Botswana

Das Drama um die Nashörner Afrikas – Horn teurer als Gold

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In Afrika gibt es zwei Nashornarten: Das Breitmaulnashorn und das Spitzmaulnashorn. Aber wie lange wird man diese gewaltigen Tiere in den Nationalparks noch bestaunen können?

Update 03.12.2016: Am 14. November 2016 stirbt „Hope“
Update 17.11.2016: go-for-rhino e.V.
Update 13.09.2016: Wie geht es Hope?

Einleitung

Am 26. Februar 2016 wurde in Brüssel der European action plan against wildlife trafficking durch die Europäische Kommission vorgestellt. Hierdurch soll dem Töten und illegalem Handel mit Wildtieren ein Ende bereitet werden. Die wichtigsten Punkte sind:

  • Ursachenbekämpfung und Verhinderung des Schmuggels
  • Anerkennung von illegalem Wildtierhandel als schweres Verbrechen
  • Durchführung der Gesetzte gegen illegalen Handel
  • bessere Zusammenarbeit innerhalb der EU
  • bessere Zusammenarbeit zwischen den Herkunfts-, Transit- und Abnehmerländern.

In Vietnam boomt der Handel mit Rhino-Horn

Drei Länder machen Geschäfte mit der Gier nach Horn: Südafrika, Mosambik und besonders Vietnam.

In Vietnam ist der Handel zwar illegal, aber Nashorn (nur das Horn des Tiers) wird dort als Allheilmittel benutzt. Deshalb boomt die Nachfrage nach dem wertvollen Material.
Unter den Wilderern und Schmugglern sind auch hochrangige vietnamesische Diplomaten. Nashornpulver gilt als Wundermittel, da man dem zermahlenden Horn fiebersenkende, entgiftende und krampflösende Wirkung nachsagt. Nashornpulver soll sogar bei Masern, Schlaganfall und Epilepsie helfen, ja es wird sogar in der Krebstherapie eingesetzt. Wissenschaftlich gesehen ist nichts davon beweisbar, da das Horn aus Keratin besteht, was medizinisch unwirksam ist.

Gehandelt wird überall: im Internet, auf öffentlichen Märkte, in spezialisierten Geschäften oder unter der Hand, beispielsweise in Krankenhäusern.

In den letzten Jahren ist Nashorn-Horn Statussymbol der Reichen und Schönen geworden. Es wird nach fettem Essen und Trinkgelagen gereicht. Exotische Tierprodukte wie Elfenbein, Bärengalle oder Tigerknochenpaste gelten als Prestigeobjekte und symbolisieren den sozialen Aufstieg.

Die Regierung ist machtlos, wurde doch in Vietnam seit 2008 kein Verstoß gegen Nashorneinfuhr und dessen Nutzung mehr verfolgt.

In nur 48 Stunden vom lebenden Tier zur Handelsware

Nashorn ist aktuell wertvoller als Gold. In nur 48 Stunden gelangt das abgehakte Horn eines getöteten Nashorns auf einen Markt in Hanoi. 2010 wurde das letzte in Vietnam lebende Java-Nashorn tot mit abgetrenntem Horn gefunden – Opfer des Nashornwahns.

Infografik: Nashorn in 48 Stunden aus dem Leben auf den Markt

48 Stunden und ein Horn kann verkauft werden | (c) wwf.de/wildtiermafiastoppen

Ein Horn wiegt ein bis zehn Kilo; Rhino-Horn erzielt mit bis zu 55.000 € pro Kilo Horn Rekordpreise auf dem asiatischen Schwarzmarkt. Im Mai 2015 wurden in Vietnam 38 kg Nashorn-Horn sichergestellt mit einem Schwarzmarktwert von drei Millionen Euro; zwei Kuriere wurden festgenommen.

Durch eine riesige Nachfrage in Fernost entstehen die hohen Preise. Auch der Internethandel boomt. 2014 wurden allein in Deutschland 13 Internetportale ausfindig gemacht mit Anzeigen, in denen 4837 Tiere bzw. Tierprodukte im Wert von ca. 497.000 Euro angeboten wurden. Nach einer Untersuchung von IFAW (International Fund for Animal Welfare) waren es 2014 weltweit 280 Internetplatformen in 16 Ländern mit ca. 33.006 bedrohten Tieren, oder deren Produkten (2008 waren es nur 11 Plattformen mit 7000 Angeboten.)

