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„Land der Kontraste“ so wird Namibia oft genannt. Das Geheimnis liegt in der Abwechslung des afrikanischen Staates. Er ist eine faszinierende Mischung aus überwältigender Natur, vielfältiger Tierwelt, Menschen vieler Kulturen und historischer Brisanz.

Sanddünen der Namib
Beliebte Fotomotive, die Sanddünen der Namib | © Tom Hofmann

Namibias unberührte Natur

An der westafrikanischen Küste, eingerahmt von Angola im Norden, Sambia und Simbabwe im Nordosten, Botswana im Osten und Südafrika im Süden, liegt das wohl gegensatzreichstes Land Afrikas – Namibia. Hier trifft man auf Wüsten, Savannen und Regenwälder – für Reiselustige eine Fundgrube. Seit dem Weg in die Unabhängigkeit 1988/1989 hat sich das Land zu einem beliebten Reiseziel entwickelt. Du kommst und gehst, doch wenn du wiederkommst, wirst du bleiben“, so heißt es in einem Sprichwort der San.
Was Namibia so einzigartig macht, warum sich eine Reise in das  Wüstenland so sehr lohnt und was man sich auf jeden Fall anschauen sollte – darüber gibt es im Folgenden einen kleinen Überblick.

Toter Akazienbaum im Deadvlei
Beliebtes Fotomotiv: Toter Akazienbaum im Deadvlei | © Tom Hofmann

Weite, soweit das Auge reicht

Namibia wird vor allem von einer Landschaft beherrscht – der Wüste. Entlang der Atlantikküste erstreckt sich von Nord nach Süd die Namib-Wüste. Ein faszinierendes Schauspiel, wenn meterhohe Dünen auf schäumendes Meer treffen. Die Namib, deren Name „der Ort an dem nichts ist“ bereits alles beinhaltet, zählt zu einem der lebensfeindlichsten Gebiete der Erde. Trocken, heiß, Sand und Steine soweit das Auge reicht, hier wächst einfach nichts. Über 95.000 km² erstreckt sie sich ins Landesinnere und wird als die geologisch „älteste“ Wüste der Welt bezeichnet. Und trotzdem kann man nicht anders, man fühlt sich magisch angezogen von diesem weiten unendlichen Blick, der umfassenden Stille, in der nur der Wind zu hören ist, wenn er über die Dünen fegt. Kleine Details, die einem eine ganz andere Welt offenbaren und diese Erfahrung zu einem wirklichen Abenteuer werden lassen. Besonders sehenswert sind die Dünen an der Atlantikküste und südlich um Sossusvlei, die sich zu einem wahren Sandgebirge auftürmen. Wenn es hier alle paar Jahre doch einmal kurz regnet, bietet sich ein besonderes Schauspiel: dann wird die Wüste für kurze Zeit zu einem See. Weiter im Landesinneren werden die Dünen kleiner und es kann mehr Gras wachsen. Der Sand hat hier eine rötliche Färbung. Das kommt durch den hohen Anteil an Eisenoxid, welches für die rostrote Färbung sorgt. Bei verschiedenen Lichtverhältnissen bietet sich so vor allem für Fotografiebegeisterte eine unendliche Palette an Fotomotiven. Schließlich wird die Namib im Osten vom Gebirge der Großen Randstufe begrenzt, majestätisch erhebt sich der bis zu 2000 Meter hohe Gebirgsrand aus den Weiten der Wüste.

 

Die zweite Wüste, die Namibias Landschaft mitbestimmt, ist die Kalahari im Osten des Landes. Sie ist nicht ganz so lebensfeindlich wie die Namib und bietet eine Mischung aus Sandwüste und Savannenlandschaft. Hier gibt es häufiger Regenfälle und in den Senken zwischen Dünen und Gesteinsfeldern kann sich das Wasser für längere Zeit ansammeln. So ist das typische Landschaftsbild der Kalahari keine karges leeres Dünenmeer, sondern eine von Büschen und Bäumen bewachsenes Gebiet, welches durch den plötzlichen Regen auch kurzzeitig wunderbar grün werden kann.
Eine weitere beeindruckende Landschaft bietet der Fish River Canyon, der mit 160 Kilometer Länge und 27 Kilometer Breite der zweitgrößte Canyon der Erde ist. 550 Meter tief schneidet er sich in das Gestein und lässt einen wunderbaren Blick auf die erdgeschichtliche Entwicklung zu.

