Gesundheit

AMREF Health Africa – die Flying Doctors helfen dort, wo sonst keiner hinkommt

By  | 

1957 gründeten der Brite Sir Michael Wood († 1987) zusammen mit seinem Kollegen, dem Neuseeländer Archibald McIndoe, und deren gemeinsamem Freund, dem Amerikaner Tom Rees, die African Medical and Research Foundation (AMREF) mit dem Ziel, entlegene ländliche Regionen durch einen Flying Doctor Service medizinisch versorgen zu können. Wood und McIndoe waren beide plastische Chirurgen in Kenia und sahen dort einen Zusammenhang zwischen tropischen Krankheiten, Armut und mangelnder Gesundheitsvorsorge. In Afrika ist eine Gesundheitsversorgung nur in städtischen Gebieten gewährleistet. In Ostafrika kam in den fünfziger Jahren ein Arzt auf 30.000 Menschen (GB: 1:1000), es gab kaum medizinische Versorgungseinrichtungen, da die Mehrheit der Bevölkerung – wie heute immer noch – im Busch lebte, wo unwegsames Gelände, besonders zur Regenzeit, Straßen unpassierbar machte. Dies ließ nur eine Lösung zu: Medizinische Versorgung aus der Luft – die Idee des Flying Doctor Service war geboren!

In den folgenden Jahren rief AMREF weitere Projekte ins Leben. Ziel ist es, durch Prävention von Krankheiten, Aufklärung und Ausbildung von medizinischem Personal eine Gesundheitsfürsorge aufzubauen, die fast alle Gebiete Ostafrikas erreicht. Mittlerweile ist AMREF mit Hauptsitz in Nairobi, Kenia, in vielen Ländern Afrikas mit über 100 Projekten tätig.

AMREF als größte nichtstaatliche Gesundheitsorganisation Afrikas hat bislang Büros in Kenia, Tansania, Uganda, Äthiopien, Südsudan, Senegal, Südafrika, Europa, Kanada und den USA.

Afrikaner helfen Afrikanern

Vor Ort arbeiten ca. 900 Mitarbeiter für AMREF; 95% sind Afrikaner. Das bedeutet hohe Akzeptanz und großes Vertrauen innerhalb der Bevölkerung. Durch Ausbildung von Fachpersonal wie Ärzten, Pflegern und Hebammen soll eine Grundversorgung im Gesundheitsdienst aufgebaut werden. Die Flying Doctors, heute noch Herzstück von AMREF, können schnell auch in weit entfernten und unzugänglichen Regionen Hilfe bringen. Besondere E-Learning-Programme ermöglichen die Weiterbildung von Krankenhauspersonal ohne, dass diese in die oft weit entfernten Städte reisen müssen. Deshalb können sie weiter bei ihren Familien bleiben oder in den Krankenstationen weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Unterrichtet wird in zwei Phasen: Lernen am Computer und Unterricht in klinischen Praxen; auch hier kommen die Flying Doctors / Clinical Outreach zum Einsatz.

AMREF ist auch fast 60 Jahre nach der Gründung stark von externen Geldgebern abhängig. Das soll sich jedoch ändern. „Wir wollen die Afrikaner wachrütteln. Afrikaner für Afrika, um für die eigenen Gemeinden Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen alle mit einbeziehen auf dem Weg hin zu nachhaltiger Gesundheitsversorgung. Wir wollen finanzielle Stabilität, die unsere Programme vor dem Einfluss globaler Wirtschaftsturbulenzen schützt“, so der erst 2015 neu gewählte globale Chief Executive Officer (global CEO) von Amref Health Africa, Dr. Githinji Gitahi in einem Interview.

In Afrika finden nur 20 % der medizinischen Versorgung in Krankenhäusern statt; Wege sind oftmals zu weit und die Behandlung ist zu teuer. Deshalb bildet AMREF „community health worker“ aus. Diese Gesundheitshelfer leben in den Dorfgemeinschaften, behandeln die Patienten zuhause und klären vor Ort auf.

Sauberes Trinkwasser und Zugang zu sauberen Sanitäranlagen für alle

Amref - Sauberes Trinkwasser

Das WASH and Nutrition Projekt hat das Ziel, die Menschen in die Lage zu versetzen, saubere Wassersysteme zu bauen und sie auch instand zu halten. Nur 30 % der Menschen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara (immerhin 49 von 54 Staaten!) verfügen über den Zugang zu sauberen Sanitäranlagen.

Durch die jahrzehntelange Arbeit vor Ort wird deutlich: Sobald die Menschen verstanden haben, wie wichtig sauberes Trinkwasser oder Zugang zu Toiletten ist, in Ländern, in denen 312 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und aktuell 533 Millionen Menschen keinen Zugang zur sanitären Grundversorgung haben, dann werden auch Krankheiten wie beispielsweise Diarrhö, Typhus oder Bilharziose deutlich zurückgedrängt werden.

Anlässlich des World Toilet Days am 19. November 2015 rief AMREF dazu auf, mehr Fördergelder in die Sanitärversorgung zu investieren. „Denn nur in Zusammenarbeit mit den Regierungen kann die Gesundheit der durch Armut, Krankheit und Diskriminierung benachteiligten Weltbevölkerung gestärkt und nachhaltig garantiert werden.“

Stand Up for African Mothers

Stand Up for African Mothers2012 wurde das Projekt Stand Up for African Mothers ins Leben gerufen. In ländlichen Gebieten ohne Infrastruktur leiden vor allem die Frauen unter der medizinischen Unterversorgung. Eine von 16 Frauen stirbt während der Schwangerschaft oder der Entbindung (in Europa eine von 30.000 Frauen), da es kaum Straßen oder Zugangswege zu weit entfernten Gebieten gibt und medizinische Hilfe in manchen Fällen zu spät kommt. Auch hier hat sich die Hilfe von AMREF Flying Doctors bewährt.