Nashorn Wilderei in Südafrika/Namibia/Kenia

Dieser Abschnitt soll Auskunft darüber geben, wie sich die Wilderei auf Länderebene verändert hat.

Grundsätzlich ist der Nashornschutz enorm teuer und jeder Tourist erwirtschasftet Geld zur Finanzierung der Maßnahmen.

 

 

Grafik als Bild – Quellen: WWF & Go for Rhino e.V. Poachingfacts.com & Oscap.co.za

CITES und der verantwortungsvolle Umgang mit unserer Natur

Vom 24. September bis zum 5. Oktober 2016 findet die 17. CITES-Vertragsstaatenkonferenz im südafrikanischen Johannesburg statt. Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, deutsch Washingtoner Artenschutzübereinkommen, wurde 1973 ins Leben gerufen, um durch Handel bedrohte Tier- und Pflanzenarten vor der Ausrottung zu bewahren. Ohne dieses Abkommen stünde es heute noch schlechter um Elefanten, Nashörner, Wale & Co. 182 Staaten haben bislang die Konvention unterzeichnet, 30.000 Pflanzen- und 5.600 Tierarten sollen dadurch geschützt werden.

Dieses Jahr soll über 60 Anträge entschieden werden, laut Pro Wildlife ein absoluter Rekord. Veröffentlicht am 2. Mai 2016 und aktualisiert am 12.5.2016, kann jeder die Anträge im Internet einsehen.

Vieles soll besser werden

Pro Wildlife, 1999 von Biologen, Tierärzten und Naturschützern gegründet, setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur ein, um die Lebenssituationen der Wildtiere zu verbessern und die Bevölkerung hierfür zu sensibilisieren.

Für die Organisation Pro Wildlife sind die wichtigsten Anträge an CITES:

  • Haie und Rochen (beschränkter Handel) –  Widerstände großer Fischereinationen wie China oder Japan erwartet
  • Löwen (acht afrikanische Länder beantragen den höchsten Schutzstatus, um das boomenden Geschäft mit Fellen, Knochen und Trophäen aufzuhalten, da die Bestände in 21 Jahren bereits um 43% zurückgegangen sind) –  starker Widerstand der Jadgverbände durch Verschärfung der Ausfuhr von Jadgtrophäen erwartet.
  • 65 Arten bedrohter exotischer Heimtiere (begrenzter Handel bzw. Handels- und Ausfuhrverbot bestimmter Arten).
  • Schuppentiere (absolutes Handelsverbot, da die Schuppen in der asiatischen Medizin benutzt werden; was 1000 € pro Tier einbringt) – 2000 ist dieses Verbot vor allem am Widerstand Chinas gescheitert.
  • Tropenhölzer (durch Einschränkung des Handels große Auswirkungen auf den internationalen Holzhandel)

Daneben wird über diverse Arbeitsdokumente abgestimmt, so z.B. über eine strengere Regulierung der Trophäenjagd, die Bekämpfung von Korruption, einen stärkeren Schutz bedrohter und national geschützter Arten und eine bessere Regulierung des Handels mit lebenden Tieren.

Fünf Dokumente fordern einen besseren Schutz für Elefanten, internationales Handelsverbot für Elfenbein, Schließen der nationalen Elfenbeinmärkte, Kontrolle nationaler Lagerbestände, keine weitere Diskussion über zukünftigen Elfenbeinhandel und strengere Auflagen für die Ausfuhr lebender Elefanten.

Gegner des Abkommens: Simbabwe und Namibia

Aber es werden auch Forderungen nach mehr Freiheiten für die Jäger und Händler laut. So wollen Simbabwe und Namibia die geltenden Beschränkungen des Handels mit Elfenbein und Elefanten aufheben.

