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Das Leben des Nelson Mandela

Damals, am 18. Juli 1918, als Nelson Mandela in Mvezo, Transkei,  zur Welt kam wurde er von seinem Vater Rolihlahla genannt. In der Sprache der Xhosa ist das ein liebevoller Ausdruck für „Unruhestifter“. Doch später lernte die Welt diesen Jungen unter dem Namen Nelson kennen – seinen englischen Namen. Den Namen Nelson erhielt Mandela an seinem ersten Schultag von seiner Lehrerin – nicht umsonst, denn sein ganzes Leben lang hat Mandela im allerbesten Sinne des Wortes Unruhe gestiftet.

Eine Besonderheit von Mandela ist, dass er sich schon in jungen Jahren als Anwalt in Johannesburg für die Schwächeren einsetzte. Genauso energisch bekämpfte er in jungen Jahren die Apartheid in Südafrika und verbrachte fast 27 Jahre im Gefängnis, weil er für seine Überzeugung eingetreten ist. Er kämpfte dafür, dass jeder, aber auch wirklich jeder Südafrikaner ein Recht darauf hat, zur Wahl gehen zu dürfen. Nach seiner Freilassung 1990 führte er Südafrika zu seinen ersten freien und fairen Wahlen. Am 9. Mai wurde er vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Als sein zweiter Sohn Makgatho Mandela am 6. Januar 2005, im Alter von 54 Jahren, in Johannesburg an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS starb, nahm er diesen Schicksalsschlag zum Anlass, sein Land über die Krankheit Aids aufzuklären. Er kämpfte für die Armen und engagierte sich für gleichen Zugang zu Bildung. Er forderte die Welt auf, gemeinsam und mit Entschlossenheit gegen die Armut und Rassentrennung zu agieren Taten sollten folgen – nicht nur Worte.

Und er hat der ganzen Welt gezeigt, wie viel doch ein einzelner „Unruhestifter“ bewegen kann. Nach 27 Jahren Gefängnis seinen Peinigern zu vergeben und ein Land zu vereinen, das auch im Bürgerkrieg hätte enden können, ist wohl die größte Leistung dieser „Ikone der Menschlichkeit“. Ob Schwarze, Weiße oder Farbige, ein ganzes Land verehrt einen Mann, der sein Leben dem Freiheitskampf und der Versöhnung gewidmet hat. Südafrika wäre heute ein anderes Land, würde es diesen Mann nicht geben und jeder Südafrikaner ist sich diesem bewusst!

Außerdem haben die Vereinigten Nationen am Geburtstag des Friedensnobelpreisträgers, dem 18. Juli, zum internationalen „Nelson- Mandela-Tage“ ausgerufen.

Lebenslauf

1918 geboren als Rohlilahla Mandela am 18. Juli in Mvezo bei Mthatha, Transkei in Südafrika
Vater: Gadla Henry Mandela
Mutter: Nosekeni Fanny
traditioneller Clanname: Madiba
3 Schwestern, 3 Brüder
Zugehörigkeit zum Königshaus der Thembu
Mandela erlebte eine naturverbundene Kindheit in relativem Wohlstand.

1939 schreibt er sich im University College von Fort Hare in Alice ein. Hier lernt Mandela seinem langjährigen politischen Weggefährten Oliver Tambo, einem späteren Präsidenten des African National Congress (ANC), kennen. Er studiert die Fächer Englisch, Anthropologie, Politik, „Eingeborenenverwaltung“ und Römisch-Holländisches Recht. Er strebt eine Dolmetscher- oder Beamtenkarriere für das Regierungsministerium für „Eingeborenenangelegenheiten“ an.

1941 soll er zwangsverheiratet werden und flüchtet darauf nach Johannesburg. In der Anwaltskanzlei Witkin, Sidelsky & Eidelman nimmt er eine Ausbildungsstelle an.

