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Nelson Mandela

Kaum ein Mensch hat in unserer Zeit die Weltpolitik so beeinflusst wie Nelson Mandela.

Das Leben des Nelson Mandela

  • geboren 18. Juli 1918 in Mvezo (Ostkap, Distrikt OR Tambo)
  • gestorben 5. Dezember 2013 in Johannesburg
  • traditioneller Clanname Madiba
  • gilt heute als herausragender Vertreter im Freiheitskampf
  • erhielt 1993 den Friedensnobelpreis

Es war der beeindruckendste Moment der Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika – begleitet von seiner Frau Grace Machel wurde Nelson Mandela kurz vor Beginn des Finalspiels Spanien gegen Niederlande durch die beeindruckende Kulisse des Soccer City Stadions gefahren. In diesem Moment jubelten ihm nicht nur die 80.000 Fußball Fans frenetisch zu, ganz Südafrika erhob sich und erwies „dem wohl letzten echten Held“, wie ihn sein Vertrauter Richard Stengel in seiner jüngsten Biografie nennt, die Ehre.

Nelson Mandela, Südafrikas Nationalheld, feiert nun heute am 18. Juli 2010 seinen 92. Geburtstag. Diesen feierlichen Anlass will er, so hat er es sich gewünscht, im Kreise der Familie zu Hause in Johannesburg erleben.

Damals, am 18. Juli 1918, als Nelson Mandela zur Welt kam wurde er von seinem Vater Rolihlahla genannt. In der Sprache der Xhosa ist das ein liebevoller Ausdruck für „Unruhestifter“. Doch später lernte die Welt diesen Jungen unter dem Namen Nelson kennen – seinen englischen Namen. Den Namen Nelson erhielt Mandela an seinem ersten Schultag von seinem Lehrer – nicht umsonst, denn sein ganzes Leben lang hat Mandela im allerbesten Sinne des Wortes Unruhe gestiftet.

Eine Besonderheit von Mandela ist, dass er sich schon in jungen Jahren als Anwalt in Johannesburg für die Schwächeren einsetzte. Genauso energisch bekämpfte er in jungen Jahren die Apartheid in Südafrika und verbrachte fast 27 Jahre im Gefängnis, weil er für seine Überzeugung eingetreten ist. Er kämpfte dafür, dass jeder, aber auch wirklich jeder Südafrikaner ein Recht darauf hat, zur Wahl gehen zu dürfen. Nach seiner Freilassung 1990 führte er Südafrika zu seinen ersten freien und fairen Wahlen. Am 9. Mai wurde er vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Als sein zweiter Sohn Makgatho Mandela am 6. Januar 2005, im Alter von 54 Jahren, in Johannesburg an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS starb, nahm er diesen Schicksalsschlag zum Anlass, sein Land über die Krankheit Aids aufzuklären. Er kämpfte für die Armen und engagierte sich für gleichen Zugang zu Bildung. Er forderte die Welt auf, gemeinsam und mit Entschlossenheit gegen die Armut und Rassentrennung zu agieren Taten sollten folgen – nicht nur Worte.

Die Apartheid schrieb eine strenge Rassentrennung vor. Weiße und Schwarze Menschen durften an öffentlichen Orten nicht miteinander sprechen. Die Hochphase hatte diese Periode zwischen 1940 bis 1980 und endete 1994.

Und er hat der ganzen Welt gezeigt, wie viel doch ein einzelner „Unruhestifter“ bewegen kann. Nach 27 Jahren Gefängnis seinen Peinigern zu vergeben und ein Land zu vereinen, das auch im Bürgerkrieg hätte enden können, ist wohl die größte Leistung dieser „Ikone der Menschlichkeit“. Ob Schwarze, Weiße oder Farbige, ein ganzes Land verehrt einen Mann, der sein Leben dem Freiheitskampf und der Versöhnung gewidmet hat. Südafrika wäre heute ein anderes Land, würde es diesen Mann nicht geben und jeder Südafrikaner ist sich diesem bewusst!

Für Madibas 92. Geburtstag ist nun ein feierliches Geburtstagsständchen, gesungen von 95 Kindern aus Mandelas Geburtsort Mvezo und Qunu, geplant. Dies teilte ihm sein Enkel Nkosi Zwelivelile Mandela in Johannesburg mit. Außerdem haben die Vereinigten Nationen am Geburtstag des Friedensnobelpreisträgers, dem 18. Juli, zum internationalen „Nelson- Mandela-Tage“ ausgerufen.