Swasiland fordert den Handel mit Nashorn-Horn zu erlauben, unfassbar angesichts der brutalen Wilderei, die diese Tiere ausgesetzt sind. Südafrika unterstützt den Antrag Swasilands, obwohl nur 73 Breitmaulnashörner derzeit im Königreich Swasiland leben.

Der Handel mit illegalen Wildtieren gehört mit einem Gewinn von 15 Milliarden Euro zu den lukrativsten kriminellen Geschäften etwa vergleichbar dem Drogenhandel, der Produktpiraterie oder dem Menschenhandel. Die Länder der EU sind Markt, Transit und Quelle.

Traurig aber nicht zu vermeiden: Viele Lodges löschen auf ihren Webseiten Bilder und Informationen zu dort lebenden Nashörnern. In einigen Reservaten werden keine Nashorn-Safaris mehr unternommen, da Wilderer sich teilweise als Touristen tarnen, um die Lebensräume der verbliebenen Nashörner herauszufinden. Bei Nashornsichtung werden die Gäste gebeten, das Geo-Tagging der Kameras auszuschalten, da dies vor allem über Facebook ausgelesen werden kann.

Täglicher Kampf ums Überleben

nashörner-isimangaliso-wetlands-park

Zwei Nashörner im iSimangaliso Wetlands Park

Die meisten Nashörner leben im Kruger Nationalpark. Mehr als zwei Drittel der über 1000 getöteten Nashörner stammen von hier. Laut Edna Molewa, südafrikanische Umweltministerin, ist die Zahl der getöteten Nashörner im Jahr 2014 um 21 Prozent auf 1215 gestiegen; 2013 waren es 1004 Nashörner. 8000 kg Horn wurden damit von Wilderern 2014 erbeutet. Im Dezember 2014 starb eines der letzten nördlichen Breitmaulnashörner in einem amerikanischen Zoo – weltweit gibt es nun nur noch 5 Exemplare; das letzte zeugungsfähige Männchen ist vor einiger Zeit tot in einem Nationalpark gefunden worden.

Laut Schätzung der Parkdirektion des Kruger Nationalparks gehen pro Tag etwa 15 Wilderergruppen auf die Jagd. Mittlerweile suchen Drohnen dort die Gegend ab.

„Die Nashorn-Wilderei breitet sich wie ein Flächenbrand immer weiter im südlichen Afrika aus. Wenn die Wilderei nicht eingedämmt werde, „könnten Nashörner in wenigen Jahren nur noch in Zoos zu erleben sein“, so die düstere Prognose von Arnulf Köhncke, Artenschutz-Experte beim WWF Deutschland.

Auch die Kälber sind Opfer der Wilderei, da sie nach dem Tod der Mutter nicht alleine überleben können.

„Der Mensch verursacht gerade das größte globale Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier“,

so WWF-Vorstand Eberhard Brandes. Zwischen 1970 und 2010 schrumpften mehr als 10.000 untersuchte Wirbeltier-Populationen auf die Hälfte.

Rhinos without borders und WWF erzielen erste Erfolge

Das Breitmaulnashorn galt schon 1895 als fast ausgestorben; durch Zucht, Aus- und Umsiedlung wurde die Anzahl erhöht. Von den südlichen Beitmaulnashörnern gibt es immerhin noch ca. 20.000 Tiere.

statistik über die Nashorn Population

Laut Quelle existieren 175 bis 220 Sumatra-Nashörner und 40 bis 50 Java-Nashörner

Um besonders die Breitmaulnashörner vor der Verfolgung zu schützen, bringt Rhinos without Borders die Riesen von Südafrika nach Botswana. Durch die Umsiedlung von etwa 100 Nashörnern möchte man deren Lebensraum breiter auf Afrika verteilen, um das Risiko der Verfolgung und Tötung für sie zu verringern. Außerdem hofft man, so deren Population vergrößern zu können.

„Mit dieser Methode wollen wir Nashorn-Hochburgen schaffen, Gegenden, in denen Nashörner kostengünstig gezüchtet werden können“,

so Molewa.