1943 Mandela beendet sein Fernstudium an der University of South Africa (UNISA) mit einem Bachelor of Arts, worauf er an das University College of Fort Hare zwecks Graduierung zurückkehrt.
Erst 1989, zum Ende seiner Haftzeit, konnte Mandela dieses bis dahin unvollendete Studium, welches immer wieder durch seine politische Karriere unterbrochen wurde, an der UNISA mit einem Bachelor of Law abschließen.

1944 Eintritt in den ANC (African National Congress) und Gründung der ANC Youth League mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen.

1948 Einführung der Politik der Apartheid.

„Apartheid […] war die Kodifizierung aller Gesetze und Vorschriften, die über Jahrhunderte hinweg die Schwarzen gegenüber den Weißen in einer untergeordneten Position gehalten hatten.“ „Die weiße Vorherrschaft“ sollte „mit aller Härte“ gegenüber „Afrikanern, Farbigen und Indern“ „für alle Zeit“ gesichert werden. Dazu wurden Gesetze erlassen, wonach alle Südafrikaner nach „Rassenzugehörigkeit“ eingeteilt, „Mischehen“ verboten, das begrenzte Wahlrecht für Nichtweiße abgeschafft und strikt getrennte Wohnbezirke eingeführt werden sollten. Damit sei die Hautfarbe das einzige und wichtigste Kriterium zur Bewertung des einzelnen geworden.“

1950 Mandela ist Generalsekretär des ANC und besticht durch seine Redegewandtheit bei öffentlichen Auftritten.

1951 wird er zum Präsidenten der ANC Youth League gewählt.

1952-56 Mandela öffnet sich dem Marxismus und zu einer Politik, die nicht nach Hautfarbe unterscheidet. Er leitet die Defiance Campaign, arbeitet am Mendela Plan und eröffnet zusammen mit Oliver Tambo die erste allein von Schwarzen geführte Anwaltssozietät Südafrikas unter dem Namen Mandela & Tambo Attorneys. Aufgrund seines Engagements wird er mehrmals verbannt und darf Johannesburg nicht verlassen und auch nicht an politischen Versammlungen teilnehmen.

1960 nachdem im März beim Massaker von Sharpeville unbewaffnete Demonstranten erschossen und in der Folge der ANC und andere Anti-Apartheid-Gruppen verboten wurde, unterstützen Mandela und seine Mitstreiter die vom ANC proklamierte Notwendigkeit des gewaltsamen Kampfes gegen die Apartheid.
„Wenn die Reaktion der Regierung darin besteht, mit nackter Gewalt unseren gewaltlosen Kampf zu zermalmen, so werden wir unsere Taktik zu überdenken haben.“ Die Zeit der friedlichen Umwälzungsversuche erklärte er für beendet.

1961 Im Dezember wird Mandela Anführer des bewaffneten Flügels des ANC, der zunächst beschließt, Sabotageakte durchzuführen und dabei möglichst keine Menschenleben zu gefährden.

1962 am 05. August wird Mandela als Chauffeur verkleidet außerhalb der Ortschaft Howick in KwaZulu-Natal verhaftet. Mit der Festnahme beginnt seine insgesamt 27-jährige Haft in diversen Gefängnissen, die ihm zum wohl berühmtesten politischen Gefangenen der Welt machen.

1964 Mandela kommt nach Robben Island vor die Küste Kapstadts, um auf der damaligen Gefängnisinsel isoliert zu werden. Während seiner Haftzeit belegt er Fernkurse für den Bachelor of Law an der London University.

1991 Mandela wird am 11. Februar aus der Haft entlassen.  Staatspräsident Frederik de Klerk hatte den Befehl gegeben und wenige Tage zuvor das Verbot des ANC aufgehoben. Wenige Tage nach seiner Freilassung hält er eine Rede im FNB-Stadion in Johannesburg und leitet damit öffentlich seine Politik der Versöhnung (reconciliation) ein. Sein Ziel ist es, das Land am Kap ohne Verbitterung in die Freiheit und Demokratie zu führen und allen Bürgern gleiche Rechte und ein Leben in Würde zu garantieren.