Sein Leben lang hat Nelson Mandela unerbittlich für Gerechtigkeit und gegen Armut gekämpft. Wir, das Madiba.de – Team, möchten ihm nun ganz herzlich zu seinem 92. Geburtstag gratulieren und ihm unserer Dankbarkeit und Anerkennung aussprechen.

Happy Birthday Madiba!

Happy Birthday to you
Happy Birthday to you
Happy Birthday dear Tata
Happy Birthday to you
We love you Tata
We love you Tata
We love you dear Tata
Happy birthday to you.

Nelson Mandela
Nelson Mandela. Nelson Mandela. Ha hona ya tshwanang le wena. x2
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Nelson Mandela thina siyakuthanda unguTata wethu. UTata wethu.
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HIP HIP HOORAY!!!

Nelson Mandela Day

Filme mit und über Nelson Mandela

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit – Eine eindrucksvolle Biografie

 Mit dem Film „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ kommt nun seine außergewöhnliche Lebensgeschichte auf die Leinwand und setzt dem Verstorbenen Bürgerrechtler ein würdiges Denkmal.

Es gibt sehr wenige Menschen auf der Welt, die den Namen Nelson Mandela noch nie gehört haben – und wenige, die ihm nicht mit Respekt begegnen. Aber wie verfilmt man das Leben einer so bedeutenden Persönlichkeit? Regisseur Justin Chadwick erzählt in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ den beschwerlichen Weg von Mandela zum Nationalhelden und ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika.

Würdevoll, jedoch in keiner Weise glorifizierend, sollte die Biografie werden. Diese schwierige Gratwanderung ist Chadwick, bekannt durch seinen Film „Die Schwester der Königin“, durchaus geglückt. Entstanden ist ein bewegender Film, welcher bildgewaltig die persönliche Geschichte eines Mannes porträtiert, der entgegen aller Widerstände konsequent für sein Land und ein besseres Leben für die schwarze Bevölkerung kämpft. Aber Chadwick zeigt auch die menschliche Seite von Mandela – einen Friedensnobelpreisträger, der trinkt, mit schönen Frauen flirtet und sich mit Schusswaffen und Bomben beschäftigt.

Im Jahr 2009 hatte sich bereits Clint Eastwood mit seinem Film „Invictus“ mit Nelson Mandela auseinandergesetzt. Damals spielte Morgan Freeman den ersten farbigen Präsidenten und verkörperte den Staatsmann eindrucksvoll in seinen Bemühungen, den Hass zwischen Schwarzen und Weißen zu überwinden. „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ beruht nun auf der gleichnamigen Autobiografie von Nelson Mandela und schildert das gesamte Leben des Südafrikaners, beginnend während der Mannwerdung bei einem Initiationsritus in seinem Heimatdorf, über seinen Weg zum Freiheitskämpfer und die langen Jahre im Gefängnis, bis hin zur Vereidigung.

Der Film beginnt mit malerischen Aufnahmen von der Landschaft Südafrikas. In einem afrikanischen Dorf schminken sich junge Afrikaner für eine Zeremonie in einer Lehmhütte. Einer von ihnen ist Nelson. Den europäisch klingenden Namen hat ihm ein Lehrer an seinem ersten Schultag gegeben. Von seinem Vater wurde er zu Ehren seiner Herkunft aus der Königsfamilie der Thembu stattdessen Rolihlahla, „der Unruhestifter“, getauft. Doch Unruhe wollte er nicht stiften und ging für eine Ausbildung zum Juristen nach Johannesburg. In den 40er Jahre herrscht nach wie vor Apartheid und so wurde er selbst als Jurist nur als ein Mensch der zweiten Klasse betrachtet. Durch sein persönliches Erleben und das Schicksal von Freunden verliert Mandela den Glauben daran sich durch Bildung und harte Arbeit einen Platz in der (weißen) Gesellschaft zu verschaffen und tritt schließlich dem ANC, African National Congress, der einstigen Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei bei. Er geht für die Rechte der schwarzen Bevölkerung auf die Straße und kämpft gegen Apartheid sowie britische Vorherrschaft in Südafrika. Mandela wird zu einem der Anführer und muss sein Familienleben mit seiner Frau Winnie, gespielt von Naomie Harris – bekannt aus „Skyfall“ sowie „Fluch der Karibik“, und den Kindern aufgeben und in den Untergrund gehen. Auf einer abgelegenen Farm, wo die Gruppe auch Bomben baut, werden sie entdeckt und verhaftet. Für Mandela beginnen 27 einsame und harte Jahre im Gefängnis auf der Insel Robben Island vor Kapstadt. Er muss in einem Steinbruch arbeiten – lebenslang lautet das Urteil.

