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Südafrika "vor der Haustür"

Das Vermächtnis des Nelson Mandela

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Der Dokumentarfilm: “Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela” stellt die Frage, ob Mandela zwar einen Bürgerkrieg verhinderte, dafür allerdings die politische Würde sowie die wirtschaftliche Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung opferte. Zu welcher Antwort der Regiseur Khalo Matabane kommt, klären wir im Artikel. Am 13. September 2016 wurde der Film im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig vorgeführt. Die Veranstaltung begann 19:00 Uhr und der Eintritt war kostenlos.

In Kooperation mit dem Verein GlobaLE e.V. kam es zu einem Gespräch mit Thabo Thindi und Mike Nagler. Letzterer ist für das GlobaLE Festival zuzständig, Thindi ist Filmemacher und Live-Performer.

Gespräch mit Thabo Thindi und Mike Nagler

Gespräch mit Thabo Thindi und Mike Nagler

Matabane zeichnet in 85 Minuten ein vielschichtiges Bild von Mandela und trifft alte Weggefährten, sowie politische Persönlichkeiten.

Da wir den Dokumentarfilm von 2013 ebenfalls noch nicht gesehen haben, werden wir im Nachgang über unsere Eindrücke schreiben.

 „Mandela hat uns befreit! Aber durch uns hat er zu Essen.“

Khalo Matabane

Khalo Matabane

In dem Dokumentarfilm von Regisseur Khalo Matabane aus dem Jahr 2013 versucht Matabane die verschiedenen Facetten von Tata Mandela zu beleuchten. Ganz unterschiedliche Menschen lässt er dabei zu Wort kommen – Weggefährten Mandelas, politische Gegner, Unterstützer der Apartheid, Literaturwissenschaftler, Nobelpreisträger, Alte, Junge, Schwarze, Weiße, Reiche und Menschen aus den Townships.
Sie alle setzten ihre Hoffnungen in ihn, den ersten frei gewählten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Sie alle hatten ganz unterschiedliche Erwartungen an seine Amtszeit (1994 bis 1999). Viele wurden enttäuscht, denn sie hofften auf die Revolution, die ihnen versprochen wurde, hofften auf Freiheit, Gleichberechtigung, auf ein besseres Leben.

Nelson Mandela Square in Sandton

Nelson Mandela Square in Sandton

Die Revolution kam nicht.

Entlassen nach 27 Jahren Gefangenschaft auf Robben Island wurde ein alter Mann, der sich nach Frieden sehnte. Der einen Bürgerkrieg verhindern wollte, der seine schwarzen Landsleute bat, den Unterdrückern zu vergeben. Er setzte, zur Untersuchung von politisch motivierten Verbrechen während der Apartheid, 1996 die Wahrheits- und Versöhnungskommission ein, deren Vorsitzender der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu war. Sie arbeitete bis 1998. Aber wie können Eltern, die ein oder mehrere Kinder durch weiße Gewalt verloren haben, vergeben? Viele, die auf ein anderes Südafrika gehofft haben, verstanden ihr großes Idol nicht mehr. Er stand für Freiheitskämpfe, bewaffneten Widerstand – und nun … ? Vergebung, Vergessen, dessen, was war. Sich einander die Hand reichen. Nach vorne schauen?

In der sich an den Dokumentarfilm anschließenden Diskussion wurde dies heftig diskutiert. War Mandela nur eine Marionette in der großen Politik, ein Gesicht, ein Mythos, der die politische Macht längst anderen überließ? Wenn ja, war er sich dessen bewusst? Wie geht es mit Südafrika weiter nach seinem Tod?

„Mandela hat uns befreit! Aber durch uns hat er zu Essen.“

Drei Jugendliche aus einem Township sehen Mandelas Regierungszeit durchaus kritisch. Mandela brachte Freiheit, Schwarze können die gleichen Schulen besuchen wie Weiße, haben die gleichen beruflichen Chancen – aber an der Lebenssituation hat sich nichts geändert. Arme bleiben arm. Mandela kehrte in ein wohlhabendes Leben zurück. Ein Leben, das durch die Arbeit seiner armen Landsleute ermöglicht wurde. Das klingt krass – klingt nach großer Frustration.
Was sind Mandelas Verdienste? Was hinterlässt er? Kann man Nelson Mandela auch für die momentane Situation in Südafrika verantwortlich machen? Was hätte er anders machen sollen?

Da äußert sich Colin Powell, Außenminister unter George W. Busch 2001 – 2005, positiv zu Mandela, fast freundschaftlich; Bundespräsident Joachim Gauck spricht vom Handreichen und der Vergebung, die er ehemaligen Stasi-Informanten zuteil habe werden lassen –  ein gewagter Vergleich.
Man sieht Bilder von Künstlern die sich mit Madiba ablichten lassen, um sich in dessen Glanz zu sonnen und ihr Gutmenschentum zu demonstrieren.