1993 im Februar wird eine Vereinbarung über freie Wahlen und eine fünfjährige Übergangsregierung der nationalen Einheit erzielt. Mandela und de Klerk erhalten für diese Leistung 1993 gemeinsam den Friedensnobelpreis.

1994 Am 9. Mai wird Nelson Mandela vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. In diesem Jahr erscheint ebenfalls seine Autobiografie. Dort schreibt er:

„Während dieser langen, einsamen Jahre (der Haft) wurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz. […] Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses. […] Der Unterdrückte und der Unterdrücker sind gleichermaßen ihrer Menschlichkeit beraubt. Als ich das Gefängnis verließ, war es meine Aufgabe, beide, den Unterdrücker und den Unterdrückten zu befreien.“ Doch ein langer, noch schwierigerer Weg stehe noch bevor. „Denn um frei zu sein genügt es nicht, einfach nur die Ketten abzuwerfen, sondern man muss so leben, dass man die Freiheit des anderen respektiert und fördert.“

Während seiner Regierungszeit werden zahlreiche Gesetze der Apartheidszeit widerrufen, Armee und Polizei neu gegründet, Kinder unter sechs Jahren, schwangere und stillende Mütter erhalten Gesundheitsfürsorge. Ab 1996 ist die „Primäre Gesundheitsfürsorge“ für alle Südafrikaner kostenfrei. Er sorgt für den Anschluss von 2 Mio. Haushalten an das Stromnetz, 3 Mio. erhalten einen Wasseranschluss und 750.000 Häuser werden neu gebaut.

1999 am 29. März hält er seine Abschiedsrede und scheidet aus der aktiven Politik aus. Am 19. August gründet er die Nelson Mandela Stiftung, in deren Mittelpunkt die ideelle Fortsetzung seines Lebenswerkes und die Geschichte der Antiapartheidsbewegung steht.

2010 Zur Abschlussfeier der Fußballweltmeisterschaft in Südafrik, am 11. Juli, war Mandela kurzzeitig anwesend. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

2013 im Juni wird Mandela in der Mediclinic Heart Hospital, Pretoria stationär aufgenommen. Bereits während seiner Gefangenschaft erkrankte er an Tuberkulose und hat seitdem immer wieder Probleme mit seiner Lunge. Zahlreiche hochrangige Politiker und persönliche Wegbegleiter besuchen ihn am Krankenbett. Vor der Klinik versammeln sich täglich viele Menschen, um Genesungswünsche zu äußern, zu beten und zu singen. Im September wird Mandela nach Hause entlassen. Am 05. Dezember stirbt Mandela im Kreise seiner Familie an den Folgen der Lungenentzündung. Präsident Zuma verabschiedete seinen Vorgänger mit den Worten: „Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren.“

Gefangenschaft

Ehemalige Zelle von Nelson Mandela | Robben Island
Ehemalige Zelle von Nelson Mandela | Robben Island