Deutlich vermittelt der Film den intensiven Einfluss, den Mandela auf das südafrikanische Volk hatte, jedoch lässt sich das Bestreben der Filmemacher, bei einem solchen Leben wie dem von Mandela immer den richtigen Focus zu setzen nicht immer umsetzen. Der Wunsch so viel wie möglich seiner Biografie zu zeigen, sorgt an manchen Stellen für eine gehetzte und überzeichnete Erzählweise. Außerdem spart der Film, vermutlich aus Gründen der dramaturgischen Vereinfachung aus, dass der echte Mandela auch als Student schon politisch aktiv war und rebellierte.

Doch besonders durch Hauptdarsteller Idris Elba, zuletzt in „Prometheus“ und „Thor“ zu sehen, gewinnt der Protagonist seine charismatische Wirkung. Er trägt mit seiner kraftvollen und ideenreichen Darstellung den Film und macht Mandela zum weltweiten Symbol für friedlichen Widerstand. Außerdem altert er auf überzeugende Art und wenig plakative Weise, sowohl durch die gelungene Maske dargestellt, als auch durch seine reifere und später tattriger werdende Gestik und Mimik und macht somit Mandelas Entwicklung zum gütigen „Tata Madiba“ deutlich.

Nelson Mandela selbst hat den fertigen Film nicht mehr anschauen können, sondern bekam zu Hause im Voraus nur Auszüge zu sehen. Er war Anfang November 2013 bereits zu geschwächt, um bei der südafrikanischen Premiere in Johannesburg dabei zu sein. Als er am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren verstarb, fand genau zu diesem Zeitpunkt die Europapremiere in London statt. Seine Tochter Zindzi Mandela, die bei der Premiere anwesend war, wurde noch während des Filmes von Tod ihres Vaters in Kenntnis gesetzt. Viele der prominenten Gäste erfuhren nach dem Abspann vom Tod des bedeutenden südafrikanischen Staatsmannes.

Am 30. Januar 2014 startet der 140 Minuten lange Film in den deutschen Kinos. Wer sich Mandelas Kampf für Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit noch einmal deutlich vor Augen führen will, sollte sich diese poetische Liebeserklärung nicht entgehen lassen.

Eindrucksvolle Mandela Bücher

 

Buchtitel: Bekenntnisse Nelson Mandela

Buch: Bekenntnisse Nelson Mandela

 

„Die Schätze meines Lebens“ Nelson Mandela

Dem Aufruf des charismatischen Friedensnobelpreisträgers zur Versöhnung folgten alle Südafrikaner. Zum ersten Mal öffnet Nelson Mandela, die Ikone der Freiheitsbewegung Südafrikas, sein privates Archiv.

»Ein Archiv zu haben heißt, ein Schatzhaus haben«, sagt Nelson Mandela. Erstmals macht der Vater der Regenbogen-Nation nun sein privates Archiv zugänglich: »Bekenntnisse« enthält die persönlichen Notizen, Tagebuchaufzeichnungen und Briefe aus über fünf Jahrzehnten seines Lebens. Darunter befinden sich nie veröffentlichte Dokumente wie die bewegenden Briefe an seine Frau Winnie aus der Zeit der Gefangenschaft auf Robben Island; die Korrespondenz mit den engsten Freunden; das Tagebuch, aus dem er nach dem Tod seines Sohnes Thembi die Kraft zum Weiterleben schöpfte; die Notizen und Betrachtungen, die er als erster schwarzer Präsident Südafrikas niederschrieb. Die privaten Schriften Mandelas erscheinen zeitgleich in 28 Ländern.

  • Bekenntnisse erscheint im Piper Verlag und kann hier bestellt werden.