Nashorn Umsiedlung Rhinos Without Borders

Nashorn Umsiedlung Südafrika nach Botswana von Rhinos Without Borders (© Beverly Joubert/Great Plains Conservation)

TRAFFIC, Wildlife Trade Monitoring Network des WWF in Zusammenarbeit mit IUCN, veröffentlichte eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Wilderei, Korruption und Schlupflöchern in den Gesetzen aufzeigt. Im Fokus: Südafrika, Mosambik, Vietnam.

70. 000 Menschen bestreiten in Südafrika ihren Lebensunterhalt von der Jagdindustrie. Die Erlöse fließen zum Teil angeblich in den Nashornschutz, das waren zwischen 2008 bis 2011 etwa 35,5 Mio. US-Dollar. Gesetzlich überwachte Trophäenjagd als eine der Säulen des Naturschutzes ist in Europa moralisch stark umstritten und mittlerweile widerlegt, da reiche Europäer oder Nordamerikaner viel Geld zahlen, um in Südafrika auf Nashornjagd zu gehen.

Fast die Hälfte der Jagdlizenzen ging an Vietnamesen. Da der Bedarf nicht gedeckt werden konnte, blüht die Wilderei. Zwischen 1990 und 2007 fielen jährlich etwa 14 Nashörner Wilderern zum Opfer. 2008 waren es bereits 83 und 2014 schon 1215 Tiere. 2015 gilt als blutiges Rekordjahr der Jagd auf Nashörner mit 1.175 getöteten Riesen vor allem durch die ansteigende Wilderei in Namibia und Simbabwe. In diesem Jahr wurden schon 365 tote Rhinos gefunden (Stand 09.05.2016). 2014 wurden 386 Wilderer gefasst, Händler, Exporteure, Kuriere, und einer zu 77 Jahren Haft verurteilt.

Hoffnung für Nashorn Hope

Die Forderung nach Aufhebung der Jagd- und Handelsbeschränkungen sind erschreckend, betrachtet man die Bilder von grausam abgeschlachteten Nashörner, die verstümmelt, blutend und sterbend ihrem Schicksal überlassen werden. Nur ganz wenige Rhinos haben Glück und werden gefunden bevor sie qualvoll verenden.

Zu diesen gehört Hope, eine fünf Jahre alte Nashorn-Dame, die gerade noch rechtzeitig gefunden wurde. Wilderer hatten im vergangenen Jahr Teile ihres Gesichts weggehackt, um das kostbare Horn zu bekommen. Nun lebt sie im Eastern Cape, einer Provinz Südafrikas „Es war ein schwieriges Jahr“, so Dr. Johan Marais, Arzt für Pferde und Wildtiere in Onderstepoort, Faculty of Veterinary Science of Pretoria. Hope musste sich 16 Operationen unterziehen; dabei war die Dosierung der Narkose und Schmerzmittel schwierig, da man in Bezug auf Nashörner noch keine Erfahrung hat. Als Anhaltspunkte dienten Pferde.

Über die Gesichtsanatomie von Nashörnern weiß man noch immer wenig. Anatomische Untersuchungen von Nashörnern sind daher dringend notwendig, da einige der Tiere überleben – schwerverletzt durch Schussverletzungen oder tiefe Wunden durch Äxte oder Macheten. Die Gesichtsrekonstruktion von Hope war von vielen Rückschlägen geprägt. Hope litt in der ersten Zeit unter Madenbefall, die klaffenden Wunden wurden verdrahtet, die Knochen verschraubt. Oft versuchte sie, sich die Verbände am Zaun ihres Geheges abzureißen. Nun sind fast 60 % der Wunden geschlossen, aber es wird wohl noch etwa 1 ½ Jahre dauern bis sich Hope vollständig erholt hat.

Was wurde aus der Nashorndame Hope?

In der Nacht zum 11. September 2016 ging auf Hawaii der Weltnaturschutzkongress zu Ende. Eines der Ziele war es, den Handel – auch den Binnenhandel – mit Elfenbein komplett zu verbieten – gegen den Widerstand von Namibia, Südafrika, Japan und Kanada.
Mehr als 10.000 Teilnehmer behandelten in 10 Tagen diverse Themen, die veränderten Anforderungen an den Arten- und Naturschutz in Zeiten des Klimawandels betreffend. 100 Empfehlungen und Beschlussfassungen wurden verabschiedet.
Nach zähen Verhandlungen konnten die 1.300 stimmberechtigten Mitgliedern der IUCN (International Union for Conservation of Nature) eine Resolution für ein Verbot des nationalen Elfenbeinhandels verabschieden. „Ein guter Tag für Elefanten“, twitterete eine Teilnehmerin unmittelbar danach.