Im März 1960 kam es in Sharpeville bei einer gewaltfreien Demonstration des PAC (Pan Africanist Congress), einer Abspaltung des ANC, zu einer Katastrophe. 69 Schwarzafrikaner wurden von der Polizei erschossen und der Tag ging als Massaker von Sharpeville in die südafrikanische Geschichte ein. Der ANC wurde daraufhin von der Regierung verboten und musste sich künftig im Untergrund organisieren. Auch Nelson Mandela musste von nun an im Untergrund leben, um vor den Übergriffen durch den Staat sicher zu sein. Trotzdem setzte er sich weiter für eine neue Verfassung und die Demokratisierung des Landes ein und gründete 1961 eine bewaffnete Kampforganisation des ANC- den Umkhonto we Sizwe (Speer der Nation). Er bezeichnete sich nie als Pazifist, die Ziele der Attentate waren jedoch keine Personen, sondern die symbolischen Statuten des weißen Regimes. Für seinen Einsatz gegen die Apartheid wagte Nelson Mandela schließlich eine Reise ins Ausland um dort Unterstützer zu werben. Nach seiner Rückkehr wurde Mandela festgenommen und zu fünf Jahren Haft verurteilt. 1963, ein Jahr später, stand er gemeinsam mit anderen Angeklagten erneut im Rivonia-Prozess vor Gericht. Ihm wurde die Anstiftung zur militärischen Revolution und zu Sabotageaktionen vorgeworfen. Der Staatsanwalt wollte Mandela zum Tode verurteilen, jedoch ließ sich der zuständige Richter nicht darauf ein und verurteilte ihn zu einer lebenslangen Haftstrafe. Für den Angeklagten kam das Urteil einem Freispruch gleich. Gegenüber einem Freund hatte Nelson Mandela schließlich verlauten lassen, dass er im Falle einer Verurteilung keinen Widerspruch einlegen und sich dem Henker anvertrauen würde. Für 27 Jahre wird Mandela im Gefängnis sitzen. 18 Jahre davon auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island.
Erst in den Achtziger Jahren entschärfte sich die Situation langsam. Mandela konnte Robben Island verlassen und wurde zunächst im Pollsmoor – sowie ab 1988 im Victor-Verster-Gefängnis inhaftiert. Hier lebte er in einem eigenen Bungalow und durfte sogar verschiedene Ausflüge unternehmen. Die Apartheid-Regierung begann zu bröckeln und geriet durch die internationalen Wirtschaftssanktionen immer mehr unter Druck. Der Versuch den populärsten Widersacher freundlich zu stimmen, lag darum nahe. Nelson Mandela jedoch erkannte die Zeichen der Zeit, ließ sich auf diese Bestechungen nicht ein und wartete ab.

Freilassung

1990 gestand das Regime seine Niederlage ein. Das Verbot gegen den ANC wurde aufgehoben und das Ende der Apartheid eingeläutet. Im Februar verließ Mandela das Gefängnis, die Faust siegreich erhoben – ein Bild das um die Welt ging. Zwischen 1990 und 1994 führte er die Verhandlungen über politische Reformen mit der südafrikanischen Regierung und sorgte somit für einen sanften Übergang zur neuen Regierung. Zusammen mit de Klerk erhielt er 1993 für sein Bürgerrechtsengagement den Friedensnobelpreis.

Gleichzeitig stand Südafrika in dieser Zeit jedoch kurz vor einem Bürgerkrieg – weiße Rechtsextremisten, ANC-Kämpfer und Zulu-Sympathisanten lieferten sich immer wieder Straßenkämpfe. Mandela richtete sich, nachdem der Kommunist Chris Hani von einem Weißen erschossen wurde, in einer Rundfunkübertragung an die Südafrikaner und appellierte an ihre Menschlichkeit. Das Blutbad blieb aus und Nelson Mandela wurde 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten – von einem bürokratischen Staat, der jedoch wirtschaftlich komplett ruiniert war und mit gewaltigen sozialen Unterschieden zu kämpfen hatte. Bereits fünf Jahre später trat er als Präsident zurück und betätigte sich als Anwalt für verschiedene Menschenrechts-Organisationen. Mandela reagierte mit seinem Rücktritt auf kritische Stimmen, die vor allem sein unterlassenes Engagement gegen Südafrikas größten Feind, die Aids Erkrankungen, anprangerten. Seinen Mut, sich Fehler einzugestehen – auch darin war er ein Vorbild für viele afrikanische Führer.

Filme mit und über Nelson Mandela

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit – Eine eindrucksvolle Biografie

Mit dem Film „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ kommt seine außergewöhnliche Lebensgeschichte auf die Leinwand und setzt dem Verstorbenen Bürgerrechtler ein würdiges Denkmal.

Es gibt sehr wenige Menschen auf der Welt, die den Namen Nelson Mandela noch nie gehört haben – und wenige, die ihm nicht mit Respekt begegnen. Aber wie verfilmt man das Leben einer so bedeutenden Persönlichkeit? Regisseur Justin Chadwick erzählt in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ den beschwerlichen Weg von Mandela zum Nationalhelden und ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika.