Der Tod von Nelson Mandela hat Südafrika erschüttert. Um ihren Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen, pilgerten Hunderte zu seinem Haus im Johannesburger Stadtteil Houghton. Staatschef Zuma bezeichnet ihn als den Vater des modernen Südafrikas.

Jacob Gedleyihlekisa Zuma wurde 1942 geboren und war in den Jahren 1999 bis 2005 Vizepräsident Südafrikas, 2007 bis 2017 Vorsitzender des ANC (African National Congress) und von 2009 bis 2018 Präsident von Südfafrika.

Nelson Mandela ist tot. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember die Nachricht über den ganzen Globus und rief überall einen Sturm von Beileidsbekundungen hervor. Mit Mandelas Tod hat Südafrika seinen berühmtesten Sohn verloren und die Welt einen der größten Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Unter großer Anteilnahme nahmen Tausende Abschied und säumten singend und tanzend die Straßen, als der Leichnam des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten am vergangenen Wochenende in sein Heimatdorf Qunu überführt wurde. Nach der offiziellen Trauerfeier wurde „Tata Madiba“ (Vater Madiba) schließlich im Kreise seiner Familie, und von den engsten Freunden begleitet, begraben.

Der wohl berühmteste Gefangene der Welt gewann im April 1994 mit dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) mit überwältigender Mehrheit die ersten freien Wahlen in Südafrika und war schließlich der erste schwarze Präsident der Regenbogennation. Seine Bemühungen um Freiheit für die schwarzen Südafrikaner und sein Wunsch nach einem friedlichen Miteinander zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung gelten heute als beispielhaftes politisches Engagement. Gleichzeitig war er der Inbegriff von Güte und Weisheit, wodurch er bereits zu Lebzeiten von vielen als Heiliger bewundert wurde. Er selbst war eine bescheidene und zurückhaltende Person – ein Familienmensch und Kinderfreund. Außerdem trug er ein untrügliches Gespür für die Ungerechtigkeit in sich, die ihn Zeit seines Lebens begleitete.

Mandela wurde im Juli 1918 in einem kleinen Dorf in der Transkei geboren – hinein in ein System in dem eine weiße Minderheit über die schwarze Mehrheit bestimmte. Er war der Sohn eines Thembu-Häuptlings und trug in seiner Stammessprache den Namen „Rolihlahla“, was übersetzt so viel wie „Unruhestifter“ bedeutet. Als einer von wenigen Afrikanern hatte er das Glück eine Methodistenschule zu besuchen und sich später als Schüler des Missionscolleges Fort Hare in der Östlichen Kapprovinz zu empfehlen. In einer Zeit, in der Bildungsmöglichkeiten für die Schwarzen im Allgemeinen untersagt waren, bot dieses College die einzige Möglichkeit für Afrikaner eine höhere Ausbildung zu erreichen. Im Jahre 1940 nahm Mandela an einem Studentenstreik teil und musste daraufhin die Einrichtung verlassen. Wenig später siedelte er nach Johannesburg über. Hier fand er schließlich eine Anstellung in einem Anwaltsbüro, holte seinen Collegeabschluss nach und begann Jura zu studieren. 1944 trat er dem Afrikanischen Nationalkongress ANC bei und gründete mit Walter Sisulu und Oliver Tambo die Jugendliga des ANC. Gemeinsam setzten sie sich für ein Südafrika ein, in welchem die Hautfarbe keine Rolle spielt. Ihr Ziel war es, einen nicht-rassistischen Staat zu schaffen, in dem ein friedliches Miteinander möglich ist. Nach und nach qualifizierte er sich durch sein großes Engagement und wurde schließlich zum Stellvertretenden Präsidenten des ANC. Als Antwort auf seinen Kampf gegen die Apartheid und des gesamten Apartheidregimes musste er immer wieder mit persönlichen Repressalien wie zum Beispiel Verhaftungen umgehen.

Den Mandela Plan entwickelte er 1952. Dieser Teil der Anti-Apartheid-Bewegung sah eine kleinteilige, geografische Hierarchie sowie ein volksnahes und lokales Bildungsangebot vor.
1955, konkret am 5. Dezember, wurde Mandela abermals verhaftet und ein Jahr später zusammen mit weiteren 155 Aktivisten wegen Landesverrat angeklagt. Erst 1961 endete der Prozess mit dem Freispruch aller Angeklagten.

