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Du machst das erste Mal Urlaub in Südafrika, entwickelst eine große Liebe zu diesem Land. Du kehrst zurück, immer und immer wieder, bleibst Wochen oder Monate. Diese Idee setzt sich plötzlich in deinem Kopf fest: Wie wäre es, jetzt einfach auszuwandern? Wir sagen dir, ob es wirklich so einfach ist, welches die wichtigsten Schritte sind und was du beim Auswandern beachten solltest.

Südafrika als Auswanderer-Paradies

Südafrika ist als Auswanderer-Land bei Deutschen sehr beliebt. Gibt es doch hier eine atemberaubende Landschaft, pulsierende Großstädte, eine exotische Tierwelt sowie Sonne und Meer satt. Historisch bedingt wird zudem sehr viel Deutsch gesprochen und man lebt in einem Schmelztiegel der Kulturen in der sogenannten „Regenbogennation“.

Seit verschiedene TV-Formate über das Auswandern, wie „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ oder „Auf und davon – Mein Auslandstagebuch“, und Reisekanäle auf YouTube den Zuschauern das Leben in anderen Ländern nahebringen, ist auch der Wunsch nach dem Auswandern in das entspannte Südafrika für viele näher gerückt.

Good to know - „Südafrika als Auswanderer-Land“

  • Die 11 Amtssprachen in Südafrika sind Englisch, Afrikaans, isiZulu, Siswati, Süd-Ndebele, Sesotho, Sepedi, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa
  • In Südafrika sprechen etwa 300.000 bis 500.000 Menschen Deutsch (vergleichbar mit Luxemburg, wo Deutsch als Amtssprache gesprochen wird oder den Niederlanden, wo es vorrangig als Fremdsprache erlernt wird)
  • Die Lebenshaltungskosten sind in Südafrika geringer als in Deutschland (immer zu beachten ist allerdings der Unterschied zwischen bspw. Kapstadt als teure Großstadt und den restlichen Gebieten des Landes)
  • Die Löhne sind jedoch auch insgesamt niedriger (um ca. 2/3 im Vergleich zu Deutschland)
  • Es gibt 15 gesetzliche Urlaubstage und laut Arbeitsgesetz darf eine Arbeitszeit von 45h pro Woche nicht überschritten werden
  • Im Jahr 2018 war Südafrika für die Deutschen auf Platz 30 der beliebtesten Länder zum Auswandern
  • Fachkräfte und Akademiker haben die besten Chancen auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt
  • Es gibt mindestens so viele Rückkehrer nach Deutschland wie Auswanderer nach Südafrika (zu beachten sind verzerrte Statistiken, bspw. wenn nur eine Person ausgewandert ist, aber mit der ganzen Familie zurückkehrt)

Der erste längere Aufenthalt

Viele Menschen zieht es nicht nur für einen zweiwöchigen Urlaub nach Südafrika. Besonders Kapstadt ist eine bei Jüngeren beliebte Großstadt, um eine erste Erfahrung als Au-Pairs, Auslandsstudierende oder Auslandspraktikant/inn/en zu machen. Durch eine längere Zeit im Land bekommt man die Möglichkeit, den Alltag und die Menschen besser kennenzulernen. Man steht auch den ersten Alltagsproblemen gegenüber, mit denen man als Urlauber/in gar nicht in Berührung kommt. Deshalb ist es in jedem Fall ratsam, einige Monate in Südafrika zu leben, anstatt Hals über Kopf den Job und die Wohnung zu kündigen, um einen Neuanfang in völliger Fremde zu wagen.

Auslandssemester in Südafrika

Wenn du Studierende/r in Deutschland bist, kannst du dich an deiner Hochschule oder bei Organisationen wie dem DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) nach geeigneten Austausch- und Förderprogrammen (siehe: Stipendien-Datenbank vom DAAD), bspw. dem PROMOS-Stipendium (Programm zur Steigerung der Mobilität von Studierenden deutscher Hochschulen), für ein Auslandssemester in Südafrika erkundigen.

Die renommierten Universitäten in Kapstadt und Stellenbosch sind nur zwei von insgesamt 11 Universitäten des Landes. Hinzu kommen 6 Technische Hochschulen („Technikons“), die sich durch eine starke Praxisorientierung auszeichnen. Die reguläre Unterrichtssprache ist Englisch, welches meist auf gutem Niveau in Form gängiger Tests, wie TOEFL („Test of English as a Foreign Language“) oder IELTS („International English Language Testing System“) nachgewiesen werden muss. Es existieren jedoch noch immer Hochschulen oder Studienprogramme, die hauptsächlich in Afrikaans, der ehemaligen Kolonialsprache der Weißen, unterrichten. Dazu zählen beispielsweise die Bachelor-Programme der Stellenbosch University (SU).

Am bekanntesten und internationalsten ist die University of Cape Town (UCT), doch auch die Universitäten in Johannesburg und Pretoria sind in der Beliebtheit bei ausländischen Studierenden gestiegen. Südafrika ist bei deutschen Studierenden generell äußerst beliebt und das Studium ist, ähnlich wie das in Deutschland, in zwei Semester pro Jahr und ebenfalls zwei größere Studienabschnitte eingeteilt.

Das grundständige Undergraduate-Studium gleicht dem Bachelor und wird im Zeitraum zwischen drei und sechs Jahren abgeschlossen. Das Postgraduate-Studium gliedert sich jedoch nochmals in zwei Studienabschnitte, welche auch mit jeweils unterschiedlichen akademischen Titeln abgeschlossen werden: dem Honour’s Degree (ein Studienjahr) und dem Masters Degree (nochmals ein bis zwei Studienjahre). Eine Promotion kann im Anschluss ebenfalls erfolgen.

In jeden dieser Studienabschnitte könntest du als Auslandsstudierende/r mit den erforderlichen Nachweisen und Qualifikationen einsteigen. Für das reguläre Auslandsstudium nachgewiesen und bei der SAQA (South African Qualifications Authority) eingereicht werden müssen übersetzte und beglaubigte bisherige Studienleistungen. Diese sind die Grundlage für die von der SAQA ausgestellten Äquivalenzbescheinigung, mit welcher man sich wiederum an den Universitäten bewerben kann. Nachweise über Englischkenntnisse, ein offizielles Anschreiben, ein Empfehlungsschreiben und einiges mehr sind dafür ebenfalls wichtig.

Um dein Studium in Südafrika antreten zu können benötigst du zudem, je nach Dauer des Aufenthaltes, ein Visitor’s Visa oder ein Study Visa. Es ist möglich, sich auf eigene Faust bei den Hochschulen zu bewerben, Austauschprogramme vereinfachen jedoch den Prozess und geben dir einen Leitfaden, damit du weißt, welche Voraussetzungen du erfüllen musst. Außerdem bieten diese auch eine finanzielle Unterstützung, was bei der Zahlung der in Südafrika gängigen Studiengebühren von Vorteil ist.

Freiwilligenarbeit/ Praktikum in Südafrika

Wenn dich statt des Campuslebens eher die Erfahrung in südafrikanischen Unternehmensstrukturen reizt, kannst du in den verschiedensten Branchen in Südafrika ein Freiwilligen-Praktikum absolvieren. Am typischsten ist eine Arbeit im Finanz- oder Tourismussektor oder Freiwilligenarbeit in der Entwicklungshilfe sowie in anderen sozialen Bereichen. Besonders Kapstadt und Johannesburg eignen sich jedoch auch für berufliche Erfahrungen im Event- und Medienbereich.