Was für Elefanten gilt, muss auch für Nashörner machbar sein

Diese „Hawaii Vereinbarungen“ gelten als wegbereitend für zukünftigen Verhandlungen über die Zukunft unseres Planeten. Vom 24. September bis 5. Oktober 2016 tagen in Johannesburg, Südafrika, die Mitglieder der CITES (Washingtoner Artenschutzübereinkommen), im Dezember 2016 findet die  UN-Weltnaturschutzkonferenz in Mexiko statt. Es stellt sich die Frage, wie sich der Arten- und Umweltschutz bis zum nächsten Weltnaturschutzkongress in vier Jahren entwickelt haben wird. Es bleibt spannend!

„Das ist ein erfolgreicher Lackmustest für alle Reden über Nachhaltigkeit“,

so Barbara Maas, NABU-Artenschutzexpertin. Obwohl es primär um Elefanten und deren Elfenbein ging, ist zu hoffen, dass von hier ein deutliches Signal zur Ächtung und zum Verbot der Ausfuhr und des Handels mit Nashorn-Horn und einer Verurteilung des sinnlosen Abschlachtens der vom Aussterben bedrohter Riesen ausgehen wird.

Tapfere Hope auf dem Weg der Besserung

Nur wenige Tiere überleben die Angriffe von Wilderern. So die heute fünf Jahre alte Nashorndame Hope, die im Mai 2015 von Wildschützern um Safari-Unternehmer Johann Lottering im Wildschutzgebiet Lombardini Game Reserve, Eastern-Cape-Provinz, gefunden wurde. Ein schrecklich verstümmeltes Nashorn-Weibchen, ihr totes Kalb vor sich liegend. Das Breitmaulnashorn wurde mit Beruhigungsmitteln außer Gefecht gesetzt bevor Wilderer versuchten, beide Hörner abzuhacken. Das vordere Horn hatten die Wilderer bereits vollständig entfernt, als Hope eventuell aufwachte oder sie gestört wurden. Die Wilderer flohen und ließen Hope zum Sterben einfach zurück. Tage später fanden die Wildschützer das verblutende Tier und versuchten alles, um es zu retten. Da das Weibchen die Operationen überlebte und sich erste Anzeichen einer Besserung andeuteten, bekam es den Namen Hope – Hoffnung. Ein Teil des Nasenbeins musste entfernt und der Nasengang freigelegt werden.

„Wenn wir Hope retten können und sie zurückgehen und weitere Junge produzieren kann, dann hätte sie zu Lebzeiten zum Überleben der Spezies beigetragen“,

so Tierarzt Gerhard Steenkamp, Universität Pretoria, Mitglied von Saving the Survivors, eine Hilfsorganisation, die sich um von Wilderern verletzte
Nashörner kümmert. Er erprobt mit seinem Team an Hope viele Methoden, die in der plastischen Humanchirurgie erfolgreich angewandt werden.

Hopes Behandlung – ein Durchbruch der Veterinärmedizin

Hopes Wunde war so groß wie eine Tischplatte, ein blutiges Loch von der Schnauze bis zu den  Augen, offene Nasennebenhöhlen.
Die 2 t schwere Nashorndame hat in den vergangenen Monaten die Tiermedizin revolutioniert. Rund 15 Operationen musste die tapfere Hope über sich ergehen lassen. Die Ärzte versuchten, die klaffende Wunde mit Elefantenhaut oder mit Stahldraht zu schließen. Da der Verband stark juckte, schaffte Hope es immer wieder, diesen loszuwerden. Über Blutwerte und die Anatomie von Nashörnern war wenig bekannt; ebenso, in welcher Dosis Antibiotika oder Schmerzmittel zu verabreichen waren. Jetzt versuchen die Veterinäre eine Technik, die beim Menschen zum Verschließen nach Bauch-Operationen (sog. ABRA-Methode) angewandt wird. Elastikbänder sollen die Wundränder zusammenziehen. Hopes Gesicht erinnert zur Zeit an einen mit Schnürsenkeln verschlossenen Stiefel.
Den Ärzten gibt der Erfolg recht: die Wunde hat sich bereits um 60 % geschlossen.