Im März 1960 kam es in Sharpeville bei einer gewaltfreien Demonstration des PAC (Pan Africanist Congress), einer Abspaltung des ANC, zu einer Katastrophe. 69 Schwarzafrikaner wurden von der Polizei erschossen und der Tag ging als Massaker von Sharpeville in die südafrikanische Geschichte ein. Der ANC wurde daraufhin von der Regierung verboten und musste sich künftig im Untergrund organisieren. Auch Nelson Mandela musste von nun an im Untergrund leben, um vor den Ãœbergriffen durch den Saat sicher zu sein. Trotzdem setzte er sich weiter für eine neue Verfassung und die Demokratisierung des Landes ein und gründete 1961 eine bewaffnete Kampforganisation des ANC – den Umkhonto we Sizwe (Speer der Nation). Er bezeichnete sich nie als Pazifist, die Ziele der Attentate waren jedoch keine Personen, sondern die symbolischen Statuten des weißen Regimes. Für seinen Einsatz gegen die Apartheid wagte Nelson Mandela schließlich eine Reise ins Ausland um dort Unterstützer zu werben. Nach seiner Rückkehr wurde Mandela festgenommen und zu fünf Jahren Haft verurteilt. 1963, ein Jahr später, stand er gemeinsam mit anderen Angeklagten erneut im Rivonia-Prozess vor Gericht. Ihm wurde die Anstiftung zur militärischen Revolution und zu Sabotageaktionen vorgeworfen. Der Staatsanwalt wollte Mandela zum Tode verurteilen, jedoch ließ sich der zuständige Richter nicht darauf ein und verurteilte ihn zu einer lebenslangen Haftstrafe. Für den Angeklagten kam das Urteil einem Freispruch gleich. Gegenüber einem Freund hatte Nelson Mandela schließlich verlauten lassen, dass er im Falle einer Verurteilung keinen Widerspruch einlegen und sich dem Henker anvertrauen würde.

Für 27 Jahre wird Mandela im Gefängnis sitzen. 18 Jahre davon verbrachte er auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt. Aber auch hier hielt er, trotz der Willkür und den gewalttätigen Ãœbergriffen gegen die schwarzen Insassen, an seiner friedlichen Haltung fest. Sein Protest war eine stille Mahnung an die Menschlichkeit – schließlich konnte er sogar die Freundschaft eines Wachpostens gewinnen. Am schwersten traf ihn die Trennung von seiner Familie. Er bekam so gut wie nichts von seiner Frau Winnie und den inzwischen fünf Kinder mit.

Erst in den Achtziger Jahren entschärfte sich die Situation langsam. Mandela konnte Robben Island verlassen und wurde zunächst im Pollsmoor – sowie ab 1988 im Victor-Verster-Gefängnis inhaftiert. Hier lebte er in einem eigenen Bungalow und durfte sogar verschiedene Ausflüge unternehmen. Die Apartheid-Regierung begann zu bröckeln und geriet durch die internationalen Wirtschaftssanktionen immer mehr unter Druck. Der Versuch den populärsten Widersacher freundlich zu stimmen, lag darum nahe. Nelson Mandela jedoch erkannte die Zeichen der Zeit, ließ sich auf diese Bestechungen nicht ein und wartete ab.

1990 gestand das Regime seine Niederlage ein. Das Verbot gegen den ANC wurde aufgehoben und das Ende der Apartheid eingeläutet. Im Februar verließ Mandela das Gefängnis, die Faust siegreich erhoben – ein Bild das um die Welt ging. Zwischen 1990 und 1994 führte er die Verhandlungen über politische Reformen mit der südafrikanischen Regierung und sorgte somit für einen sanften Übergang zur neuen Regierung. Zusammen mit de Klerk erhielt er 1993 für sein Bürgerrechtsengagement den Friedensnobelpreis.

Frederik Willem de Klerk war südafrikanischer Politiker und von 1989 bis 1994 Staatspräsident. Bereits 1991 erhielt er mit Nelson Mandela den Félix-Houphouët-Boigny-Friedenspreis.