Bitte erkundige dich an deiner Hochschule über Freiwilligenarbeit in Südafrika oder wende dich an eine Agentur. Es ist wichtig, einen Experten an deiner Seite zu haben, um nicht versehentlich unter falschen Vorwänden nach Südafrika einzureisen. Laut der Südafrikanischen Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland ist ein Praktikum in Südafrika gesetzlich nicht gestattet:

„Das ‚Immigration Act, 2002 (Act No. 13 of 2002), as amended‘ erlaubt ausländischen Staatsbürger nicht, Praktika bei Unternehmen und Organisationen in der Republik Südafrika zu absolvieren. Daher können keine Visa für solche ausländische Staatsbürger, einschließlich ausländischer Studenten, deren Studien ein Praktikum vorschreiben, ausgestellt werden (siehe https://www.suedafrika.org/downloads/Internship.doc). Bitte beachten Sie jedoch, dass eine Sondervereinbarung für Visa für Studenten aus Deutschland besteht, welche ein Praktikum an der Deutschen Botschaft in Pretoria absolvieren – weitere Informationen erhalten Sie auf Anfrage von der Botschaft in Berlin via Email: berlin.consular(at)dirco.gov.za“

Es spielt dabei keine Rolle, ob das Praktikum freiwillig, pflichtmäßig, bezahlt oder unbezahlt absolviert werden soll. Viele Stellen für Freiwilligenarbeit weisen jedoch Züge eines Praktikums auf und könnten für dich ein guter Kompromiss sein, um erste Erfahrungen im Arbeitsleben in Südafrika zu sammeln.

Eine andere Option wäre, dass du dich auf einen Job in Südafrika bewirbst. Im Gegensatz zum Praktikum steht hierbei nicht das Lernen im Vordergrund, sondern das Arbeiten. Daher kannst du ein allgemeines Arbeitsvisum (General Work Visa) oder ein Arbeitsvisum für entscheidende Kompetenzen (Critical Skills Work Visa) beantragen. Informationen dazu erhältst du im Abschnitt „Die bürokratischen Hürden“.

Au-Pair in Südafrika

Über diverse Agenturen gibt es auch die Möglichkeit als Au-Pair in Südafrika zu arbeiten. Als Au-Pair bist du für die Betreuung der Kinder in einem südafrikanischen Haushalt und oft auch für kleinere Haushaltsaufgaben zuständig. Du solltest dir viel Zeit nehmen, um Au-Pair-Agenturen zu recherchieren, da du auch in diesem Fall von Experten an deiner Seite profitierst.

Da ein Au-Pair zumeist mindestens ein ganzes Jahr in Südafrika arbeitet, ist ein temporäres Arbeitsvisum (General Work Visa) vonnöten. Das Touristenvisum (Visitor’s Visa) ist nicht ausreichend. Unter Umständen gibt es jedoch Ausnahmeregelungen zur Erweiterung des Visitor’s Visa, über die du dich bei der Südafrikanischen Botschaft in Berlin erkundigen solltest.

Außer den genannten Möglichkeiten kannst du auch Erfahrungen über einen längeren Zeitraum in Südafrika sammeln, indem du ein Work & Travel (mit oder ohne eine Agentur) machst, schon während der Schulzeit eine südafrikanische Highschool besuchst oder eine längere Sprachreise nach Südafrika unternimmst.

Tipps für die Vorbereitung auf einen längeren Aufenthalt in Südafrika

  • Belege einen (Business-) Englisch-Kurs, falls notwendig, um neben dem Smalltalk auch den Arbeits- oder Studienalltag meistern zu können
  • Recherchiere die Zugangsvoraussetzungen an Hochschulen, Praktikumsplätze und/oder Au-Pair-Organisationen
  • Kümmere dich um Versicherungen und empfohlene Impfungen
  • Erkundige dich über die Lebenshaltungskosten und Unterkunftsmöglichkeiten
  • Setze dich mit den Visa-Bestimmungen auseinander
  • Finde Möglichkeiten zur Finanzierung deines Aufenthaltes
  • Lerne die historischen Hintergründe des Landes und deren Auswirkungen auf die Politik, Gesellschaft, Bildungslandschaft etc. kennen, um einen ersten Einblick zu erhalten

Die bürokratischen Hürden

Zunächst solltet ihr euch bei der Recherche nach dem richtigen Visum nicht von den wechselnden Bezeichnungen „Visa“ und „Permit“ verwirren lassen. Die Begriffe werden oft substitutionell verwendet, obwohl „Visa“ eigentlich für temporäre Aufenthalte und „Permit“ für permanente Aufenthalte im Land verwendet werden soll. Außerdem unterscheidet die südafrikanische Regierung eine ganze Reihe von Visas/ Permits verschiedener Zwecke und Zeiträume des Aufenthaltes.

Des Weiteren wird unterschieden in „Visa für Kurzaufenthalte“, „Visa für Langaufenthalte“ und „Daueraufenthaltsgenehmigung“ (siehe: https://www.suedafrika.org/visa-immigration.html). Mit einem deutschen Reisepass sind kurze Aufenthalte unter 90 Tagen in Südafrika mithilfe des Touristenvisums (Visitor’s Visa) leicht realisierbar. Eine Verlängerung ist ebenfalls möglich. Deshalb ist die Beantragung eines Visums für Langaufenthalte (> 90 Tage), je nach Aufenthaltszweck, nicht immer notwendig. Auch für ein Studium (Study Visa) oder die Freiwilligenarbeit (Visitor’s Visa for Voluntary or Charitable Activities), ob unter oder über 90 Tagen, wird dir wahrscheinlich ohne Probleme ein Visum ausgestellt werden.

Nicht ganz so leicht gestaltet sich die Beantragung eines längerfristigen temporären Arbeitsvisums, wenn du dich auf einen Job in Südafrika bewirbst, oder einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung, wenn du dein Leben komplett nach Südafrika verlagern möchtest. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Visa-Arten für dich zusammengefasst.

Touristenvisum - Visitor’s Visa

Wenn du die Möglichkeit dazu hast, kannst du ohne einen Job oder ein Praktikum bis zu 90 Tage in Südafrika verbringen. In diesem Fall bekommst du für den Zweck des Urlaubs oder Geschäftstreffens bei der Ankunft eine kostenlose Besuchergenehmigung (Visitor’s Visa) ausgestellt, welche auch einmalig um 90 Tage verlängert werden kann.

Bei der Einreise kann anhand deiner Flugdaten jedoch auch eine kürzere Dauer des Visitor’s Visa festgelegt werden. Das Visitor’s Visa gilt auch für Aufenthalte zu Forschungs- und Studienzwecken, Veranstaltungsbesuche, ärztliche Behandlungen, freiwillige Tätigkeiten, begleitende Angehörige/Ehepartner oder „academic sabbaticals“, sofern diese 90 Tage nicht überschreiten.

Um das Touristenvisum zu erhalten brauchst du als Deutsche/r:

  • einen (vorläufigen) maschinenlesbaren Reisepass, der noch mindestens 30 Tage nach deinem Aufenthalt gültig sein muss
  • 2 freie Seiten im Reisepass
  • ein Rückflugticket oder eine Buchungsbestätigung deines Rückfluges
  • eine Adresse in Südafrika (von deinem Hotel, Host o.ä.)
  • Unterlagen, die den Zweck und die Dauer des Aufenthaltes bestätigen
  • den Nachweis über eine erfolgte Gelbfieber-Impfung (falls du dich zuvor in einem gefährdeten Gebiet aufgehalten hast)

Studienvisum - Study Visa

Alle folgenden Dokumente müssen zur Beantragung eines Studienvisums im Original oder amtlich beglaubigt vorliegen und beeidigte Übersetzungen können verlangt werden:

  • Antragsformular + biometrisches Passfoto
  • Reisepass mit mind. zwei freien Seiten und einer Gültigkeit von 30 Tagen über das Abreisedatum hinaus + Kopie des Reisepasses
  • Letter of Personal Admission
  • Verpflichtungserklärung („Undertaking“) der Universität
  • Kontoauszüge der letzten drei Monate und/oder andere Nachweise über ausreichend finanzielle Mittel
  • Nachweis einer südafrikanischen Krankenversicherung
  • aktuelles* polizeiliches Führungszeugnis aus Deutschland sowie allen Ländern, in denen der Antragsteller sich nach seinem 18. Geburtstag mindestens 1 Jahr aufhielt
  • aktuelles* medizinisches Attest eines Allgemeinmediziners
  • aktueller* Röntgenbericht (Ausschluss von notwendiger Tuberkulose-Behandlung)
  • Nachweis über eine erfolgte Gelbfieber-Impfung (falls du dich zuvor in einem gefährdeten Gebiet aufgehalten hast)
  • Nachweis über Buchung eines Rückflugtickets
  • Nachweis der Überweisung der nicht erstattungsfähigen Antragsgebühr (mind. 5 Tage vor Einreichung der Unterlagen)
  • frankierter Rücksende-Expressbrief

*nicht älter als 6 Monate

Das Study Visa benötigst du, wenn du ein Studium in Südafrika aufnimmst, welches länger als 90 Tage andauert. Unbedingt notwendig für das Study Visa (früher: „Study Permit“) ist das Einladungsschreiben, der „letter of personal admission“, welcher von deiner zukünftigen Universität in Südafrika ausgestellt wird. Immatrikulieren kannst du dich erst, wenn du das Study Visa erhalten hast.

