den vertrockneten Flusslauf.

Für die meisten Touristen wird das Sossusvlei der Ausgangspunkt für Erkundungen der Sanddünen darstellen. Diese Salz-Ton-Pfanne führt nur in besonders regenreichen Jahren Wasser und bildet einen See am Ende des Vlei.

Sossusvlei ist Teil des Namib Naikluft Nationalparks.

Doch die Namib hat noch mehr zu bieten – Diamanten! Diese begehrten Schätze liegen ganz tief unter dem Wüstensand und sind, seitdem sie 1908 erstmals entdeckt wurden, die wichtige Einnahmequelle für den Wüstenstaat Namibia. Bei all diesen Highlights ist die Namib-Wüste ein ganz besonderer Ort mit absolut beeindruckenden Dünenlandschaften, wie es ihn nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

Mehr als Sanddünen

Unweigerlich denken die meisten Urlauber beim Namen „Namib“ an die erwähnten Sanddünen. Allerdings umfasst dieser Bereich nur etwa ein Fünftel der kompletten Ausdehnung. Von Rooibank nach Lüderitz müsstet ihr 400 Kilometer durch die älteste Wüste der Welt zurücklegen.

Die Ausdehnung der Namib erreicht im Norden die Stadt Benguela (Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Angola), welche bereits etwa 500km von der Grenze (Namibia/Angola) entfernt ist. Somit befindet sich etwa ein Viertel der Wüste in Angola.

Im Süden wird die Namib vom Fluss Oranje begrenzt. Er transportiert auf seiner 2160 Kilometer langen Strecke große Mengen Sand aus dem Landesinneren zum Mündungsgebiet Oranjemund. Dieser Sand wird durch den Bengualstrom und dem Südwestwind an die Küste getrieben, wodurch der Oranje auch als „Vater der Namib“ bezeichnet wird. Der Fluss ist sozusagen der Ausgangspunkt der Dünen.

Weiterführende Informationen auf Wikipedia: Benguela, Oranje Fluss, Benguelastrom

In große Teilen der Namib findet ihr Buschvegetationen vor, wodurch sich Nashörner und sogar Wüstenelefanten angesiedelt haben. An der Küste können Südafrikanische Seebären bestaunt werden.

Möchtet ih die Abgeschiedenheit, Ruhe und unverfälschte Natur genießen?

Oder lieber Action beim Sandboarding?

In Swakopund gibt es mehrere Guides, um der Düne 7 aus anderen Blickwinkeln zu begegnen. Entweder Sie sausen via Snowboard den Abhang hinunter oder legen sich auf ein biegsames Holzbrett. Das nennt sich dann „Lie Down Boarding“. Action ist bei beiden Disziplinen garantiert. Das die älteste Wüste der Welt auch solche Dinge erleben wird, hätte sie wohl selbst nicht gedacht.

Unser Tipp: Beim Sandboarding am besten mehr Gewicht auf den hinteren Fuß verteilen. Als Anbieter sind Culturalactivities und Alter Action zu empfehlen. Am einfachsten entdeckt man die Region als Selbstfahrer mit dem eigenen Fahrzeug, unbedingt auch den Vorschlägen der Reisespezialisten folgen, da die Distanzen nicht zu unterschätzen sind.

Mit Wissen Über die Namib beeindrucken

Mit folgenden Fakten beeindrucken Sie im nächsten Quizduell:

  • Die Namib ist mit einem Alter von 12 bis 20 Millionen Jahren die älteste Wüste der Welt. Die Bildung der heutigen Dünenfelder wird auf circa 2 Millionen Jahre datiert.
  • Es gibt 22 Wüsten die größer sind.
  • Die Big Daddy Düne gilt als höchste Sanddüne der Welt und wird auch „Crazy Dune“ genannt
  • Streitet sich allerdings häufig mit der Düne 7 um den Titel
  • Im Jahr 2000 diente das Deadvlei als Kulisse für den Film „The Cell„.
  • Der Oranje ist der zweitlängste Fluss im südlichen Afrika (Sambesi ist mit 2574 km länger) und wird als Vater der Namib bezeichnet

Interessante Quellen und Berichte über Sossusvlei und die Namib: Ingrids-Welt.de

Big Daddy, eine der höchsten Dünen der Welt, Namibia

Big Daddy, eine der höchsten Dünen der Welt, Namibia | © Landschaftsfotografie David Köster

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Katja

Ließ sich bei Madiba.de absolut vom "Afrika-Fieber" anstecken und ist nun voller Begeisterung und Motivation dabei alles über Land und Leute zu erfahren und dies an unsere Leser und Reiseinteressierten weiterzugeben. Ihre bisherigen Reisen führten Sie mehrmals nach Südafrika, Botswana und Simbawbe und Sie kann es kaum erwarten die unzähligen Eindrücke und Erlebnisse zu teilen!

    4 Comments

    1. Sandra

      29. Mai 2017 at 13:11

      Wenn ich das Fotolicht besonders lange nutzen möchte, ist eine Übernachtung innerhalb des Parks sinnvoll? Wie sind die Öffnugnszeiten?

      • René

        30. Mai 2017 at 15:15

        Hallo Sandra,

        damit du die Dünen der Namib überhaupt sehen kannst, musst du zwei Tore passieren. Je nachdem wo eure Unterkunft liegt, kann die Antwort daher unterschiedlich ausfallen.

        Das innere Tor öfnet eine Stunde vor Sonnenaufgang und wird eine Stunde nach Sonnenuntergang verschlossen.

    2. Pingback: Südliches Afrika Reiseempfehlungen für Südafrika, Botswana, Namibia › African Inspiration Magazin

    3. Pingback: beste Reisezeit für Namibia - Wann ist es ideal? › Reisemagazin südliches Afrika

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