Wild und unbezähmbar – Namibias reiche Tierwelt

Neben wilder und unberührter Natur, ist Namibia auch ein Traumreiseziel für Tierliebhaber. Hier findet sich eine einzigartige Kombination aus beeindruckender Landschaft und unvergesslichen Tierbegegnungen. Atemberaubend ist ebenfalls der Etosha Nationalpark. Der im Norden Namibias gelegene Park gehört mit seiner Größe von über 22.000 km² zu den sehenswertesten Reisezielen des Landes. Der Name Etosha bedeutet „großer weißer Platz“, was sich von der 5.000 km² großen Pfanne aus Salz- und Kalkschlamm herleitet, die sich im Zentrum des Nationalparks befindet. In der Trockenheit schimmert sie wie ein großer weißer Fleck. Aber wenn einer der seltenen starken Regenfälle einsetzt, wird die Pfanne zu einem magischen Anziehungsort für Tiere. Dann tummeln sich tausende Wasservögel und Säugetiere im kühlen Nass – ein wunderbares Schauspiel für jeden Safariliebhaber. Der Park bietet insgesamt eine beträchtliche Anzahl von Wasserlöchern, weshalb er sich für Safaris besonders gut eignet und einen ersehnten Blick auf die Big Five fast schon garantiert. Neben dem Etosha Nationalpark ist auch das Cape Cross Seal Reserve ein besonders geeigneter Ort für Tierliebhaber. Das Reserve an der Atlantikküste ist bereits seit vielen Jahren die Brutstätte für Bärenrobben. Jedes Jahr von November bis Dezember nutzen einige tausend Robben die Küste, um ihre Jungen auf die Welt zu bringen.  Der Anblick der riesigen Robbenkolonie, die sich in der warmen Sonne auf den Felsen aalen, wird einem unvergesslich bleiben. Solch ein einzigartiger und vielfältiger Artenreichtum, lässt sich nur das Safariherz höher schlagen.

Neben so viel wilder Schönheit und unendlicher Weite hat Namibia natürlich noch eine Menge mehr zu bieten – dazu bald mehr, hier bei uns auf dem Blog!

Namibia ist bekannt für seine beeindruckende Wüstenlandschaft und die großen Nationalparks beherbergen eine Vielfalt von Tieren, so dass jede Safari zu einem Abenteuer wird. Aber Namibia ist noch mehr als Natur und Safari. Wir erzählen euch, was es noch zu entdecken gibt.

Schmelztiegel kleiner Völker – Namibias reiche Kulturen

WINDHOEK Church of Christ mit Reiterdenkmal
WINDHOEK Church of Christ mit Reiterdenkmal

Vielfältig sind auch die Bewohner Namibias. Zugegeben, flüchtig betrachtet fällt es vielleicht leicht, die Bevölkerung von Namibia zu beschreiben. Da gibt es die Weißen, mit denen man als Reisender sicherlich am häufigsten in Kontakt kommt und die im Land große Spuren „europäischer“ Kultur hinterlassen haben, und dann gibt es die Farbigen, die die Apartheidpolitik an den Rand gedrängt hat und die bis heute um ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Aber wenn man genauer hinschaut, wird man feststellen wie vielfältig die Bevölkerung Namibias ist, ein bunter Patchwork-Staat zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Stämmen und Völkern – jeder mit eigenen Traditionen und Strukturen.
Das Volk der San, oder auch Buschleute genannt, gilt als die älteste Bevölkerungsgruppe Namibias und damit als Ureinwohner. Sie leben heute vor allem im Nordosten des Landes und machen ungefähr 2% der namibischen Bevölkerung aus. Aufgrund ihrer traditionellen Lebensweise als Jäger und Sammler haben sie es schwer in der heutigen Gesellschaft einen festen Platz zu finden.
Ebenfalls zu den Ureinwohnern des Landes zählen die Damara. Sie leben im Norwesten von Namibia und haben einen Anteil von 7% an der Bevölkerung. Sie waren zunächst auch als Jäger und Sammler unterwegs, bekamen aber von Missionaren später ein Gebiet geschenkt, wo sie sesshaft wurden. In dem heute zum Damaraland erweiterten Langstrich, findet sich zum Beispiel das Lebende Museum bei Twyvelfonstein, welches die Kultur der Damara zeigt. Ebenfalls in diesem Gebiet gibt es die größte Sammlung von steinzeitlichen Felszeichnungen, die von den San stammen.
Andere beeindruckende Sitten und Traditionen finden sich bei den Nama und den Kavango. Die Nama sind vor allem bekannt für ihre kunstvollen Lieder und Gedichte. Ihre Tänze und Rohrflötenmusik, gibt einem das Gefühl in eine andere Welt zu tauchen. Und auch wenn man die Dichtung wegen der vielen Schnalz- und Klicklaute nicht versteht, so zieht einen doch der Klang magisch an. Die Kavango sind dagegen sehr handwerklich begabt, ihre detailreichen Schnitzereien erzählen die Geschichte des Landes und sind weit über die Grenzen Namibias beliebt.
Weitere Volksstämme Namibias sind die Ovambo, die ungefähr 48% der Bevölkerung ausmachen, die Tswana, Himba und Caprivianer. Jeder Stamm hat seine eigenen Traditionen und Kultur – das macht Namibia so bunt und lädt dazu ein, tiefer in die Geschichte des Landes einzutauchen.

