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Um den markanten Felsen mit dem großen Loch in der Mitte rankt sich eine Legende von einer romantischen Liebe zwischen einem Xhosa-Mädchen und einem Meeresmann.

Hole in the wall wild coast Fernblick
Aus der Ferne schaut das Loch noch nicht beeindruckend aus

An der Wild Coast am Östlichen Kap Südafrikas, ungefähr acht Kilometer von Coffee Bay entfernt, liegt das berühmte „Hole in the Wall“. Der Name beschreibt einen beeindruckenden Felsblock, der aus dem Meer herausragt und dessen steile Wände in der Mitte einen großen Durchbruch haben. Dieses Loch wurde in Jahrtausenden von den Wellen geschaffen und bei stürmischen Wetter schlagen sie so laut hindurch, dass der Nachhall im ganzen Tal zu hören ist. Darum heißt der Ort bei den ortsansässigen Xhosa auch „esiKhaleni“, was „Ort des Klanges“ bzw. „Ort des Donners“ bedeutet.

1823 wurde der legendenumwobene Felsen während der Vermessung der südafrikanischen Küste vom britischen Schiff Barracouta entdeckt. Der Xhosa-Legende nach, wurde der Felsen jedoch vom Gott der Meeresmenschen geschaffen, welcher sich in ein hübsches Mädchen vom Xhosa-Volk verliebt hatte.

Der Legende nach war sie groß, schlank und mit einer Haut, die wie Wasser auf dunkelbraunen Steinen glänzte. Sie saß, eingewickelt in einen rostig braunen Umhang auf den Klippen und schaute in die Lagune. Diese war durch einen großen gekrümmten Felsen vom Meer getrennt und dem Wasser des Flusses gefüllt.

Die Bewohner ihres Dorfes fühlen sich sicher hinter diesem mauerartigen Felsen. Sie waren ein Landvolk, welches vom Fischfang im Fluss und dem Bestellen der Feld und Graslandschaften lebten. Vor dem Meer nahmen sie sich in acht, da sie es für grausam und gefährlich hielten. Die tosenden Wellen und die zischende Gischt machte ihnen Angst und sie wussten, dass das schäumende Wasser über die Felsen schwappen und sie mitreißen konnte. Auch von den Bewohnern des Meeres hielten sie sich fern. Die Wesen mit den fischartigen Gliedmaßen waren ihnen unheimlich und ihren Kindern schärften sie ein: „Hütet euch vor dem Seevolk. Sie sind im Salzwasser geboren und genauso grausam wie das Meer. Sie beneiden uns, weil wir die Regeln der Erde beherrschen und sonniges Weideland besitzen. Wenn sie euch auf den Klippen sehen, werden sie euch schnappen und mitnehmen.“

Aber das hübsche Xhosa-Mädchen liebte das Meer und den Klang der Wellen gegen den Felsen. Jede Welle mit ihrer einzigartigen Bewegung faszinierte sie. Eines Tages saß sie auf der Klippe dem Felsen gegenüber, als plötzlich einer der Meeresbewohner aus Fluten auftauchte. Er hatte seidenes Haar, das ihm wie Wellen von den Schultern fiel. Die Augen waren blau wie das Meer und die Knochen schimmerten durch die weiße Haut hindurch. Der Mann sprach mit ihr und sagte, wie sehr er ihre dunkle Haut bewundere. Er hat sie schon oft auf den Klippen sitzen sehen und beobachtet. Jetzt sei er gekommen, um bei ihrem Vater um ihre Hand anzuhalten. Als sie jedoch ihrem Vater davon berichtete, wurde dieser sehr wütend und verbot ihr den Meeresmenschen wiederzusehen. „Wir handeln nicht mit dem Seevolk und verschachern unsere Töchter“, rief er. „Wie willst du im Meer Söhne gebären, die im Alter für mich jagen gehen? Diese Heirat ist undenkbar.“

Doch das Mädchen widersetzte sich den Wünschen des Vaters und schlich sich nachts aus dem Haus, um ihren Geliebten zu treffen. „Mein Vater erlaubt die Heirat nicht“, erzählte sie ihm. Das betrübte den Meeresmann zu tiefst und er begann einen Plan zu schmieden, wie er mit seiner Angebeteten dennoch zusammen sein könnte. Er sagte ihr, dass sie bei der nächsten Flut wiederkommen, sich aber in sicherer Entfernung zum Felsen aufhalten solle.

Als die Sonne langsam im Meer versank, stand sie erneut auf den Klippen und wartete. Plötzlich konnte sie auf dem Felsen einige Personen des Meeresvolks erkennen, die eine gewaltige, grüne Seeschlange mit einem riesigen Kopf trugen. Als sie in der Lagune angekommen waren, ließen sie die Schlange ins Wasser gleiten und begannen mit ihrem Kopf auf den Felsen einzuschlagen. Die Gischt spritzte auf und einzelne Steinbrocken lösten sich vom Felsen. Das Seevolk versuchte mit Hilfe des Schlangenwesens ein Loch in den Felsen zu schlagen, um die Lagune mit dem Meer zu verbinden.

Aufgeregt lief das Xhosa-Mädchen hinunter in die Lagune. Hinter ihr schrien die Dorfbewohner, die dem flüchtenden Mädchen gefolgt waren, sie solle zurückkommen.

Nun beobachteten alle ehrfürchtig, wie das Loch immer größer wurde und plötzlich ein gewaltig tosender Wasserstrahl durch das Loch brach und Hunderte der Meeresbewohner auf seinem Rücken trug. An vorderster Front stand der Mann, der sich in das hübsche Landmädchen verliebt hatte. Er rollte mit der Welle direkt auf sie zu, streckte ihr seine Arme entgegen und sie fasst seine Hand. Als die Welle sich wieder ins Meer zurückzog, segelte sie gemeinsam durch das Loch ins offene Meer zurück.

Von den Dorfbewohnern wurde sie danach nie wieder gesehen und sie haben geträumt, ihre Tochter sei im Meer glücklich geworden. Der Meermann, welcher sich in sie verliebt hatte, sei ein Prinz und sie habe somit ein gutes Leben bei seinem Volk. Aber die Dorfbewohner trauten diesen Traumbotschaften nicht. „Natürlich ist das Seevolk ein grausames Volk. Schau dir doch an, wie sie unser wundervolles Mädchen gestohlen haben und uns dafür noch nicht einmal Vieh angeboten haben.“

Und sie erzählten auch, dass man nachts, wenn die Flut kam, das Seevolk auch heute noch auf den Wellen reiten hören kann, auf der Suche nach einer neuen Braut.

Legende nacherzählt nach:
Hausberg, Klaus-Peter: Mythos Südafrika. Literarischer Reiseführer Südafrika. Mythen, Volksmärchen, Legenden und Geschichten. Edition Grimmland im J.P. Bachem Verlag, Köln 2009, S. 198ff.

Hat Germanistik und Journalistik studiert und unterstützt Madiba.de vor allem mit Worten. Ihre Aufgabe ist es, den Blog mit allerlei Wissenswertem und spannenden Neuigkeiten aus Südafrika zu füttern. Das Land am südlichen Zipfel des afrikanischen Kontinents kennt Sie bis jetzt jedoch nur aus zweiter Hand. Aber die Natur und Kultur haben es ihr schon lange angetan und damit ist eine Reise in die Heimat der legendären „Big Five“ sicher auch nur noch eine Frage der Zeit.

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