„Die Methode funktioniert. Es geht ihr gut, und wir sind zuversichtlich, dass wir Hope wieder in die Wildnis entlassen können, wenn alles verheilt ist“,

so Dr. Johan Marais, ebenfalls Mitglied der Organisation Save the Survivors und ein Kollege von Dr. Steenkamp.

Genetische Vielfalt erhalten

„Das Ziel ist nicht nur, Wilderei zu verhindern. Wir müssen auch neue Wege finden, um die verletzten Tiere zu retten.“

Es geht um jedes einzelne Tier!
40.000 Euro hat Hopes Behandlung schon gekostet. Wenn sie überlebt, überlebt auch die genetische Vielfalt.
Laut IUCN töteten Wilderer 2015 insgesamt 1338 Nashörner in Südafrika, die meisten im Kruger-Nationalpark. Seit  2008 wurden 5940 afrikanische Nashörner Opfer der Jagd nach dem profitbringenden Horn. In Namibia sind 2015 / 2016 insgesamt 162 Nashörner gewildert worden, das entspricht 10% der Spitzmaulnashorn-Population in Namibia. Der letzte Vorfall war erst Ende Juli (Mail eines Mitarbeiters einer Safari-Lodge in Namibia vom 3.8.16 an die Redaktion).
Die National Geographic Society spricht von einen weltweiten Bestand von nur noch 4000 bis 5000 Spitzmaul- und weniger als 20.000 Breitmaulnashörner. 80 % des weltweiten Bestandes leben in Südafrika. Alle acht Stunden wird ein Nashorn durch Wilderer getötet. Nashorn-Horn ist wertvoller als Gold. Der Handel boomt, da es vor allem in Asien als Wunder-Heilmittel gilt, das sogar Krebs besiegen kann – aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist das allerdings nicht bewiesen.

Es gibt Hoffnung

Hope wurde zur Symbolfigur im Kampf gegen die Ausrottung der Nashörner und für ein umfassendes Verbot der Ausfuhr und des Handels mit Nashorn-Horn. Durch Ihr Überleben sichert sie die Überlebenschancen ihrer Artgenossen, die früher nach schweren Überfällen durch Wilderer verendet wären. Saving the Survivors konnte bis heute zehn Nashörner behandeln – neun haben überlebt! Ein kleines Horn wächst Hope bereits wieder nach.

UPDATE: 03.12.2016

Am 14. November 2016 stirbt Hope

Hope hat ihren Kampf verloren. Dies gab Saving the Survivors am Abend des 14. November 2016 bekannt. Komplikationen gab es, Infektionen, so schwer, dass Hopes Körper nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Afrikas Super-Rhino Hope wurde zur Symbolfigur für den unerläßlichen Kampf gegen Wilderer, nachdem diese ihr das halbe Gesicht weggehackt hatten auf der Jagd nach dem kostbaren Nashorn-Horn. Zum Sterben verurteilt, fanden Tierschützer die Nashornkuh und taten alles, um ihr Leben zu retten. Viele Operationen musste Hope über sich ergehen lassen. Sie war auf einem guten Weg. Laut ersten Untersuchungsergebnissen starb Hope an einer bakteriellen Infektion des Dünndarms, die sie sich vor einigen Wochen zugezogen hatte.

„We can only be thankful that her suffering is over, and that her inspirational story will continue to bring hope to a species in peril. Thank you Hope!“, so ein Sprecher.

(Wir können nur dankbar sein, dass ihr Leiden vorüber ist und, dass ihre inspirierende Geschichte weiterhin Hoffnung für eine bedrohte Tierart bringen wird. Danke Hope!)