„Mandela hatte Charisma, er gab jedem das Gefühl, ihn zu kennen. In seinen Augen lag Verständnis für die Probleme der anderen. Aber er war auch eiskalt – ja eiskalt.“

So eine Stimme.
Antworten gibt der Film keine. Er bleibt oberflächlich, allgemein – ein bisschen Schwarz-Weiß-Malerei.
Man ist erschlagen von den Menschen, den Bildern, die Khalo Matabane, 1974 geboren in Limpopo, Südafrika, zeichnet. Einen roten Faden gibt es nicht; eher eine 85-minütige Auseinandersetzung des Regisseurs mit seinem eigenen Leben in der Gegenwart eines übermenschlichen Mythos. Das zeigt auch der Originaltitel des Films „Nelson Mandela: The Myth and Me“

(Interview mit Matabane)

„Es gilt, Mandelas Botschaft von Freiheit, Vergebung und Versöhnung – aus historischer Perspektive, aber auch im Hinblick auf die heutige Welt – zu interpretieren. Henry Kissinger, Colin Powell, Peter Hain, Albie Sachs, Ariel Dorfman oder auch der Dalai Lama, liefern unerwartete Denkanstöße.“

Quelle: Ein Brief an Nelson Mandela

„Wenn du von allen wie ein Gott behandelt wirst, dann benimmst du dich auch wie ein Gott“.

Mandela hat es geschafft, den Bürgerkrieg in Südafrika zu verhindern – er hat die schwarzen Südafrikaner befreit – aber er hat keine bessere Zukunft gebracht. Das konnte er auch nicht. Er war ein alter Mann, eine Vaterfigur, die für Frieden und Verständnis warb. Seine Nachfolger sollten sein Vermächtnis weiterführen, Südafrika besser machen – aber sie haben ihre Chance nicht genutzt.
Die Regierung ist korrupt.

„Man lebt wie auf einem Pulverfass und über kurz oder lang explodiert es“,

findet Thabo Thindi, ein in Berlin lebender Künstler aus Südafrika, der in der sich anschließenden Diskussion versuchte, Erklärungen zu finden. Er war zehn Jahre als Mandela aus dem Gefängnis kann; barfuß ist er dem Held entgegengelaufen als dieser sein Township besuchte. Für ihn ist alles gut gelaufen – gute Schule, Studium, guter Job. Aber er kennt auch die Schattenseite, die wohnt gleich auf der anderen Straßenseite – arme Menschen ohne Chance. In der eigenen Familie gäbe es diese Gegensätze auch, so Thindi, der die Lebenswege der während der Apartheid geflohenen Südafrikaner nach zu zeichnen versucht.

Free Nelson Mandela!

Mich persönlich hat der Film bewegt. Ich bin geboren in dem Jahr als man Nelson Mandela verhaftete, bin in den Achtzigern als Studentin in meinem grünen Anti-Apartheid T-Shirt für Mandela auf die Straße gegangen, war in einer Südafrika-Gruppe. Auch ich hatte große Erwartungen an Madiba, dachte, alles wird besser, alles wird anders, Tata Mandela wird’s schon richten.
Als er dann da war, war ich enttäuscht; ich wollte nicht um Vergebung bitten, habe nicht verstanden, was Nelson Mandela bewegte.
Im Laufe der Jahre verstand ich. War froh, dass Südafrika nicht im Bürgerkrieg versunken ist.
Mein grünes Shirt habe ich heute noch – als Erinnerung.

Almost two decades into its democracy, South Africa is not the country that Mandela had said he hoped it would become. Economic inequality and poverty remain rife; the education and health sectors are inadequate; and South Africa remains divided by various forms of separation.

„Nach fast zwei Dekaden Demokratie ist Südafrika immer noch nicht das Land, von dem Mandela sagte, er hoffe, es wird es einst werden. Wirtschaftliche Ungleichheit und Armut bleiben weit verbreitet; Bildungs- und Gesundheitswesen sind mangelhaft; und Südafrika bleibt geteilt durch verschiedene Ausprägungen der Spaltung.“

, so Human Rights Watch (Nelson Mandela Myth an me).

Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen – Das wünsche ich mir für Südafrika.
Gezeigt wurde der Film anlässlich des 12. Festivals von globaLE – globalisierungskritisches Kino in Leipzig (21.07. bis 03.11.)

„Das Projekt globaLE ist ein politisches Filmfestival, welches Film als Medium nutzt, um die weltweiten Zusammenhänge und Auswirkungen kapitalistischer Ökonomie zu dokumentieren, aber auch den Widerstand gegen Ausbeutung und Ausgrenzung zu zeigen und wie Menschen ihren Mut, ihre Würde und ihre Hoffnung nicht verlieren.“

Weitere Informationen

Filme, Termine und Veranstaltungsorte, Programmflyer als pdf (3MB)

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Alexa

Alexa ist als Ägyptologin von Afrika fasziniert. Der Kontinent der geographischen Superlative, der multikulturellen Gesellschaften und wechselvollen Geschichte hat es ihr besonders angetan. Im Mittelpunkt ihrer Recherchen über das südliche Afrika zwischen Kolonialismus und Unabhängigkeit steht das tägliche Bemühen der Menschen um soziale Gerechtigkeit, respektvoller Umgang mit der Natur, Frieden und Eigenständigkeit.

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