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Das Südafrika der Post-Apartheid. In seinem Thriller ZULU verknüpft Regisseur Jerôme Salle eine knallharte Kriminalgeschichte mit der blutigen Vergangenheit des südafrikanischen Landes.

Drehorte

Kapstadt im Jahr 2013. Es ist eine neue Droge aufgetaucht. Wer sie nimmt, erlebt zunächst ekstatische Euphorie, wird anschließend jedoch unkontrollierbar aggressiv und gewalttätig. Getestet wird die synthetische Substanz vor allem an den schwarzen Straßenkindern in den Townships, die anschließend spurlos verschwinden. Doch niemand scheint das zu kümmern. Als jedoch eine junge weiße Frau im Botanischen Garten totgeschlagen wird, sorgt das für eine Menge Aufsehen. Das Ungleichgewicht zwischen Schwarz und Weiß scheint sich auch im modernen Südafrika nicht wesentlich geändert zu haben.

Geschichte

Im Fall der getöteten weißen jungen Frau wird Ali Sokhela mit den Ermittlungen betraut. Er ist der Chef der Mordkommission in Kapstadt und stammt selbst aus einer Zulu-Familie. Als Kind musste er auf dramatische Weise miterleben, wie sein Vater von einer wütenden Rassisten-Miliz ermordet wird. Er kann mit seiner Mutter mit Mühe und Not fliehen, ist jedoch auch als Erwachsener traumatisiert. Inzwischen steht er als Polizist für Recht und Ordnung, welche auch zwei Jahrzehnte nach der Rassentrennung auf sehr wackligen Füßen steht. Er kann seine Rolle nur erfüllen, indem er versucht seinen Peinigern zu vergeben. Diese Einstellung der Hauptfigur wird jedoch mehr als einmal auf eine harte Probe gestellt. An seiner Seite steht sein Kollege Brian Epkeen. Er stammt aus einer Buren-Familie, die tief in das Apartheid-Regime verwickelt waren. Obwohl er für die Gesinnung seiner Familie nichts kann, schämt sich Epkeen zutiefst und lebt unter dem Mädchennamen seiner Mutter. Er bewältigt den Tag nur mit einem kräftigen Schluck Alkohol und ist auch sonst ein unkontrollierbares Pulverfass. Dan Fletcher komplementiert das Ermittler-Trio. Er scheint relativ unberührt von dem historischen Rassenkampf zu sein. Vielmehr steht er unter privaten Druck, da seine Frau gegen eine Krebserkrankung ankämpft und er sie so gut es geht unterstützt.

Regisseur J´me Salle lässt bereits mit der Konstellation des ungleichen Ermittlungsteams erahnen, dass die Konflikte seines Thrillers viel tiefer liegen, als die Drogengeschichte zunächst vermuten lässt. Dadurch wird deutlich, dass es nicht möglich ist, eine Geschichte, die in Südafrika spielt, ohne die historischen Hintergründe zu erzählen. Diese wirken sich bis in die Gegenwart aus und bestimmen maßgeblich das soziale und politische Handeln. Damit wird Kapstadt zum Schmelztiegel von Politik und Verbrechen. Der Film zeigt somit ein ehrliches Bild der Wirklichkeit, in welcher Recht und Ordnung nicht so viel wert ist, und in der die Hautfarbe und der damit verbunden Rassismus auch nach der Apartheid die Verhältnisse bestimmt.

Gemeinsam stellen die Ermittler fest, dass neben den Dealern der Townships auch entscheidende Vertreter des alten Apartheid-Regimes an der Entwicklung der Droge beteiligt waren, beseelt von dem Wunsch, die schwarzafrikanische Bevölkerung zu reduzieren. Und je weiter die Polizisten in ihren Ermittlungen vorankommen, umso gefährlicher werden die Konsequenzen für sie selbst, ihre Kollegen und Angehörigen. Auch die eigenen Traumata kommen immer mehr zum Vorschein.