Gleichzeitig stand Südafrika in dieser Zeit jedoch kurz vor einem Bürgerkrieg – weiße Rechtsextremisten, ANC-Kämpfer und Zulu-Sympathisanten lieferten sich immer wieder Straßenkämpfe. Mandela richtete sich, nachdem der Kommunist Chris Hani von einem Weißen erschossen wurde, in einer Rundfunkübertragung an die Südafrikaner und appellierte an ihre Menschlichkeit. Das Blutbad blieb aus und Nelson Mandela wurde 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten – von einem bürokratischen Staat, der jedoch wirtschaftlich komplett ruiniert war und mit gewaltigen sozialen Unterschieden zu kämpfen hatte. Bereits fünf Jahre später trat er als Präsident zurück und betätigte sich als Anwalt für verschiedene Menschenrechts-Organisationen. Mandela reagierte mit seinem Rücktritt auf kritische Stimmen, die vor allem sein unterlassenes Engagement gegen Südafrikas größten Feind, die Aids Erkrankungen, anprangerten. Seinen Mut, sich Fehler einzugestehen – auch darin war er ein Vorbild für viele afrikanische Führer.

Privat war Madiba dreimal verheiratet. Seine erste Ehe mit Evelyn Ntoko Mase wurde 1957 nach 13 Jahren geschieden. Seine zweite Ehe mit Winnie Madikizela dauerte 38 Jahre. Im März 1996 ließ er sich von Winnie scheiden, nachdem es wegen ihrer machtgierigen Art immer wieder zu politischen Skandalen kam. An seinem 80. Geburtstag heiratete er Graca Machel, die Witwe von Samora Machel dem ehemaligen Präsidenten Mosambiks und ANC-Unterstützer, der 15 Jahre zuvor bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war.

Seine öffentlichen Auftritte wurden mit den Jahren immer seltener und sein Leben fand zunehmen im Familienkreis statt. Nelson Mandela hatte während seines Gefängnisaufenthaltes lange auf die Familie verzichten müssen. Erst nach der Haftentlassung haben ihn seine Kinder wirklich kennenlernen können. Das hatte Mandela mehr geschmerzt als Gefangenschaft und Erniedrigung. Bis zum Ende war er darum nie mehr allein. Auch in seinen letzten Stunden, hatte sich darum seine Familie im Haus in Johannesburg versammelt – um Abschied zu nehmen. Und mit ihnen trauert die ganze Welt – um diesen großartigen Freiheitskämpfer und Revolutionär. Für Südafrika wird er Symbolfigur und Vater der Nation bleiben – ihr „Tata Madiba“ voll Güte und Liebe für sein Land.

  • „Nelson Mandela. Rebell, Häftling, Präsident“ von Stephan Bierling
  • „Wage nicht zu zögern. Die Präsidentenjahre. Autorisierte Biographie“von Nelson Mandela, Mandla Langa

Das Vermächtnis des Nelson Mandela

Der Dokumentarfilm: „Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela“ stellt die Frage, ob Mandela zwar einen Bürgerkrieg verhinderte, dafür allerdings die politische Würde sowie die wirtschaftliche Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung opferte. Zu welcher Antwort der Regiseur Khalo Matabane kommt, klären wir im Artikel. Am 13. September 2016 wurde der Film im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig vorgeführt. Die Veranstaltung begann 19:00 Uhr und der Eintritt war kostenlos.

In Kooperation mit dem Verein GlobaLE e.V. kam es zu einem Gespräch mit Thabo Thindi und Mike Nagler. Letzterer ist für das GlobaLE Festival zuzständig, Thindi ist Filmemacher und Live-Performer.

Gespräch mit Thabo Thindi und Mike Nagler

Gespräch mit Thabo Thindi und Mike Nagler

Matabane zeichnet in 85 Minuten ein vielschichtiges Bild von Mandela und trifft alte Weggefährten, sowie politische Persönlichkeiten.

Da wir den Dokumentarfilm von 2013 ebenfalls noch nicht gesehen haben, werden wir im Nachgang über unsere Eindrücke schreiben.