15.000 Hebammen sollen bis Ende 2015 ausgebildet werden; eine Hebamme kann jährlich ca. 500 Schwangere betreuen. Hebammen haben nach ihrer Ausbildung fundiertes Grundwissen über Geburtshilfe, vor- und nachgeburtliche Versorgung von Mutter und Kind sowie medizinisches Basiswissen. Dieses Allroundwissen ist nötig, da in den Krankenstationen im Busch Ärzte Mangelware sind. Daneben klären die Hebammen auch über Verhütung und Geburtenplanung auf. Die Müttersterblichkeit soll um 25 % gesenkt werden.

AMREF Deutschland – über 50 Jahre gesundheitliche Grundversorgung

1963 wurde AMREF Deutschland gegründet. Zur Unterstützung des Outreach-Projekts spendete man in der Geburtsstunde eine dringend benötigte Chessna.

AMREF Deutschland unterstützt durch Spenden sowohl Prävention und Aufklärung als auch medizinische Versorgung ländlicher Gebiete durch die Flying Doctors/Clinical Outreach. Weitere wichtige Projekte sind die Mutter-Kind-Gesundheit und das Integrated WASH and Nutrition Projekt zur Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung. Durch Aufklärungsarbeit in Schulen und ländlichen Gemeinschaften sollen Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder HIV/AIDS vorgebeugt werden.

Eine der Hauptaufgaben seit 2012 ist die Ausbildung von Hebammen, die nach zweieinhalb Jahren die Gesundheitstversorgung in den Dörfern sichern sollen, dort, wo akuter Ärztemangel herrscht.

AMREF Deutschland sieht sich als eine Organisation, die die „in Afrika vorhandenen Strukturen stärken will, um Gesundheit zu fördern und das Bewusstsein für Eigenverantwortung weiter zu entwickeln“. Laut Dr. Marcus Leonhardt, Direktor von AMREF Health Africa, Deutschland, im Interview mit Radio 24, Zürich am 4.9.15, leiste AMREF keine Krisenintervention, sondern lokale Hilfe in der Systementwicklung und  im Strukturaufbau, wobei die Bevölkerung ebenso wie die Regierung von Anfang an mit einbezogen würde. Hierzu sei eine genaue Kenntnis von Kulturen und Traditionen notwendig, was nur mit Ausbildung und Einsatz der einheimischen Bevölkerung funktioniere.

AMREF erhält Auszeichnungen

1999 erhielt AMREF den Conrad Humanitarian Award mit der Begründung, dass es ihr gelungen sei „ein direktes, modernes Gesundheitssystem zu schaffen, das lokal betrieben wird und für alle zugänglich ist“.

2005 bekam AMREF als erste afrikanische Organisation den Gates Award for Global Health (Bill & Melinda Gates Foundation). „Die Stimme Afrikas zu sein ist eine große Herausforderung. Aber AMREF ist mehr als nur die Stimme Afrikas. Es wurde gelernt, wie man nachhaltig die Gesundheit in Afrika verbessert, indem AfrikanerInnen gefragt wurden, was sie benötigen“, so Melinda Gates.

2007 folgte als erste außereuropäische Organisation eine Full Accreditation – Special Care von EURAM (European Aeromedical Institute, welche die Standards von Luftrettungsorganisationen überprüft)

2011 wurde AMREF Air Ambulance Provider of the Year

2013 war AMREF unter den Top 3 der Gesundheitsorganisationen und auf Platz 28 des Rankings der Top-100-NGOs (Non-Governmental-Organization) weltweit

2014 erneut Air Ambulance Provider of the Year

„Wenn der Patient nicht zum Arzt kommen kann, so muss eben der Arzt zum Patienten kommen“. Derzeit versorgen die AMREF Flying Doctors 120 Buschkrankenhäuser mit ca. 1000 Flügen im Jahr. 2014 wurden 8.600 Visiten und 2000 Operationen durchgeführt; die Clinical-Outreach-Programme bilden 2000 lokale Ärzte und weiteres Gesundheitspersonal aus.

Bei Touren durch Afrika für den Notfall abgesichert

AMREF Flying Doctors kümmert sich neben einheimischen Patienten aber auch um Touristen, falls sie über eine Mitgliedschaft verfügen. Bei Touren durch Süd- oder Ostafrika ist so eine medizinische Versorgung und gegebenenfalls der Transfer in moderne Behandlungszentren (in der Regel in Nairobi) gewährleistet, 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr.

Wie kann ich AMREF unterstützen?

Mit einer AMREF HelpCard ist es jedem, der AMREF unterstützen möchte, möglich, zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Afrika beizutragen.

Weitere Informationen unter: www.amrefgermany.de

Copyright Bilder: Amref Health Africa Deutschland

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ad Header Madiba.de
Alexa

Alexa ist als Ägyptologin von Afrika fasziniert. Der Kontinent der geographischen Superlative, der multikulturellen Gesellschaften und wechselvollen Geschichte hat es ihr besonders angetan. Im Mittelpunkt ihrer Recherchen über das südliche Afrika zwischen Kolonialismus und Unabhängigkeit steht das tägliche Bemühen der Menschen um soziale Gerechtigkeit, respektvoller Umgang mit der Natur, Frieden und Eigenständigkeit.

    Wir freuen uns über deine Meinung!

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.