Der Film Zulu basiert auf dem gleichnamigen Buch des französischen Schriftstellers Caryl Ferey, welches 2008 erschien und mehrfach ausgezeichnet wurde. Und wie auch der Autor des Romans, so versucht Jerôme Salle in seinem Film hinter die Kulissen des traumhaften Urlaubslandes zu schauen. Um dem Thriller die nötige Authentizität zu verleihen, verbringt Salle selbst eine längere Zeit in Südafrika und besetzt den größten Teil der Crew mit Einheimischen.

Schauspieler

Auch mit Forest Whitaker, welcher den Kommissaren Ali Sokhela darstellt, hat der Regisseur eine gute Entscheidung getroffen. Der Oskar-Preisträger spielt seine Rolle zwischen unbestechlicher Autorität und gebrochenem Mann, der seine Wunden mit Würde trägt und nicht als erstes zu Gewalt greift, großartig. Whitaker gibt seiner Rolle einen leicht nach vorn geneigten Gang, so als müsse er sich beständig gegen etwas stemmen und durchsetzen. Er lässt Sokhela in den etwas zu weiten Anzügen groß und schlaksig erscheinen und verleiht ihm einen durch nichts zu erschütternden Blick, den er unter schweren Augenlidern auf eine chaotische Umwelt wirft. Orlando Bloom spielt als Bad Guy einen zynisch-versifften Weiberheld und Problem-Cop, angetrieben von dem inneren Drang der Vergeltung, und macht damit die Zerrissenheit des südafrikanischen Landes deutlich. Dass Bloom, der bisher als schnuckeliger Elb Legolas aus dem Herrn der Ringe oder als charmanter Pirat aus Fluch der Karibik bekannt war, in dieser Rolle überzeugt, ist eine erfreuliche Überraschung. Mit zahllosen Tätowierungen, als mächtiges Muskelpaket und mit permanent schlechter Laune gibt er Epkeen etwas Ruheloses und Gejagtes.

Salle gelingt es, mit den Figuren von Ali Sokhela und Brian Epkeen die Gegensätze von Vergebung und Vergeltung sichtbar zu machen, ohne die Figuren in ihrer jeweiligen Polizisten-Professionalität zu verraten. Beide Polizisten vertreten gegensätzliche Meinungen, aber sie sind aufeinander angewiesen, um in ihrem Fall voranzukommen. Und dabei geht es nicht um eine einfache Charakterisierung, die darin besteht, dass der eine um sich schlägt, während der andere zunächst nachdenkt. Sondern beide nähern sich im Laufe der Handlung immer weiter an. Auch bildlich werden die Kontraste des Landes deutlich. Auf der einen Seite ermitteln die Cops in den staubigen, trostlosen Townships, die von Gangs und Gewalt beherrscht werden. Hier haben der Staat und seine Vertreter keinen Einfluss. Auf der anderen Seite sind es gerade die traumhaften Strände und Nobelvillen, hinter deren Kulisse sich die schmutzigsten Geheimnisse verbergen. Die Lebenswirklichkeit des heutigen Südafrikas kommt trotz der Action-Elemente nicht zu kurz.

Fazit

Nachdem der Film zunächst gemächlich beginnt und die Charaktere genügend Zeit haben, sich vorzustellen, bricht die Gewalt brutal und blutig hervor. Hart und schonungslos sorgt der Film durch permanenten Druck und das Tempo für einen Spannungspegel, der bis zum furiosen Finale konsequent hoch ist. Spätestens hier wird deutlich, dass die Zeit nicht alles vergessen lässt und auch Vergebung nicht grenzenlos ist. Am Ende bleibt ein pessimistischer, aber mitreißender Kapstadt-Thriller, der der Wirklichkeit grausam, aber respektvoll begegnet. Für Krimi-Fans also durchaus ein MUSS.

Hat Germanistik und Journalistik studiert und unterstützt Madiba.de vor allem mit Worten. Ihre Aufgabe ist es, den Blog mit allerlei Wissenswertem und spannenden Neuigkeiten aus Südafrika zu füttern. Das Land am südlichen Zipfel des afrikanischen Kontinents kennt Sie bis jetzt jedoch nur aus zweiter Hand. Aber die Natur und Kultur haben es ihr schon lange angetan und damit ist eine Reise in die Heimat der legendären „Big Five“ sicher auch nur noch eine Frage der Zeit.

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