Am 22.9.2016 war Welt-Nashorntag. Wieder einmal wurde darüber diskutiert, dass man dringend greifende Maßnahmen gegen die Wilderei im südlichen Afrika brauche. Das hilft Hope nun nicht mehr. Das Video zu ihrem unglaublichen Überlebenskampf auf der Webseite von Saving the survivors ist momentan nicht verfügbar. Hopes Geschichte endete leider traurig. Sie hat es nicht geschafft. Aber Hope wird immer für die Hoffnung stehen, niemals im Kampf gegen Wildererei aufzugeben, denn es gibt immer Hoffnung.

Danke Hope!

Save the Survivors

Dr. Gerhard Steenkamp, ein Tierzahnarzt, der ebenfalls in Onderstepoort, an der Faculty of Veterinary Science of Pretoria arbeitet, ist wie Marais am Projekt Save the Survivors beteiligt. Dieses kümmert sich seit 2012 besonders um durch Wilderer verletzte Nashörner. Hope erhält so lange medizinische Versorgung wie Hoffnung auf Genesung und Wiederherstellung ihres Gesichts besteht – und eventuell auf Nachwuchs.

Tatsächlich scheint ihr kleines Horn nachzuwachsen, leider in einem schiefen Winkel. Es müsste entfernt werden, falls die Gefahr einer Verletzung oder Infektion bestünde. Ein Nashorn muss ständig bewegt und überwacht werden. Bleibt es bei einer Untersuchung oder Operation zu lange liegen, drückt sein Gewicht auf die Blutgefäße.

Marais gibt zu, dass Hope ihn in seiner über 20-jährigen Berufspraxis die meisten schlaflosen Nächte gekostet hat.

„Aber ihre Fortschritte zu sehen, das ist ein gutes Gefühl.“

go-for-rhino e.V.“ – auch eine kleine Organisation kann Großes bewirken

Breitmaulnashörner unterteilt man in das südliche und nördliche Breitmaulnashorn. Bereits Ende des vorletzten Jahrhunderts galten sie als fast ausgestorben. Durch Zucht und Umsiedlungsversuche konnte die Population der südlichen Breitmaulnashörner auf fast 20.000 Exemplare gesteigert werden. Von den nördlichen Breitmaulnashörnern existieren nur noch fünf Tiere. Wilderer erbeuteten 2014 8000 kg Horn. „Für 2015 / 2016 sind insgesamt 162 Nashörner in Namibia gewildert worden, das sind fast 10% von der Spitzmaulnashorn Bevölkerung in Namibia. Drei Personen wurden verhaftet in dem Vorfall“, sagt Fritz Schenk ein Reiseunternehmer aus Namibia.

Verschiedene Hilfsorganisationen versuchen nun, durch Umsiedlung der Riesen, beispielsweise von Südafrika nach Botswana, oder durch Aufteilung großer Populationen auf verschiedene Gebiete Südafrikas, die Nashörner zu retten.

Eine von ihnen ist go-for-rhino e.V.

go-for-rhino ist eine kleinere Hilfsorganisation mit derzeit etwas mehr als 80 Mitgliedern. Gründungsmitglied und erste Vorsitzende Kerstin Geske berichtet, dass sie 2010 auf die Idee kam, eine eigene Hilfsorganisation zu gründen, als sie sich nach einem Besuch des Kruger-Nationalparks vergebens an eine große Hilfsorganisation wand. Als die sie nicht in ihrem Kampf gegen die Nashorn – Wilderei unterstützen wollte, gründete sie mit einer kleinen Gruppe Menschen, die wie sie etwas gegen die Wilderei im südlichen Afrika tun wollten, go-for-rhino.

Das war 2011.

„Sie wissen selbst, wie schwierig es ist, für Tiere in weit entfernten Ländern Unterstützung zu erhalten. Wenn wir nicht mithelfen, werden wohl unsere Enkel Nashörner nur noch im Zoo erleben.“,

so Geske in einer E-Mail vom 27.06.2016 an die Redaktion. go-for-rhinio e.V.  unterstützt zurzeit verschiedene Projekte.