Würdevoll, jedoch in keiner Weise glorifizierend, sollte die Biografie werden. Diese schwierige Gratwanderung ist Chadwick, bekannt durch seinen Film „Die Schwester der Königin“, durchaus geglückt. Entstanden ist ein bewegender Film, welcher bildgewaltig die persönliche Geschichte eines Mannes porträtiert, der entgegen aller Widerstände konsequent für sein Land und ein besseres Leben für die schwarze Bevölkerung kämpft. Aber Chadwick zeigt auch die menschliche Seite von Mandela – einen Friedensnobelpreisträger, der trinkt, mit schönen Frauen flirtet und sich mit Schusswaffen und Bomben beschäftigt.

Im Jahr 2009 hatte sich bereits Clint Eastwood mit seinem Film „Invictus“ mit Nelson Mandela auseinandergesetzt. Damals spielte Morgan Freeman den ersten farbigen Präsidenten und verkörperte den Staatsmann eindrucksvoll in seinen Bemühungen, den Hass zwischen Schwarzen und Weißen zu überwinden. „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ beruht nun auf der gleichnamigen Autobiografie von Nelson Mandela und schildert das gesamte Leben des Südafrikaners, beginnend während der Mannwerdung bei einem Initiationsritus in seinem Heimatdorf, über seinen Weg zum Freiheitskämpfer und die langen Jahre im Gefängnis, bis hin zur Vereidigung.

Der Film beginnt mit malerischen Aufnahmen von der Landschaft Südafrikas. In einem afrikanischen Dorf schminken sich junge Afrikaner für eine Zeremonie in einer Lehmhütte. Einer von ihnen ist Nelson. Den europäisch klingenden Namen hat ihm ein Lehrer an seinem ersten Schultag gegeben. Von seinem Vater wurde er zu Ehren seiner Herkunft aus der Königsfamilie der Thembu stattdessen Rolihlahla, „der Unruhestifter“, getauft. Doch Unruhe wollte er nicht stiften und ging für eine Ausbildung zum Juristen nach Johannesburg. In den 40er Jahre herrscht nach wie vor Apartheid und so wurde er selbst als Jurist nur als ein Mensch der zweiten Klasse betrachtet. Durch sein persönliches Erleben und das Schicksal von Freunden verliert Mandela den Glauben daran sich durch Bildung und harte Arbeit einen Platz in der (weißen) Gesellschaft zu verschaffen und tritt schließlich dem ANC, African National Congress, der einstigen Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei bei. Er geht für die Rechte der schwarzen Bevölkerung auf die Straße und kämpft gegen Apartheid sowie britische Vorherrschaft in Südafrika. Mandela wird zu einem der Anführer und muss sein Familienleben mit seiner Frau Winnie, gespielt von Naomie Harris – bekannt aus „Skyfall“ sowie „Fluch der Karibik“, und den Kindern aufgeben und in den Untergrund gehen. Auf einer abgelegenen Farm, wo die Gruppe auch Bomben baut, werden sie entdeckt und verhaftet. Für Mandela beginnen 27 einsame und harte Jahre im Gefängnis auf der Insel Robben Island vor Kapstadt. Er muss in einem Steinbruch arbeiten – lebenslang lautet das Urteil.

Deutlich vermittelt der Film den intensiven Einfluss, den Mandela auf das südafrikanische Volk hatte, jedoch lässt sich das Bestreben der Filmemacher, bei einem solchen Leben wie dem von Mandela immer den richtigen Focus zu setzen nicht immer umsetzen. Der Wunsch so viel wie möglich seiner Biografie zu zeigen, sorgt an manchen Stellen für eine gehetzte und überzeichnete Erzählweise. Außerdem spart der Film, vermutlich aus Gründen der dramaturgischen Vereinfachung aus, dass der echte Mandela auch als Student schon politisch aktiv war und rebellierte.