Karneval gibt es auch in Namibia

Ebenfalls ein wichtiger, wenn zugleich auch tragischer Teil der Geschichte Namibias ist die deutsche Kolonialgeschichte des Landes. Besonders die namibischen Städte zeigen deutliche Spuren der deutschen Kolonien und zeichnen ein afrikauntypische Welt. Windhoek, ist die Hauptstadt von Namibia und liegt sehr zentral mitten in Namibia am 1650m, umgeben von einem Gebirge. Gegründet wurde die Stadt 1890 und entwickelte sich durch den 1. Weltkrieg zu einem Handelsmitelpunkt. Noch heute finden sich viele Gebäude und Plätze in Windhoek, die von der wilhelminischen Architektur geprägt sind. Der Bahnhof von Windhoek mit seinen Jugendstilelementen oder die Christuskirche mit ihrem Ziegeldächern und 42m hohem Turm sind Beispiele dafür. Hier kann es einem noch passieren, dass man auf der Straße mit „Guten Tag“ begrüßt wird oder man zur Faschingszeit mitten in einen Karnevalsumzug gerät.

Aber auch in den Städten Swakopmund und Lüderitz finden sich ähnliche Zeugnisse der Geschichte. Im Küstenort Swakopmund, an der Atlantikküste gelegen, fühlt man sich regelrecht in eine andere Zeit versetzt. Hier heißen die Straßen Bismarckstraße oder Bahnhofstraße, das Shoppingcenter noch Einkaufszentrum und im Café Anton kann man Schwarzwälder Kirschtorte oder Bienenstrich bestellen. Angesichts des blauen rauschenden Atlantik als Kulisse, kann da schon mal etwas Verwirrung aufkommen.
Auch die beschauliche Hafenstadt Lüderitz, die weiter im Süden von Namibia liegt, ist vom wilhelminischen Stil geprägt. Sie war die erste deutsche Siedlung in Deutsch-Südwestafrika und wurde nach dem Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz benannt. Er gründete die heute etwa 4.000 Einwohner zählende Kleinstadt 1884. Auch hier finden sich die typischen Jugendstilbauten, die sich an den Felsen der Küste schmiegen. Es ist eine Mischung aus buntem Afrika und gemütlicher deutscher Kleinstadt. Und dennoch wird deutlich, dass sich das Land trotz seiner weitreichende Geschichte von der Vergangenheit löst. (Wir haben bereits über die Geschichte Namibia und die Entwicklung der Städte berichtet, hier auf dem Blog.) Namibia ist ein dynamisches Land, mit viel Plan für ambitionierte Pläne und begeisterten Optimismus. Wir sind auf jeden Fall begeistert!

Wer auf der Suche nach abenteuerlichen Wüstentouren, unendlicher Weite, wilder Natur und einzigartigen Tierbeobachtungen ist, für den ist Namibia genauso zu empfehlen wie für Reisende, die die bunte und reiche Kultur des Landes kennenlernen wollen. Namibia nimmt einen gefangen und es fällt schwer sich von so viel wilder Schönheit wieder zu lösen.
Mehr Information zu unseren Namibiareisen, auf unserer Homepage.

Hat Germanistik und Journalistik studiert und unterstützt Madiba.de vor allem mit Worten. Ihre Aufgabe ist es, den Blog mit allerlei Wissenswertem und spannenden Neuigkeiten aus Südafrika zu füttern. Das Land am südlichen Zipfel des afrikanischen Kontinents kennt Sie bis jetzt jedoch nur aus zweiter Hand. Aber die Natur und Kultur haben es ihr schon lange angetan und damit ist eine Reise in die Heimat der legendären „Big Five“ sicher auch nur noch eine Frage der Zeit.

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