Das Visum gilt exakt solange wie deine Studienzeit andauert und du darfst damit auch bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten, ohne ein Arbeitsvisum beantragen zu müssen. Die Bearbeitungszeit ab Antragstellung wird mit 8 Wochen angegeben und du solltest nachweisen können, dass du ein finanzielles Polster oder Einkommen von mindestens 500 Euro pro geplantem Aufenthaltsmonat hast.

Das Visum wird nur für die exakte Dauer deines Auslandsstudiums ausgestellt. Bei Nichtantreten oder vorzeitigem Abbruch des Studiums muss die Universität das Department of Home Affairs darüber unterrichten (sogenanntes „Undertaking“) und die Gültigkeit deines Visums endet mit sofortiger Wirkung. Ein Study Visa kann mindestens 60 Tage vor Ablauf des Visums verlängert werden.

Arbeitsvisum - General Work Visa/ Critical Skills Work Visa

Ebenso wie bei der Ausstellung eines Austauschvisums zur Arbeit (Exchange Visa to Conduct Work), muss auch bei der Beantragung eines generellen Arbeitsvisums (General Work Visa) vom zukünftigen Arbeitgebenden bescheinigt werden, dass die zu besetzende Stelle offiziell ausgeschrieben und kein/e südafrikanische/r Staatsbürger/in als geeignet empfunden wurde, um den Job auszuführen. In diesem Fall kann ein General Work Visa an Ausländer/innen vergeben werden, die nicht in eine der Kategorien des Critical Skills Work Visa fallen.

Besitzt ein/e ausländische/r Staatsbürger/in Fähigkeiten, die auf Grundlage der aktuellen Liste vom Innenminister Südafrikas als außergewöhnliche, in Südafrika fehlende, Fähigkeiten bewertet werden, kann ein Critical Skills Work Visa beantragt und auch ohne vorhandenes konkretes Jobangebot ausgestellt werden.

Das General Work Visa und das Critical Skills Visa können beide eine Gültigkeit von bis zu fünf Jahren aufweisen und überschneiden sich in den Anforderungen bei der Antragstellung:

  • Antragsformular + biometrisches Passfoto
  • Reisepass mit mind. zwei freien Seiten und einer Gültigkeit von 30 Tagen über das Abreisedatum hinaus + Kopie des Reisepasses
  • aktuelles* polizeiliches Führungszeugnis aus Deutschland sowie allen Ländern, in denen der Antragsteller sich nach seinem 18. Geburtstag mindestens 1 Jahr aufhielt
  • aktuelles* medizinisches Attest eines Allgemeinmediziners
  • aktueller* Röntgenbericht (Ausschluss von notwendiger Tuberkulose-Behandlung)
  • Nachweis über eine erfolgte Gelbfieber-Impfung (falls du dich zuvor in einem gefährdeten Gebiet aufgehalten hast)
  • Nachweis der Überweisung der nicht erstattungsfähigen Antragsgebühr (mind. 5 Tage vor Einreichung der Unterlagen)
  • frankierter Rücksende-Expressbrief

*nicht älter als 6 Monate

Austauschvisum - Exchange Visa in Respect of a Cultural, Economic or Social Exchange Programme/ Exchange Visa to Conduct Work

Ein Austauschvisum für Teilnehmer/innen an einem etablierten Austauschprogramm  (Exchange Visa in Respect of a Cultural, Economic or Social Exchange Programme) „kann einem Ausländer ausgestellt werden, der an einem Programm des kulturellen, wirtschaftlichen oder sozialen Austauschs teilnimmt, das von einem Staatsorgan oder einer lernenden Institution in Verbindung mit einer lernenden Institution oder einem Organ eines ausländischen Staates organisiert oder verwaltet wird.“ Die auszuführende Organisation übernimmt dabei die volle Verantwortung für den Studierenden während er sich in Südafrika befindet.

Ein Austauschvisum zur Arbeit (Exchange Visa to Conduct Work) kann laut der Südafrikanischen Botschaft „an einen Ausländer ausgestellt werden, der unter fünfundzwanzig (25) Jahre alt ist und ein Angebot erhalten hat, eine Arbeit für nicht mehr als ein (1) Jahr auszuführen: Vorausgesetzt, der potenzielle Arbeitgeber bescheinigt, dass die Position besteht und geht die vorgeschriebenen Verpflichtungen ein.“

Fachkräfte und Akademiker/innen haben die besten Chancen auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt, denn Jobs werden auf der Grundlage des BEE (Black Economic Empowerment) vergeben. Dieses besagt, dass offene Stellen  nur an ausländische Kräfte vergeben werden, wenn kein/e südafrikanische/r Staatsbürger/in für die Stelle gefunden wurde, weshalb eine hohe Qualifikation von Vorteil ist. Zudem wandern insbesondere hochqualifizierte Südafrikaner/innen aufgrund der besseren Bezahlung im Ausland aus Südafrika aus, wodurch diese Stellen frei werden und von ausländischen Bewerber/inne/n besetzt werden können.

Nach Ablauf des Austauschvisums für Teilnehmer/innen an einem etablierten Austauschprogramm bist du für ein Jahr nicht berechtigt ein erneutes Visum für Südafrika zu erhalten. Nach Ablauf des Austauschvisums zur Arbeit bist du für zwei Jahre nicht berechtigt eine Daueraufenthaltsgenehmigung zu erhalten.

Für das General Work Visa wird zusätzlich ein Nachweis der Qualifikationen, vollständige Angaben zum Arbeitgebenden und Nachweis der Registrierung des Unternehmens, vom Arbeitgebenden eine Verpflichtungserklärung („Undertaking“) sowie eine Erklärung laut BEE (Black Economic Empowerment), dass die Stelle offiziell ausgeschrieben und kein/e südafrikanische/r Staatsbürger/in dafür gefunden wurde benötigt.

Die Beantragung des Critical Skills Visa erfordert ebenfalls einen Nachweis der SAQA (South African Qualifications Authority) zur Bestätigung der erforderlichen kritischen Fähigkeiten, die Einreichung des Arbeitsvertrags (falls vorhanden) und falls zutreffend die Heiratsurkunde und den Nachweis der elterlichen Verantwortung für begleitende Kinder.

Weitere Informationen zu diesen und weiteren temporären Aufenthaltsgenehmigungen (bspw. dem Business Visa bei Gründung einer eigenen Firma in Südafrika) findet ihr auf der Webseite des Department of Home Affairs der Republik Südafrika.

Daueraufenthaltsgenehmigung - Permanent Residence Permit

Die Auswanderung nach Südafrika ist im Vergleich zu manchen anderen Ländern, insbesondere den EU-Staaten, für Deutsche etwas schwieriger. Möglich ist die Auswanderung lediglich für Personen, die eine/n südafrikanische/n Partner/in mit Daueraufenthaltserlaubnis heiraten, eine Familienzusammenführung bewirken, in eine südafrikanische Firma investieren, ein Angebot für eine unbefristete Stelle in Südafrika nachweisen können und zuvor bereits ein fünfjähriges Arbeitsvisum erhalten haben oder als Rentner/in nach Südafrika einwandern. Im letzten Fall wird ein Rentnervisum (Retired Person Visa) für maximal vier Jahre beantragt und nach Ablauf verlängert, sofern der/die Antragsteller/in ein monatliches Einkommen von R37 000 (aktuell ca. 2 300 Euro) nachweisen kann.