Doch besonders durch Hauptdarsteller Idris Elba, zuletzt in „Prometheus“ und „Thor“ zu sehen, gewinnt der Protagonist seine charismatische Wirkung. Er trägt mit seiner kraftvollen und ideenreichen Darstellung den Film und macht Mandela zum weltweiten Symbol für friedlichen Widerstand. Außerdem altert er auf überzeugende Art und wenig plakative Weise, sowohl durch die gelungene Maske dargestellt, als auch durch seine reifere und später tattriger werdende Gestik und Mimik und macht somit Mandelas Entwicklung zum gütigen „Tata Madiba“ deutlich.

Nelson Mandela selbst hat den fertigen Film nicht mehr anschauen können, sondern bekam zu Hause im Voraus nur Auszüge zu sehen. Er war Anfang November 2013 bereits zu geschwächt, um bei der südafrikanischen Premiere in Johannesburg dabei zu sein. Als er am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren verstarb, fand genau zu diesem Zeitpunkt die Europapremiere in London statt. Seine Tochter Zindzi Mandela, die bei der Premiere anwesend war, wurde noch während des Filmes von Tod ihres Vaters in Kenntnis gesetzt. Viele der prominenten Gäste erfuhren nach dem Abspann vom Tod des bedeutenden südafrikanischen Staatsmannes.

Am 30. Januar 2014 startete der 140 Minuten lange Film in den deutschen Kinos. Wer sich Mandelas Kampf für Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit noch einmal deutlich vor Augen führen will, sollte sich diese poetische Liebeserklärung nicht entgehen lassen.

Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela

In dem Dokumentarfilm von Regisseur Khalo Matabane aus dem Jahr 2013 versucht Matabane die verschiedenen Facetten von Tata Mandela zu beleuchten. Ganz unterschiedliche Menschen lässt er dabei zu Wort kommen – Weggefährten Mandelas, politische Gegner, Unterstützer der Apartheid, Literaturwissenschaftler, Nobelpreisträger, Alte, Junge, Schwarze, Weiße, Reiche und Menschen aus den Townships.
Sie alle setzten ihre Hoffnungen in ihn, den ersten frei gewählten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Sie alle hatten ganz unterschiedliche Erwartungen an seine Amtszeit (1994 bis 1999). Viele wurden enttäuscht, denn sie hofften auf die Revolution, die ihnen versprochen wurde, hofften auf Freiheit, Gleichberechtigung, auf ein besseres Leben.

So sehen drei Jugendliche aus einem Township Mandelas Regierungszeit durchaus kritisch. Mandela brachte Freiheit, Schwarze können die gleichen Schulen besuchen wie Weiße, haben die gleichen beruflichen Chancen, aber an der Lebenssituation hat sich nichts geändert. Arme bleiben arm. Mandela kehrte in ein wohlhabendes Leben zurück. Ein Leben, das durch die Arbeit seiner armen Landsleute ermöglicht wurde. Das klingt krass – klingt nach großer Frustration.
Was sind Mandelas Verdienste? Was hinterlässt er? Kann man Nelson Mandela auch für die momentane Situation in Südafrika verantwortlich machen? Was hätte er anders machen sollen?

Da äußert sich Colin Powell, Außenminister unter George W. Busch 2001 – 2005, positiv zu Mandela, fast freundschaftlich; Bundespräsident Joachim Gauck spricht vom Handreichen und der Vergebung, die er ehemaligen Stasi-Informanten zuteil habe werden lassen –  ein gewagter Vergleich.
Man sieht Bilder von Künstlern die sich mit Madiba ablichten lassen, um sich in dessen Glanz zu sonnen und ihr Gutmenschentum zu demonstrieren.

Antworten gibt der Film keine. Er bleibt oberflächlich, allgemein – ein bisschen Schwarz-Weiß-Malerei.
Man ist erschlagen von den Menschen, den Bildern, die Khalo Matabane, 1974 geboren in Limpopo, Südafrika, zeichnet. Einen roten Faden gibt es nicht; eher eine 85-minütige Auseinandersetzung des Regisseurs mit seinem eigenen Leben in der Gegenwart eines übermenschlichen Mythos. Das zeigt auch der Originaltitel des Films „Nelson Mandela: The Myth and Me“.