Antiwilderer-Einheit

go-for-rhino hat Nashorn Oscar adoptiert. Oscar lebt im Somkhanda Wildreservat, ein ehemaliges Farmland der Gumbis, die dort ein Tierschutzgebiet eingerichtet haben statt Zuckerrohr anzubauen. Es ist das erste Reservat, das einer afrikanischen Gemeinschaft gehört, die mit der Wildlands Conservation Trust, einer gemeinnützigen Organisation in Südafrika, zusammenarbeitet. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, ihr Land zur Erhaltung der Artenvielfalt zur Verfügung zu stellen. Unterstützung finden sie durch das WWF Black Rhino Range Expansion Project. So lebt im Somkhanda Wildreservat eine gesunde Population an Breit- und Spitzmaulnashörnern.

Die Antiwilderer-Einheit hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schüler vor Ort im Reservat durch direkten Kontakt mit den Tieren über die Notwendigkeit des Arten- und Naturschutzes aufzuklären. „Das Schöne, es waren auch Frauen dabei“, so Kerstin Geske über die organisierten Wildschützer. „Neben dem Tiererhalt können hier auch Arbeitsplätze geschaffen werden und damit Familien ernährt werden. Ich denke, nur so kann der Tierschutz Erfolg haben“, so Geske

Hierzu: www.go-for-rhino.de/projekte/ mit Bildern und Adoptions-Zertifikat von Oscar

 Honorary Rancher – ehrenamtlich gegen Rhinokiller

Die Organisation unterstützt auch die Honorary Rancher im Kruger Nationalpark. Durch die finanzielle Unterstützung von go-for-rhino e.V. werden Antiwilderer-Hunde für die Wildhüter ausgebildet. Pro Tag gehen dort etwa 15 Wilderergruppen auf die Jagd nach dem begehrten Rhino-Horn, denn das Gebiet ist riesig und schwer zu kontrollieren und Nashorn-Horn ist wertvoller als Gold. Mittlerweile suchen Drohnen dort die Gegend ab. Leider mangelt es häufig an den nötigen Geldern.

go-for-rhino e.V. unterstützt die GRU, die Game Reserves United, einen Zusammenschluss mehrerer Reservate im Westen des Kruger-Nationalparks zum Schutz der Nashörner.

Palmwag-Konzession Namibia – Kamele retten Nashörner

Außerdem unterstützt go-for-rhino e.V. die Palmwag-Konzession, ein 450.000 ha großes Gebiet in der Kunene-Region im Nordwesten Namibias. Das Gebiet ist nur mit einem erfahrenen Guide zu bereisen, eine trockene, wilde und unberührte Natur mit einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren, wie z. B. Bergzebras, Erdmännchen, Leoparden oder Oryxantilopen. Die größte Attraktion sind aber die Spitzmaulnashörner. Hier lebt die weltweit größte Population von ihnen. Save the Rhino Trust, 1982 gegründet, schützt die Tiere in diesem Gebiet, sodass deren Zahl wieder deutlich angestiegen ist. Dort, wo die Jeeps nicht hinkommen, nimmt man Kamele. Diese leben in einer Kamel-Station, wo es einen Kamelführer und einen weiblichen Administrator bzw. Feldköchin gibt, die dort mit ihren Familien leben. Es gibt Häuser für die Angestellten, einen Lebensmittel- und Sattelladen, ein kleines Büro mit Funkverbindung und einer Wasserinstallation. Die Angestellten und ihre Familien betreiben einen Andenkenladen. Durch Tusk unterstützt go-for-rhino e.V.  das Camel Monitoring Team, bestehend aus 10 Kamelen und deren Guides auf ihrem Weg zur Überwachung und Rettung der Nashörner.

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Alexa

Alexa ist als Ägyptologin von Afrika fasziniert. Der Kontinent der geographischen Superlative, der multikulturellen Gesellschaften und wechselvollen Geschichte hat es ihr besonders angetan. Im Mittelpunkt ihrer Recherchen über das südliche Afrika zwischen Kolonialismus und Unabhängigkeit steht das tägliche Bemühen der Menschen um soziale Gerechtigkeit, respektvoller Umgang mit der Natur, Frieden und Eigenständigkeit.

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