Ebenfalls möglich ist der Erhalt einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung aufgrund finanzieller Unabhängigkeit bzw. einem nachweisbaren sehr hohen Vermögen. Sprich: Je eher du als Einwanderer das Land (wirtschaftlich) voranbringen kannst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du eine Daueraufenthaltsgenehmigung erhältst.

Das Auswandern und Leben in Südafrika

Im Bestfall hast du dich zu dem Zeitpunkt, an dem du dich dem Thema Auswandern intensiver widmest, bereits mit den Visa-Anforderungen auseinandergesetzt und festgestellt, dass der südafrikanische Arbeitsmarkt einige Optionen für dich bereithält. Damit du gut vorbereitet in die Jobsuche starten und dich danach all den anderen Herausforderungen stellen kannst, haben wir ein paar Tipps für dich zusammengestellt.

Tipps für die Jobsuche in Südafrika

  • Bringe deine Englisch-Kenntnisse auf ein sehr hohes Niveau und weise sie durch einen international anerkannten Test nach
  • Weitere europäische Business-Sprachen wie Spanisch oder Französisch sind ebenfalls gern gesehen
  • Recherchiere die gängigen Formalien für Bewerbungen in Südafrika
  • Informiere dich genau, welche Qualifikationen und Zeugnisse international relevant sind
  • Versuche bereits innerhalb eines längeren Urlaubs in Südafrika einige Bewerbungsgespräche zu führen
  • Bereite die Dokumente für das Arbeitsvisum möglichst gut vor, da Jobsuche und Visa-Antrag oft Hand in Hand gehen (das eine gibt es nicht ohne das andere)
  • Manche Unternehmen (bspw. Call-Center) haben Sondergenehmigungen laut derer sie Ausländer einstellen dürfen ohne sich nach dem BEE richten zu müssen (sogenannte „Körperschaftsgenehmigungen“)
  • In deutsche Tochterfirmen einzusteigen ist auch eine gute Möglichkeit

Nicht jede/r erhält das Critical Skills Visa für besondere Fähigkeiten, doch es gibt einige spezifische Berufe, die in Südafrika besetzt werden müssen und für die es keine/n geeignete/n Arbeiter/innen gibt. Dazu zählen zum Beispiel Jobs als Hebammen, Architekt/inn/en und Stadtplaner/innen, Ingenieur/innen oder Ärzt/innen. Der Bedarf ändert sich jedoch ständig, weshalb du dich im Voraus gut informieren solltest, ob deine Fähigkeiten wirklich gefragt sind oder du zunächst auf eine andere Weise einwandern solltest. Viele Auswandernde müssen trotz hoher Abschlüsse in den sauren Apfel beißen und in Südafrika in einem Call-Center starten.

Andere Auswandernde gründen dagegen ihr eigenes Unternehmen in Südafrika und gelangen damit zur Arbeitserlaubnis. Mit einer Investition von 5 Millionen Rand (aktuell ca. 308 000 Euro) oder einem Unternehmen, welches „im nationalen Interesse“ steht, kann man eine Firma in Südafrika gründen. Man muss jedoch außerdem nachweisen, dass man dauerhaft zu mindestens 60% Südafrikaner/innen oder Inhaber/innen einer südafrikanischen Daueraufenthaltsgenehmigung beschäftigt und natürlich einen Geschäftsplan sowie einige andere Dokumente vorlegen. Erstmals zwei Jahre nach der Gründung und auch danach alle zwei Jahre werden diese Voraussetzungen überprüft.

Die Lebenshaltungskosten und Mieten in Südafrika

Eine große Rolle beim Auswandern spielen die Lebenshaltungskosten. Kann ich es mir, trotz geringeren Verdienstes in Südafrika, leisten dort zu leben? Kann ich mit einem überdurchschnittlich gutem Verdienst vielleicht sogar viel besser leben als in Deutschland? Diese Fragen kann man pauschal nicht beantworten. Es bestehen große Unterschiede, je nachdem in welcher Region in Südafrika du leben möchtest oder musst und welchen Lebensstandard du verfolgst. Außerdem kommt es natürlich auf deine Ist-Situation in Deutschland an.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit musst du bei einer Auswanderung nach Kapstadt aus einem Dorf in Deutschland sogar mit einer viel höheren Miete rechnen. In Kapstadt kostet ein WG-Zimmer oder 1-Zimmer-Apartment zwischen 400 und 600 Euro – Tendenz steigend – je zentraler, desto teurer. Das sind Preise, die durchaus mit manchen deutschen Städten vergleichbar sind. Die Miete ist ein entscheidender Faktor mit einem enormen Spektrum – auch in Südafrika. Bedenke hierbei auch, dass in Südafrika die Sicherheit ein großes Thema ist und du für ebendiese auch mit bezahlen musst. Du solltest nicht aus finanziellen Gründen in das abgelegenste, unsicherste Viertel ziehen.

Kapstadt gilt für Deutsche als attraktivste Stadt zum Wohnen in Südafrika, wartet aber zugleich mit den höchsten Mieten und Lebenshaltungskosten sowie geringen Löhnen im Vergleich zu beispielsweise Johannesburg auf. Die Lebensmittelpreise in Südafrika werden als geringer bis etwa gleichzusetzen mit Deutschland wahrgenommen, je nachdem, ob es sich um regionales Obst und Gemüse oder importierte Produkte handelt.

Feiern und essen gehen kann man in Südafrika noch zu fairen Preisen. Ebenso sind die Kosten für Dienstleistungen und Benzin noch sehr gering. Auch wenn du in Deutschland kein Auto benötigt hast, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du in Südafrika ein Auto kaufen oder über eine Langzeitmiete ausleihen musst, um von A nach B zu kommen. Beziehe also ggf. auch dies in deine Kalkulation mit ein.

 Lebenshaltungskosten-
Index
Miet-
Index
Lebensmittel-
Index
Gaststätten-
Index
Kaufkraft-
Index
Deutschland67275163112
Südafrika4417344281

Laut aktueller Zahlen von Numbeo sind die Lebenshaltungskosten in Südafrika um ca. 23%, die Mietpreise um ca. 10%, die Lebensmittelpreise um ca. 17% und die Preise in Gaststätten um ca. 21% niedriger als in Deutschland. Der letzte Faktor in der Tabelle, der Kaufkraft-Index, ist jedoch der entscheidendste. Er besagt, dass auch die Kaufkraft um 31% geringer ausfällt als in Deutschland. Das bedeutet, dass sich Südafrikaner/innen von ihrem Durchschnittseinkommen, 31% weniger Güter leisten können, als Deutsche von ihrem Durchschnittseinkommen in Deutschland. Sehr gut gehen lassen kannst du es dir demzufolge nur, wenn du ein (nahezu) deutsches Gehalt beziehst und daher all die Vorzüge, die Südafrika bietet, ohne Sorgen genießen kannst.

Die untere Tabelle verdeutlicht die immensen Unterschiede zwischen Kapstadt und anderen Städten in Südafrika. Insbesondere der Miet-Index, aber auch die Kaufkraft unterscheiden sich enorm. In noch kleineren Städten oder ländlicheren Gegenden können die Unterschiede natürlich entsprechend größer ausfallen.

 Lebenshaltungskosten-
Index
Miet-
Index
Lebensmittel-
Index
Gaststätten-
Index
Kaufkraft-
Index
Kapstadt4326354370
Johannesburg4416354178
Durban3914303774
Port Elizabeth419353777

Quelle: https://de.numbeo.com/lebenshaltungskosten/land/Südafrika*
*Die Werte sind gerundet. Als Richtwert für die Indexe gilt New York mit einem Index von jeweils 100.