Bücher über Nelson Mandela

Nelson Mandela: Bekenntnisse

Dem Aufruf des charismatischen Friedensnobelpreisträgers zur Versöhnung folgten alle Südafrikaner. Zum ersten Mal öffnet Nelson Mandela, die Ikone der Freiheitsbewegung Südafrikas, sein privates Archiv: „Ein Archiv zu haben heißt, ein Schatzhaus haben“, sagt Nelson Mandela. Erstmals macht der Vater der Regenbogen-Nation nun sein privates Archiv zugänglich: „Bekenntnisse“ enthält die persönlichen Notizen, Tagebuchaufzeichnungen und Briefe aus über fünf Jahrzehnten seines Lebens. Darunter befinden sich nie veröffentlichte Dokumente wie die Briefe an seine Frau Winnie aus der Zeit der Gefangenschaft auf Robben Island; die Korrespondenz mit den engsten Freunden; das Tagebuch, aus dem er nach dem Tod seines Sohnes Thembi die Kraft zum Weiterleben schöpfte; die Notizen und Betrachtungen, die er als erster schwarzer Präsident Südafrikas niederschrieb.

Buchtitel: Bekenntnisse Nelson Mandela

Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Eine fast drei Jahrzehnte währende Gefängnishaft ließ Nelson Mandela zum Mythos der schwarzen Befreiungsbewegung werden. Kaum ein anderer Politiker unserer Zeit symbolisiert heute in solchem Maße die Friedenshoffnungen der Menschheit und den Gedanken der Aussöhnung aller Rassen wie der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger. Auch nach seinem Tod finden seine ungebrochene Charakterstärke und Menschenfreundlichkeit die Bewunderung aller friedenswilligen Menschen auf der Welt. Mandelas Lebensgeschichte ist über die politische Bedeutung hinaus ein spannend zu lesendes, kenntnis- und faktenreiches Dokument menschlicher Entwicklung unter Bedingungen und Fährnissen, vor denen die meisten Menschen innerlich wie äußerlich kapituliert haben dürften.

Fazit

Mandela hat es geschafft, den Bürgerkrieg in Südafrika zu verhindern – er hat die schwarzen Südafrikaner befreit – aber er hat keine bessere Zukunft gebracht. Das konnte er auch nicht. Er war ein alter Mann, eine Vaterfigur, die für Frieden und Verständnis warb. Seine Nachfolger sollten sein Vermächtnis weiterführen, Südafrika besser machen – aber sie haben ihre Chance nicht genutzt. Die Regierung ist korrupt.
„Man lebt wie auf einem Pulverfass und über kurz oder lang explodiert es“, findet Thabo Thindi, ein in Berlin lebender Künstler aus Südafrika. Er war zehn Jahre als Mandela aus der Haft entlassen wurde; barfuß ist er dem Held entgegengelaufen als dieser sein Township besuchte. Für ihn ist alles gut gelaufen – gute Schule, Studium, guter Job. Aber er kennt auch die Schattenseite, die wohnt gleich auf der anderen Straßenseite – arme Menschen ohne Chance. In der eigenen Familie gäbe es diese Gegensätze auch, so Thindi, der die Lebenswege der während der Apartheid geflohenen Südafrikaner mit seiner Kunst nach zu zeichnen versucht.

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Jule

Hat Germanistik und Journalistik studiert und unterstützt Madiba.de vor allem mit Worten. Ihre Aufgabe ist es, den Blog mit allerlei Wissenswertem und spannenden Neuigkeiten aus Südafrika zu füttern. Das Land am südlichen Zipfel des afrikanischen Kontinents kennt Sie bis jetzt jedoch nur aus zweiter Hand. Aber die Natur und Kultur haben es ihr schon lange angetan und damit ist eine Reise in die Heimat der legendären „Big Five“ sicher auch nur noch eine Frage der Zeit.

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