 „Mandela hat uns befreit! Aber durch uns hat er zu Essen.“

Khalo Matabane

Khalo Matabane

In dem Dokumentarfilm von Regisseur Khalo Matabane aus dem Jahr 2013 versucht Matabane die verschiedenen Facetten von Tata Mandela zu beleuchten. Ganz unterschiedliche Menschen lässt er dabei zu Wort kommen – Weggefährten Mandelas, politische Gegner, Unterstützer der Apartheid, Literaturwissenschaftler, Nobelpreisträger, Alte, Junge, Schwarze, Weiße, Reiche und Menschen aus den Townships.
Sie alle setzten ihre Hoffnungen in ihn, den ersten frei gewählten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Sie alle hatten ganz unterschiedliche Erwartungen an seine Amtszeit (1994 bis 1999). Viele wurden enttäuscht, denn sie hofften auf die Revolution, die ihnen versprochen wurde, hofften auf Freiheit, Gleichberechtigung, auf ein besseres Leben.

Nelson Mandela Square in Sandton

Nelson Mandela Square in Sandton

Die Revolution kam nicht

Entlassen nach 27 Jahren Gefangenschaft auf Robben Island wurde ein alter Mann, der sich nach Frieden sehnte. Der einen Bürgerkrieg verhindern wollte, der seine schwarzen Landsleute bat, den Unterdrückern zu vergeben. Er setzte, zur Untersuchung von politisch motivierten Verbrechen während der Apartheid, 1996 die Wahrheits- und Versöhnungskommission ein, deren Vorsitzender der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu war. Sie arbeitete bis 1998. Aber wie können Eltern, die ein oder mehrere Kinder durch weiße Gewalt verloren haben, vergeben? Viele, die auf ein anderes Südafrika gehofft haben, verstanden ihr großes Idol nicht mehr. Er stand für Freiheitskämpfe, bewaffneten Widerstand – und nun … ? Vergebung, Vergessen, dessen, was war. Sich einander die Hand reichen. Nach vorne schauen?

In der sich an den Dokumentarfilm anschließenden Diskussion wurde dies heftig diskutiert. War Mandela nur eine Marionette in der großen Politik, ein Gesicht, ein Mythos, der die politische Macht längst anderen überließ? Wenn ja, war er sich dessen bewusst? Wie geht es mit Südafrika weiter nach seinem Tod?

„Mandela hat uns befreit! Aber durch uns hat er zu Essen.“

Drei Jugendliche aus einem Township sehen Mandelas Regierungszeit durchaus kritisch. Mandela brachte Freiheit, Schwarze können die gleichen Schulen besuchen wie Weiße, haben die gleichen beruflichen Chancen – aber an der Lebenssituation hat sich nichts geändert. Arme bleiben arm. Mandela kehrte in ein wohlhabendes Leben zurück. Ein Leben, das durch die Arbeit seiner armen Landsleute ermöglicht wurde. Das klingt krass – klingt nach großer Frustration.
Was sind Mandelas Verdienste? Was hinterlässt er? Kann man Nelson Mandela auch für die momentane Situation in Südafrika verantwortlich machen? Was hätte er anders machen sollen?

Da äußert sich Colin Powell, Außenminister unter George W. Busch 2001 – 2005, positiv zu Mandela, fast freundschaftlich; Bundespräsident Joachim Gauck spricht vom Handreichen und der Vergebung, die er ehemaligen Stasi-Informanten zuteil habe werden lassen –  ein gewagter Vergleich.
Man sieht Bilder von Künstlern die sich mit Madiba ablichten lassen, um sich in dessen Glanz zu sonnen und ihr Gutmenschentum zu demonstrieren.

„Mandela hatte Charisma, er gab jedem das Gefühl, ihn zu kennen. In seinen Augen lag Verständnis für die Probleme der anderen. Aber er war auch eiskalt – ja eiskalt.“

So eine Stimme.
Antworten gibt der Film keine. Er bleibt oberflächlich, allgemein – ein bisschen Schwarz-Weiß-Malerei.
Man ist erschlagen von den Menschen, den Bildern, die Khalo Matabane, 1974 geboren in Limpopo, Südafrika, zeichnet. Einen roten Faden gibt es nicht; eher eine 85-minütige Auseinandersetzung des Regisseurs mit seinem eigenen Leben in der Gegenwart eines übermenschlichen Mythos. Das zeigt auch der Originaltitel des Films „Nelson Mandela: The Myth and Me“

(Interview mit Matabane)

„Es gilt, Mandelas Botschaft von Freiheit, Vergebung und Versöhnung – aus historischer Perspektive, aber auch im Hinblick auf die heutige Welt – zu interpretieren. Henry Kissinger, Colin Powell, Peter Hain, Albie Sachs, Ariel Dorfman oder auch der Dalai Lama, liefern unerwartete Denkanstöße.“

Quelle: Ein Brief an Nelson Mandela

„Wenn du von allen wie ein Gott behandelt wirst, dann benimmst du dich auch wie ein Gott“.