Die südafrikanische Sozialversicherung und das Gesundheitssystem

Die deutsche gesetzliche Versicherung gilt in Südafrika nicht. Aufgrund eines fehlenden Sozialversicherungsabkommens müssen also die in Deutschland üblichen Versicherungen neu überdacht werden: Arbeitslosenversicherung, Gesetzliche Unfallversicherung, Pflegeversicherung, Gesetzliche Krankenversicherung und Deutsche Rentenversicherung.

Die Sozialversicherung in Südafrika deckt grundlegend die Arbeitslosenversicherung ab. Die Beiträge fallen jedoch so gering aus (1% des Bruttoeinkommens), dass die Absicherung nicht mit dem deutschen Standard vergleichbar ist und im Zweifelsfall zusätzlich auf Rücklagen zurückgegriffen werden muss. Für die Unfallversicherung zahlt der/die Arbeitgeber/in in einen Fond ein, auf welchen bei arbeitsbedingten Unfällen oder Erkrankungen zurückgegriffen werden kann. Eine Pflegeversicherung existiert in Südafrika nicht. Kranken- und Rentenversicherungen sind privat organisiert.

Die ärztliche Versorgung ist in staatlichen Krankenhäusern grundsätzlich kostenfrei und jedem zugänglich, jedoch mit einem geringen Standard und langen Wartezeiten verbunden. Eine private Krankenversicherung im Falle der Auswanderung (auf Zeit) ist ein Muss, um eine Versorgung nach europäischem Standard abdecken zu können. Manche Arbeitgeber/innen erledigen die Anmeldung für die Arbeitnehmer/innen und übernehmen einen Teil der Kosten. Rentner/innen, Studierende und Selbstständige sollten sich jedoch schon von Deutschland aus selbst um a) eine gute Auslandsversicherung, die alle wichtigen Fälle abdeckt, oder b) direkt um eine Krankenversicherung vor Ort kümmern.

Prinzipiell muss jeder Antrag von den südafrikanischen Krankenversicherungen angenommen werden, ungeachtet des Alters oder der Krankheitsgeschichte des Antragstellers/der Antragstellerin. Es können jedoch sogenannte allgemeine (drei Monate) und krankheitsspezifische (zwölf Monate) Sperrfristen zum Tragen kommen bevor die Krankenversicherung greift. Ein höherer Beitrag, aufgrund eines späten Eintritts in die südafrikanische Krankenversicherung (ab 35 Jahre), ist auch möglich. Die Krankenversicherungen bieten verschiedene Pakete sowie meist auch attraktive Vergünstigungen für Fitnessstudios, kostenfreie Vorsorge-Untersuchungen etc. an. Eventuell kommt für dich auch eine internationale Krankenversicherung in Frage, welche du „überallhin mitnehmen“ kannst, wenn du häufig außerhalb Deutschlands unterwegs bist.

Manche Firmen übernehmen die Einzahlung kleiner Gehaltsteile in eine Art Renten-Fond. Akademiker/innen versichern sich in der Regel jedoch selbst bei den großen Anbietern wie Momentum und Sanlam. Bei vielen größeren Rentenversicherungen in Südafrika erhältst du deine Auszahlungen sogar, wenn du nach Deutschland zurückkehrst. In die Deutsche Rentenversicherung kann natürlich auch weiterhin freiwillig eingezahlt werden, falls du von Beginn an vor hast irgendwann zurückzukehren.

Wenn du von einer deutschen Firma für einen begrenzten Zeitraum entsendet wurdest, ändert sich für dich bezüglich der Sozialversicherung oftmals nichts. Deine Ansprüche und Zahlungen in Deutschland bleiben bestehen und es können lediglich zusätzliche Kosten für die Doppelversicherung entstehen, da du auch in Südafrika sozialversicherungspflichtig bist.

Das Lohnsteuerabkommen mit Deutschland

Die entscheidenden Faktoren bei der Frage, wo du deine Lohnsteuer zahlen musst, sind a) das Land deines angemeldeten Wohnsitzes und b) die Dauer der Arbeit im Ausland. Zwischen Deutschland und Südafrika besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, welches regelt, unter welchen Voraussetzungen du an welchen Staat Steuern abführen musst. Demnach ist festgelegt, dass du bis zu 183 Tage im Jahr in Südafrika arbeiten darfst, ohne dort Steuern zahlen zu müssen.

Wenn du eine längere Zeit in Südafrika arbeitest, musst du auch deine Lohnsteuer dort zahlen. Aufgrund des Abkommens fällt die Besteuerung in Deutschland dann zwar weg, das Auslandseinkommen kann aber Auswirkungen auf deinen zukünftigen Steuersatz in Deutschland haben, da es zu dessen Berechnung herangezogen wird.

Weitere Informationen zum Thema Einkommenssteuer findet ihr hier: https://www.deutsche-im-ausland.org/absicherung-und-finanzen/finanzen/einkommensteuer.html

Checkliste - „Auswandern und Leben in Südafrika“

  • Englisch-Kenntnisse
  • längere(r) Aufenthalt(e) im Voraus
  • Beantragung des Visums/ der Arbeitserlaubnis
  • übersetzte und beglaubigte Dokumente für Visum und Bewerbungen
  • Jobsuche, Bewerbung
  • Finanzierung und Rücklagen
  • Krankenversicherung oder erweiterte Auslandsversicherung
  • Rentenversicherung in Südafrika
  • Wohnungssuche
  • Umzugsfirma
  • Autokauf oder Langzeitmiete
  • Kontoeröffnung

Wenn möglich sollte man für jegliche Notfälle auf Ersparnisse und ein Sicherheitsnetz (z.B. Freunde, Familie in Deutschland) zurückgreifen können. Arbeitslose werden nicht von einem Sozialstaat abgefangen wie in Deutschland und auch die Verlängerung des Visums könnte jederzeit abgelehnt werden.

Goodbye Deutschland - Erfahrungsberichte von Auswanderern

Bevor man nach Südafrika auswandert sollte man sich neben all den positiven Dingen wie der entspannten Mentalität, dem langen Sommer und den geringeren Lebenshaltungskosten, auch über die Schattenseiten des Landes Gedanken machen.

In Sachen politischer Stabilität, Bürgerrechtslage, Gesundheitssystem, und Sicherheit liegt Südafrika weit hinter Deutschland. Eine hohe Arbeitslosenquote, Korruption und geringe Verdienste sind nur einige Probleme mit denen das Land zu kämpfen hat.

Wenn dein perfektes Urlaubsland zum Land wird, in welchem du lebst und arbeitest, wirst du nicht selten mit völlig neuen Situationen und Herausforderungen konfrontiert. Von den verschiedenen Seiten der Medaille können besonders gut diejenigen berichten, die bereits nach Südafrika ausgewandert sind.

Johannes Weber - Blogger und Tourguide in Kapstadt

Johannes Weber bewarb sich zunächst bei Amazon in Kapstadt, bekam den Job und hatte daher vergleichsweise wenige bürokratische Hürden vor seinem Umzug nach Südafrika zu bekämpfen. Alle Visa-Angelegenheiten regelte die Firma. Die Chancen für junge Deutschsprachige stehen seiner Meinung nach, aufgrund vieler großer und internationaler Firmen, gut. Den deutschen Perfektionismus sollte man allerdings ablegen und sich auch mit dem Thema Kriminalität auseinandersetzen. Positiv berichtet er von einer familiären Herzlichkeit im Arbeitsalltag und weiß dies ebenso zu schätzen wie das sonnige Wetter und die südafrikanische Entspanntheit. In Südafrika hat er nicht nur seine Frau kennengelernt, sondern auch einen Blog gestartet, die Arbeit als Touristenführer („Jo Weber Tours“) aufgenommen und ein E-Book geschrieben.

Olaf & Marie Heidtke - „Pure Nature Lodge"

Blick Aus Dem Auto Auf Einen Elefanten
Giraffenfamilie Auf Der Pure Nature Lodge
Frisches Gemüse Auf Einem Tisch Artischocken, Bohnen, Gurken, Tomaten

Olaf und Marie Heidtke sind 2015 mit ihren drei Kindern nach Südafrika ausgewandert und wurden von der Vox-Sendung „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ begleitet. Trotz alltäglicher Probleme sind sie der festen Überzeugung, dass Südafrika immer noch ihr ganz großer Traum ist und bereuen den Schritt nicht. Erstaunlicherweise sind die weiten Wege und ständig reparaturbedürftige Autos zwei ihrer größten Probleme in Südafrika.

Gemeinsam haben sie die Pure Nature Lodge aufgebaut – ein Paradies für Familienurlaub in Südafrika mit direktem Blick in den Addo Elephant Nationalpark. Marie Heidtke ist gelernte Pferdewirtin, weshalb sie mit einem umfangreichen Vorwissen in die Pflege der Farmtiere einsteigen konnte. Olaf Heidtke hatte bereits Erfahrung in der Selbstständigkeit als er mit seiner Frau die Pure Nature Lodge aufbaute.

Interview mit Olaf Heidtke

Kaffee oder Tee? Bier oder Wein?

Klar doch Kaffee und südafrikanischen Wein für mich und Marie liebt das Savanna light 😉

Welche Superhelden-Eigenschaft hättet ihr gerne?
Alles auf einmal erledigen können und an verschiednen Orten gleichzeitig sein…

Wie habt ihr euch auf die Auswanderung nach Südafrika vorbereitet?
Unsere 200 Hektar große Farm haben wir bereits 2003 gekauft und hier haben wir dann 2x im Jahr unseren Urlaub verbracht. In den Urlauben konnten wir uns mit dem Land, den Gegebenheiten und den Menschen vertraut machen. Wir wollten vor einer Auswanderung klären, ob sich die Kinder in Südafrika wohl fühlen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, dann wäre die Auswanderung von vorherein zum Scheitern verurteilt.

Gab es einen bestimmten Grund, dass ihr genau diesen Zeitpunkt im Jahr 2015 gewählt habt?
Ich konnte meine Firmenanteile zu einem gutem Preis veräußern. Der Erlös war unser Startkapital in Südafrika.

Was unterscheidet Südafrika als Wohn- und Arbeitsort von Südafrika als Urlaubsort für euch?
Leider hatten in den ganzen Jahren vor unserer Auswanderung nur 4 mal an der Gardenroute Urlaub gemacht. Die restlichen Urlaube waren dann eher „Arbeitsurlaube“ bei uns auf der Farm. Von daher war Südafrika nie ein wirklich nur „Urlaubsort“ für uns … .

Warum habt ihr euch für das Farm- und Lodge-Leben und gegen die Großstadt entschieden?
Wir lieben die Natur!! Und natürlich die Tiere. Es ist einfach total interessant, die Natur zu beobachten und Zusammenhänge zu erkennen, die man nur aus Filmdokumentationen kennt. Es hört sich großkotzig an, aber in der Stadt hat man nun keine Möglichkeiten seine eigenen Giraffen, Zebras, Strauße, Antilopen Arten, wie Nyalas, Kudus, Impalas, Wasserböcke zu beobachten!

Welche Vorteile hat das Farmleben?

Innerhalb von 5 Jahren hat Marie, meine Frau, es geschafft, dass wir uns (fast) und unsere Gäste selber versorgen können! Wir haben Eier von unseren Hühnern (sogar zu viele, die wir im Dorf noch verkaufen können), Schweine, Kühe, Gänse. Truthähne haben wir für die „Fleischversorgung“ und durch die Milchziegen stellen wir unseren eigenen Ziegenkäse und andere Käsesorten her. Dann haben wir einen riesigen Garten mit Mangold, Salaten, Möhren, Artischocken, Rote Beete, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Feigen, Gurken und Tomaten. Ich schätze, dass ich hier noch einiges vergessen habe. „Biologischer Anbau“ ist ja gerade ein sehr großes Thema – wir können es anbieten!

Gibt es etwas, dass euch an der Arbeits- und Lebensweise in Südafrika noch immer überrascht, euch nervt oder beeindruckt (positiv und negativ)?
Ja … die meisten Südafrikaner (gerade bei uns auf dem Lande) bieten Ihre Dienste an, dass sie „Alles“ können oder in Ihrem Arbeitsbereich einfach unschlagbar gut sind. Das ist totaler Schwachsinn und hier habe ich gelernt: Neee-lieber die Finger weg lassen!

Gab es mal einen Moment, in dem euch alles zu viel wurde und ihr aufgeben wolltet? Was habt ihr dagegen getan?
Klar gab und gibt es Momente, wo Du die Schnauze voll hast! Aber das passiert Dir doch auch in Deutschland, Frankreich, USA, Australien oder in jedem anderem Land.
Ach, Du schläfst einfach eine Nacht drüber und am nächstem Tag sieht es dann schon wieder ganz anders aus!

Wie habt ihr soziale Kontakte geknüpft?
Im Dorf haben wir unglaublich viele „Bekannte“ gefunden, aber du bist halt ein Ausländer, der die Sprache (Afrikaans) nicht spricht. Und die Mentalität ist halt einfach eine andere. Es ist schon echt komisch, aber wir haben hier eine Menge deutsche Freunde gefunden, die ebenfalls ausgewandert sind.

War und ist es für eure Kinder leicht Freunde zu finden?
Für die Kids ist es sehr leicht gewesen, Freunde zu finden. Mittlerweile sprechen sie perfekt englisch, afrikaans und in isiXhosa werden sie auch noch unterrichtet.

Was würdet ihr heute anders machen als zum Zeitpunkt der Auswanderung – egal ob auf das Auswandern selbst, die Jobsuche oder den Alltag bezogen?
Eigentlich würden wir alles genauso machen … .

Möchtet ihr sonst noch etwas loswerden oder den Leser/innen einen Rat mitgeben?
Auswandern – gerade mit Kindern – ist kein einfaches Unternehmen. Es ist eine Belastung für die ganze Familie, die nicht zu unterschätzen ist. Dann ist da noch die Sache mit dem Geld. Egal, wieviel man hat oder sich selber sein Budget erstellt; es reicht nicht! Verdoppelt den Betrag und selbst dann ist es noch zu wenig.

Johannes Kraus - „Kurus English“

Team Der Sprachschule Kurus English
Der Leuchtturm Mit Blick Auf Den Devil´s Peak
Sprachexkursion Kurus-english.com

Johannes Kraus hat 2008 seine eigene Kultur-Sprachschule in Kapstadt gegründet. Zwischen 2004 und 2006 hat er selbst viele Monate als Student in Südafrika verbracht und  während seines Sprachkurses ist ihm eines aufgefallen: Sprachkurs und südafrikanische Kultur fanden isoliert voneinander statt. Nach weiteren Überlegungen, einigen Gesprächen mit Einheimischen und jahrelanger Vorbereitung hatte er damit die Nische gefunden, nach der viele Auswanderer suchen, um in Südafrika eine Arbeitserlaubnis zu erhalten.

Bevor er den letzten Schritt wagte, absolvierte er 2007 noch ein Praktikum bei einem Tour-Anbieter in Kapstadt, welcher heutiger Kooperationspartner seiner Sprachschule ist. Mit dem Kredit einer deutschen Bank überwand er dann die Startschwierigkeiten seiner Schule und kann heute von einer erfolgreichen Unternehmensgründung in Südafrika berichten.

Seine Schule bietet neben den Sprachkursen dreimal wöchentlich Sprachexkursionen an, die sich durch aktive Begegnungen mit Menschen und Kultur auszeichnen, statt durch das übliche Sightseeing.

Interview mit Johannes Kraus

Wie schwer war die Integration für einen Deutschen?
Ich habe mich eigentlich von Anfang an in Kapstadt sehr wohl und aufgehoben gefühlt. Dadurch, dass mein Englisch sehr gut war, war es einfach zu integrieren. Die Menschen hier sind sehr offen, herzlich und hilfsbereit, das hat den Einstieg erleichtert.