Mandela hat es geschafft, den Bürgerkrieg in Südafrika zu verhindern – er hat die schwarzen Südafrikaner befreit – aber er hat keine bessere Zukunft gebracht. Das konnte er auch nicht. Er war ein alter Mann, eine Vaterfigur, die für Frieden und Verständnis warb. Seine Nachfolger sollten sein Vermächtnis weiterführen, Südafrika besser machen – aber sie haben ihre Chance nicht genutzt.
Die Regierung ist korrupt.

„Man lebt wie auf einem Pulverfass und über kurz oder lang explodiert es“,

findet Thabo Thindi, ein in Berlin lebender Künstler aus Südafrika, der in der sich anschließenden Diskussion versuchte, Erklärungen zu finden. Er war zehn Jahre als Mandela aus der Haft entlassen wurde; barfuß ist er dem Held entgegengelaufen als dieser sein Township besuchte. Für ihn ist alles gut gelaufen – gute Schule, Studium, guter Job. Aber er kennt auch die Schattenseite, die wohnt gleich auf der anderen Straßenseite – arme Menschen ohne Chance. In der eigenen Familie gäbe es diese Gegensätze auch, so Thindi, der die Lebenswege der während der Apartheid geflohenen Südafrikaner nach zu zeichnen versucht.

Free Nelson Mandela!

Mich persönlich hat der Film bewegt. Ich bin geboren in dem Jahr als man Nelson Mandela verhaftete, bin in den Achtzigern als Studentin in meinem grünen Anti-Apartheid T-Shirt für Mandela auf die Straße gegangen, war in einer Südafrika-Gruppe. Auch ich hatte große Erwartungen an Madiba, dachte, alles wird besser, alles wird anders, Tata Mandela wird’s schon richten.
Als er dann da war, war ich enttäuscht; ich wollte nicht um Vergebung bitten, habe nicht verstanden, was Nelson Mandela bewegte.
Im Laufe der Jahre verstand ich. War froh, dass Südafrika nicht im Bürgerkrieg versunken ist.
Mein grünes Shirt habe ich heute noch – als Erinnerung.

Almost two decades into its democracy, South Africa is not the country that Mandela had said he hoped it would become. Economic inequality and poverty remain rife; the education and health sectors are inadequate; and South Africa remains divided by various forms of separation.

„Nach fast zwei Dekaden Demokratie ist Südafrika immer noch nicht das Land, von dem Mandela sagte, er hoffe, es wird es einst werden. Wirtschaftliche Ungleichheit und Armut bleiben weit verbreitet; Bildungs- und Gesundheitswesen sind mangelhaft; und Südafrika bleibt geteilt durch verschiedene Ausprägungen der Spaltung.“

, so Human Rights Watch (Nelson Mandela Myth an me).

Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen – Das wünsche ich mir für Südafrika.
Gezeigt wurde der Film anlässlich des 12. Festivals von globaLE – globalisierungskritisches Kino in Leipzig (21.07. bis 03.11.)

„Das Projekt globaLE ist ein politisches Filmfestival, welches Film als Medium nutzt, um die weltweiten Zusammenhänge und Auswirkungen kapitalistischer Ökonomie zu dokumentieren, aber auch den Widerstand gegen Ausbeutung und Ausgrenzung zu zeigen und wie Menschen ihren Mut, ihre Würde und ihre Hoffnung nicht verlieren.“

Weitere Informationen

Filme, Termine und Veranstaltungsorte, Programmflyer als pdf (3MB)

Jule

Hat Germanistik und Journalistik studiert und unterstützt Madiba.de vor allem mit Worten. Ihre Aufgabe ist es, den Blog mit allerlei Wissenswertem und spannenden Neuigkeiten aus Südafrika zu füttern. Das Land am südlichen Zipfel des afrikanischen Kontinents kennt Sie bis jetzt jedoch nur aus zweiter Hand. Aber die Natur und Kultur haben es ihr schon lange angetan und damit ist eine Reise in die Heimat der legendären „Big Five“ sicher auch nur noch eine Frage der Zeit.

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