Welche Dinge vermisst du? Welche Dinge würdest du in Deutschland Kapstadt/Südafrika vermissen?
Eigentlich vermisse ich nichts, ich bin hier voll “angekommen” und integriert. Wenn ich von Freunden oder Familie gefragt werde, was sie mir den mitbringen können fällt mir oft nichts ein… und wenn der Besuch wieder gen Europa fliegt und ich sie am Flughafen abliefere, denke ich eigentlich immer noch, dass ich froh bin, dass ich nicht derjenige bin der jetzt fliegen “muss”.

Was hat dich an der Arbeits- und Lebensweise in Kapstadt überrascht, dich genervt oder beeindruckt (positiv und negativ)?
Gerade hier in Kapstadt haben wir eine sehr hohe Lebensqualität. Man genießt die Vorzüge einer Großstadt hat aber nicht das Gefühl, dass man in einer Millionenmetropole lebt. Ich wohne in einem Stadtviertel vor dem Tafelberg in der so genannten “City Bowl”, sehr nahe an der Innenstadt und habe das Gefühl auf dem Dorf zu sein, so ruhig ist es oft; ein richtig kleiner, gemütlicher Stadtteil.

Kulturell und kulinarisch ist in Kapstadt viel geboten und es ist immer etwas los, es wird nie langweilig. Beeindruckend sind auch die vielen Kulturen, die hier zusammentreffen und miteinander leben. Sicher ist auch nicht alles reibungslos, aber der afrikanische aber auch internationale Einfluss hier im Schmelztiegel am Kap gefällt mir sehr gut.

Gab es mal einen Moment, in dem dir alles zu viel wurde und du aufgeben wolltest? Was hast du dagegen getan?
Man kommt immer mal wieder an diesen Punkt, gerade, wenn man sein eigenes Geschäft hat. Aber auch hier gilt immer nicht die Nerven zu verlieren, tief durchzuatmen und einfach mal ans Meer zu fahren und die wunderschöne Landschaft hier am Kap auf sich wirken zu lassen- das hilft dann schon. Meistens legt sich die Frustration dann recht schnell.

Wie hast du soziale Kontakte geknüpft? Was sind die besten Orte und Möglichkeiten, um in Kapstadt Leute kennenzulernen?
Dadurch, dass ich hier schon zum Sprachkurs und auch zum Studium war hatte ich bereits einige Kontakte und als ich 2007 zurück kam um an meinder Idee der Sprachschule zu arbeiten, habe ich in einer WG gelebt, die mir zu weiteren Kontakten verholfen hat. Außerdem kann ich jedem Neuling das Netzwerk “Internations” (www.internations.org) empfehlen, dies ist eine Online Plattform für Expats. Außerdem finden regelmäßige Treffen in Kapstadt statt, wo sich Expats aus der ganzen Welt, aber auch Südafrikaner zum kennen lernen treffen.

Ich habe die Treffen 5 Jahre lang organisiert, dadurch habe ich hier ein sehr gutes soziales Netzwerk aufbauen können. Schließlich kann man auch sagen, dass die Deutsche Gemeinschaft hier sehr gut organisiert ist, sei es durch die politische oder kirchliche Gemeinden, die Deutsche Internationale Schule oder auch einem deutschsprachigen Rotary Club (www.rcamkap.com). Es gibt also genügend Möglichkeiten sehr schnell Kontakte zu knüpfen, wenn man das möchte.

Was würdest du heute anders machen als damals – egal ob auf das Auswandern, die Jobsuche oder den Alltag bezogen?
Im Großen und Ganzen bin ich mit meinen Entscheidungen sehr zufrieden, und ich bereue den Schritt, hier ein Unternehmen zu gründen und mich hier niederzulassen nicht. Ich habe ein gutes und spannendes Leben hier.

Warum würdest du immer wieder nach Südafrika auswandern bzw. was zieht dich jetzt erneut dorthin?
Südafrika und Kapstadt sind magisch… und manchmal kann man gar nicht beschreiben warum man immer wieder, wie von einem Magnet, von der Stadt, von den Menschen angezogen wird. Ich sage oft, der Tafelberg wird nie langweilig anzusehen, selbst wenn man ihn jeden Tag sieht…Land, Leute, Landschaft sind einfach einmalig und strahlen eine gute und positive Energie aus, die ich nicht missen möchte.

Möchtest du sonst noch etwas loswerden oder den Leser/innen einen Rat mitgeben?
Ich denke, ich möchte und muss schon erwähnen, dass Südafrika und Kapstadt auch seine Probleme hat. Nirgends ist der Unterschied zwischen Arm und Reich so groß wie hier. Dies führt zu einer erhöhten Kriminalität, die sich nicht leugnen lässt und man muss sich an gewisse Regeln hier halten. Diese Regeln können schon auch einschränkend sein. Aber wir, die wir ein sehr priviligiertes Leben hier haben, bekommen davon oft nicht so viel mit.

Dies ist in den Vororten oft anders und nicht jeder hat hier einfachen Zugang zur Lebensqualität, die ich oben beschrieben habe. Die wirtschaftliche und politische Lage ist nicht einfach und viele Probleme wurden in den vergangenen Jahren nicht angegangen und durch korrupte Politik/ korrupte Politiker vernachlässigt. Derzeit haben wir ein “Strom-Problem”, weil der Verbrauch die Erzeugung übersteigt. Morgen ist es etwas anderes… man muss immer darauf gefasst sein, dass etwas nicht funktioniert oder nicht rund läuft.

Diese Misswirtschaft wird auch nicht helfen die beschriebenene Unterschiede von Arm und Reich in den nächsten Jahren/ Jahrzehnten auszugleichen. Hier kommen große Aufgaben auf Südafrika zu, die hoffentlich angepackt werden, um den Lebensstandard für alle zu erhöhen.

Tibor & Doris Tokay - „Stellar Overberg Travellers Lodge“

Familie Tokay Am Orangenen Jeep
Familie Tokay Am Steinstrand
Familie Tokay Der Stellar Overberg Travellers Lodge

Tibor und Doris Tokay wanderten mit ihren zwei Kindern im Jahr 2017 nach Südafrika aus und wurden dabei von der SRF-Sendung „Auf und davon“ begleitet. Vor seinem zwanzigsten Lebensjahr lebte Tibor bereits mit seinen Eltern, ebenfalls Schweizer Auswanderer, in Südafrika. Mit einer doppelten Staatsbürgerschaft kehrte er jedoch der Karriere und politischen Situation wegen in die Schweiz zurück.

Viele Jahre später zog es ihn mit seiner Familie wieder nach Südafrika, wo er im ersten Jahr nach der Auswanderung mit seiner Frau die Stellar Overberg Travellers Lodge gründete. Zu ihren weiteren Einkommensquellen sagt die Sozialarbeiterin Doris Tokay: „Zudem produzieren wir Wein und Oliven. Wir mögen den beruflichen Ansatz, sich zu diversifizieren. Zudem ist Tibor mit Leib und Herz zuständig für Reisetouren von Kleingruppen im südlichen Afrika, was unsere Gäste zunehmend in Anspruch nehmen.

Außerhalb der Hauptsaison und in Teilzeit übernimmt Tibor Mandate im IT-Bereich. Zudem habe ich eine eigene Firma gegründet. Ich coache und berate Personen, die sich mit der Thematik Auswanderung befassen oder die sich mit einer veränderten Lebensgestaltung auseinandersetzen möchten.“ (Interview der Familie Tokay mit Stefan Hilzinger vom Tagblatt)

Die Familie unterstützt zusätzlich soziale Projekte in Südafrika. Bevor sie auswanderten reisten sie fast 30 Jahre immer wieder mit der ganzen Familie nach Afrika und haben den Schritt zur (erneuten) Auswanderung gut durchdacht. Aufgrund der doppelten Staatsbürgerschaft von Tibor Tokay und seinen beiden Kindern konnte seine Frau mit einem Angehörigen-Visum einreisen. Aktuell planen sie jedoch, während der Nebensaison in Südafrika in der Schweiz zu arbeiten.

Interview mit Tibor Tokay

Was hat euch dazu bewegt nach den jahrelangen Reisen voll und ganz nach Südafrika auszuwandern? Gab es einen bestimmten Grund, dass ihr genau diesen Zeitpunkt gewählt habt?
Ich denke es hat lange schon in uns geschlummert etwas in unserem Leben zu ändern und irgendwann kommt der Zeitpunkt in deinem Leben an welchen Du sagst, wenn nicht jetzt, dann wohl nie. Und auf den perfekten Zeitpunkt zu warten ist müssig. Der kommt entweder nie oder ist immer da.

War der Prozess der Auswanderung aufgrund der doppelten Staatsbürgerschaft von Tibor einfacher für euch?
Bestimmt. Auch die Kinder sind Doppelbürger und Doris besitzt ein Relative Permit und hat die Permanent Residence beantragt. Der komplette Prozess dauert allerdings ungewiss lange.

Was unterscheidet Südafrika als Wohn- und Arbeitsort von Südafrika als Urlaubsort für euch?
Ich denke es ist nicht nur Südafrika sondern in der ganzen Welt so, dass sich das Leben als Erwerbstätiger von dem des Urlaubers unterscheidet. Was aber nicht zwingend negativ zu werten ist, denn man ist viel mehr Teil des Landes mit all seinen Facetten. Positiv wie auch negativ. Zudem haben wir unsere alten Jobs gegen neue ausgetauscht. Deshalb ist kein direkter Vergleich möglich.

Neu bin ich handwerklich unterwegs und muss viel organisieren. Das Personalmanagement in Südafrika ist ein ziemliches Thema, da die Gesetze sehr arbeitnehmerfreundlich ausgelegt sind und man sehr vieles, von der Einstellung bis zu Kündigung, beachten muss.

Warum habt ihr euch für das Leben auf einer Farm und gegen die Großstadt entschieden? Welche Vorteile hat das Farmleben?
Uns war von Anfang an klar, dass wir ein Familienprojekt möchten und dieses ist auf einer Farm als Wohn- und Arbeitsort ideal umsetzbar.

Gibt es etwas, dass euch an der Arbeits- und Lebensweise in Südafrika noch immer überrascht, euch nervt oder beeindruckt (positiv und negativ)?
Wir kommen aus einer Gesellschaft wo alles in Echtzeit passiert und gefordert wird. In Südafrika ist es schön mal auf was warten zu „dürfen“. Das meine ich ernsthaft so, denn das Thema entschleunigt. Aber an manchen Tagen … .

In Südafrika gibt es generell keinen „Handwerkerstolz“. Die Arbeiten werden mal so und mal so ausgeführt. Gute Handwerker zu finden ist wie ein Lotteriegewinn, da man sich auch nicht auf Empfehlungen verlassen kann. Das Qualitätsempfinden ist einfach zu unterschiedlich. Hat man mal einen guten gefunden, hat dieser kaum Zeit und man wartet halt.

Gab es mal einen Moment, in dem euch alles zu viel wurde und ihr aufgeben wolltet? Was habt ihr dagegen getan?
Aufgeben war nie ein Thema. Wir haben uns jedoch immer die Freiheit gegeben auf Situationen spontan und agil zu reagieren und das Projektes noch im Laufe der Umsetzung anzupassen.

Während unseres Auswanderungsprojekts hatten wir uns in ein wunderschönes Haus direkt an der Küste, mit toller Meersicht verguckt und bereits einen Kaufvertrag abgeschlossen. Dieses hätte sich auf Grund der Bauweise und des Layouts perfekt für ein Guesthouse geeignet. Auf einer darauffolgenden Tour wurde uns jedoch klar, dass ein Geschäft, sprich Arbeitsort, mit externem Wohnort, wie wir es vor unserer Auswanderung kannten, zu sehr von unserem Familienprojekt abweicht. Somit haben wir den Kaufvertrag nach unserer Rückkehr aufgelöst und die Suche nach dem perfekten Projekt ging von vorne los.

Wie habt ihr soziale Kontakte geknüpft? War und ist es für eure Kinder leicht Freunde zu finden?
Wir sind nicht ausgezogen gute Freunde zu finden und haben sie doch gefunden. Ich denke man muss einfach offen sein für Land und Leute, denn beides ist anders als das was man zurücklässt. Heute haben wir gute Freunde in beiden Welten was eine enorme Bereicherung ist. Kinder sind meist eh unkompliziert unterwegs und passen sich relativ schnell Veränderungen an und finden einfach neue Freunde.

Was würdet ihr heute anders machen als zum Zeitpunkt der Auswanderung – egal ob auf das Auswandern selbst, die Jobsuche oder den Alltag bezogen?
Eigentlich gar nichts. Alles ist gut so wie es ist 😊

Möchtet ihr sonst noch etwas loswerden oder den Leser/innen einen Rat mitgeben?
Auswandern ist ab dem Beschluss, dass man es macht, bis hin zum Sesshaft werden in der neuen Heimat ein Ausnahmezustand und hat zur Folge, dass gewohnte Strukturen auseinanderbrechen. Es ist wichtig dabei offen, anpassungsfähig und kompromissfreudig zu bleiben und vor allem den Spaß am Projekt nicht zu verlieren. Für Familien und Beziehungen kann es eine reine Belastungsprobe sein die einen gegenseitig entfremdet oder zusammenschweißt.

Hast du die Voraussetzungen, um nach Südafrika auszuwandern?

Wenn du unbedingt in Südafrika Fuß fassen und diesen Traum angehen möchtest, solltest du eine große Portion an Flexibilität mitbringen. Das bezieht sich sowohl auf den Wohn- und Arbeitsort in Südafrika, als auch auf die Arbeitsbereiche und Stellen, die du besetzen kannst. Sehr vielen Auswandernden bleibt einzig und allein die Möglichkeit in einem Call-Center zu starten, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Von diesem Startpunkt aus kannst du dich nach anderen Optionen umsehen – mit ungewissem Ausgang.

Außerdem ist es unbedingt ratsam, dass du von Südafrika bereits mehr gesehen hast als die typische Sightseeing-Route. Es ist zum einen wichtig, sich in der Vorbereitung mit der Geschichte und Kultur des Landes auseinanderzusetzen, Infrastrukturen und die Gesetzeslage zu kennen sowie sich der anderen Mentalität im Arbeits- und Privatleben bewusst zu sein.

Im Angestellten-Verhältnis solltest du dir bspw. der längeren Arbeitszeiten und des (meist) geringen Lohnes bewusst sein, aber auch der lockeren Umgangsweise in Bezug auf Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Zum anderen können Kontakte, die du während deiner Reisen aufbaust nach der eigentlichen Auswanderung in die Fremde für dich Gold wert sein, insbesondere, wenn du dein eigenes Business aufbauen oder als Freelancer in Südafrika arbeiten möchtest.

Schon vor der Auswanderung kannst du außerdem von den Erfahrungen anderer profitieren. Du kannst dir verschiedene persönliche Meinungen anderer Deutscher zum Auswandern einholen, denn viele Online-Berichte sind bereits sehr veraltet und spiegeln ein Südafrika von vor zehn Jahren wider.

Wenn deine Begeisterung für Südafrika nach all den bürokratischen Hürden und Gesprächen immer noch nicht verflogen ist, worauf wartest du dann noch? 😉

Vanessa

Vanessa

Vanessa liebt das Schreiben und bereichert den Blog daher mit spannenden Themen rund um das südliche Afrika. Sie interessiert sich besonders für die interkulturelle Zusammenarbeit und fremde Kulturen. In Verbindung damit stellen das Reisen und Fotografieren/Filmen ihre größten Leidenschaften dar und führten sie bereits in den Norden und Westen des afrikanischen Kontinents. Der Süden wird somit sicher ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen!

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